Die Papi-Kolumne: Über die digitale Selbstbestimmung meines Kindes

Vater zu werden und zu sein, ist ein Abenteuer. Antoine Schnegg nennt sich zwar nicht Experte im Gebiet, Vater ist er trotzdem geworden. In der «Papi-Kolumne» erzählt er über das Zusammenleben mit seinem Sohn und seiner Partnerin. Dieses Mal über die digitale Selbstbestimmung seines Sohnes.
13. August 2018

Es gibt sie zwar, die Ratgeber und Blogs, die zeigen, wie man das Elternsein meistert. Ich persönlich finde diese nicht besonders ansprechend oder hilfreich. Diese Kolumne soll auch kein Ratgeber für werdende Väter sein. Vielmehr möchte ich meine ganz persönlichen Erlebnisse auf diesem abgefahrenen Trip, der das Vatersein ist, mit euch teilen. Ich möchte auch vorausschicken, dass ich kein Experte auf dem Gebiet bin, ich oft verzweifle, sehr viel lache und überzeugt bin, dass Vater sein etwas Wunderschönes ist. Das Vatersein hat mich als Menschen verändert, und ich glaube zum Besseren. Also: Falls du Papi wirst/bist und du ein besserer Mensch sein möchtest, dann musst du das eigentlich lesen.

Damit ihr wisst, mit wem es ihr in Zukunft zu tun habt: Ich bin Antoine, 34 Jahre alt und arbeite als Bürogummi in Zürich. Mein Sohn L. ist im Januar 2017 auf die Welt gekommen. Wir wohnen zu dritt mit L.‘s Mutter, meiner Partnerin, in Wipkingen und arbeiten beide zu 80-Stellenprozenten in unseren Jobs. L. geht drei Tage die Woche in die Krippe, wo er unglaublich spannende Sachen erlebt.

Der erste «fistbump»

Ich habe mich ferner entschieden, L. in dieser Kolumne nur mit einem Buchstaben zu nennen, da ich seine digitale Selbstbestimmung ihm überlassen möchte. Auch Bilder von ihm werdet ihr hier nicht sehen. Und um genau dieses Thema, soll es in dieser ersten Kolumne gehen: Welche Rechte hat ein Kind, welches sich noch nicht im Klaren ist, was mit seinen Informationen und Bildern im Internet geschehen kann?

Wir kennen bestimmt alle Eltern, welche auf sozialen Medien – oder auch auf Messagingdiensten – die neusten Held*innentaten ihrer Kleinen mitteilen. Das ist ein ganz natürliches Verhalten, mit dem man seiner digitalen Umwelt köstlich auf die Nerven gehen kann. Nichtsdestotrotz handelt es sich um ein heikles Thema. Das Phänomen ist insbesondere auf Facebook stark verbreitet, wo Mütter und Väter Fotos praktisch noch im Kreissaal posten. Hier wird ein grossartiger, intimer Moment, der die Geburt ist, für ein paar Momente Narzissmus preisgegeben.

Das Ganze nimmt dann groteske Züge an, wenn die Kleinen etwas zum ersten Mal machen – und kleine Kinder machen nun mal vieles zum ersten Mal – und die stolzen Eltern dies dann der ganzen Welt mitteilen. Man kann es diesen Eltern allerdings nicht übel nehmen, handelt es sich doch um ein absolut verständliches Verhalten. Was war ich stolz, als L. mich zum ersten Mal mit einem «fistbump» begrüsst hat.

Die Bilder gehören meinem Sohn L.

Trotzdem habe ich kein Bild oder Video des kleinen Möchtegern-Gangsters verschickt oder geteilt. Ich bin der Überzeugung, dass L. unbewusst Rechte an seinem Bild und seiner digitalen Persönlichkeit besitzt. Klar ist auch, dass ich als Erziehungsberechtigter bis zu einem gewissen Alter diese Rechte für L. ausübe. Somit gilt für mich, dass ich möglichst sorgfältig damit umgehen muss. Man könnte mir jetzt vorhalten, dass ich auf sozialen Medien die Privatsphären-Einstellungen so einschalte, dass Beiträge und Bilder nur für meine Freund*innen sichtbar sind. Dem lässt sich entgegenhalten, dass meine Freund*innen dann mit Bildern von L. machen könnten, was sie wollen.

Das Schreckgespenst ist natürlich die Vorstellung, was pädophil veranlagte Personen mit Bildern und Informationen von Kindern anfangen, aber die digitale Privatsphäre geht noch einen Schritt weiter: Vielleicht schämt sich L. früher oder später Mal für einen hypothetischen Post meinerseits (oder diese Kolumne), ich kann diesen aber nie mehr löschen. Auch wenn ich finde, dass man sich von Pädokriminellen nicht einschüchtern lassen sollte, glaube ich, dass im Umgang mit Kinderfotos auf sozialen Netzwerken Vorsicht geboten ist. Das Gleiche sollten wir eigentlich auch unseren Kindern vorleben. Wer will schon Bilder von Papa sehen, wie er im Suff Baumaschinen zweckentfremdet und einen Traktoren entführt? Was meint ihr? Wie würdet ihr mit Bildern eurer Sprösslinge umgehen?

Ich habe mir für die Zukunft bereits Themen ausgedacht, die hier behandelt werden sollen. Diese Kolumne soll verschiedene Aspekte des Vatersein beleuchten. Eventuell lege ich den Fokus etwas anders als andere Väter, aber ich werde täglich mit neuen Herausforderungen konfrontiert, über die ich schreiben könnte. Falls euch etwas Gutes einfällt, lasst es mich doch in der Kommentarspalte wissen. Ich freue mich auf eure Rückmeldungen und auf diese Kolumne.

Titelbild: Unsplash / Tsüri.ch

Antoine Schnegg
Antoine Schnegg ist 34 Jahre alt und arbeitet als Bürogummi in Zürich. Mit seiner Partnerin und seinem Sohn, der 2017 auf die Welt kam, wohnt er in Wipkingen. Beide Elternteile arbeiten 80-Stellenprozent. Für Tsüri.ch berichtet er als freier Kolumnist aus seinem Leben als Familienvater.
Die Papi-Kolumne: Sollen wir Kinder haben?
Die Papi-Kolumne: Wir sind schwanger?

Jetzt kostenlos abonnieren

Tsüri-Mail

Trage dich hier für den Newsletter ein.

Diese Rubriken interessieren mich:
<

Whatsapp

Jetzt auf dem Laufenden bleiben. Unser Whatsapp-Channel sendet dir die neusten Beiträge direkt auf dein Handy

Klickte auf den Button, speichere unsere Nummer und sende das Wort «Start» an uns. Schon geht's los.

Facebook-Messenger

Jetzt auf dem Laufenden bleiben. Unser Facebook-Channel sendet dir die neusten Beiträge direkt auf dein Handy

Klickte auf den Button und sende das Wort «Start» an uns. Schon geht's los.

Telegram

Jetzt auf dem Laufenden bleiben. Unser Telegram-Channel sendet dir die neusten Beiträge direkt auf dein Handy

Klicke auf den Button. Schon geht's los.

Member reden mit: Bewerte hier diesen Beitrag mit 1 bis 5 Punkten und entscheide so über das Honorar für den / die Journalist*in mit.
Bewertung löschen

Kommentare

Willst du unabhängigen Journalismus?

Tsüri.ch steht für unabhängigen & engagierten Journalismus und setzt sich für eine offene, fröhliche, tolerante und ökologische Gesellschaft ein. Mit deiner Unterstützung können wir das auch in Zukunft tun.

Mit nur 5.-/Monat bin ich dabei
Einloggen und zurück zum Artikel
Gerade nicht