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Die Papi-Kolumne: Liebe zu dritt

Vater zu werden und zu sein, ist ein Abenteuer. Antoine Schnegg bezeichnet sich zwar nicht als Experten auf dem Gebiet, Vater ist er trotzdem geworden. Dazu ist er nicht nur Vater, sondern auch Partner einer wunderbaren Frau. Mit ihr besegelt er die Weltmeere.
12. Dezember 2018

Der Titel dieser Kolumne ist etwas irreführend. Es geht hier nicht um sexuelle Befreiung nach dem Kinderkriegen, sondern darum, dass sich das Verhältnis zwischen Vater und Mutter nach dem ersten Kind nachhaltig verändert. Ist man vorher noch ziemlich zerstreut durch das Leben gesurft, segelt man im Idealfall nun gemeinsam durch die Familienwelt.

Reality Check

Die ersten Tage nach der Geburt von L. erholte sich meine Partnerin vorerst von einer anstrengenden Geburt. Ich als frischgebackener Vater wankte noch zwischen Geburtstrauma und Gefühlshigh mit rosaroter Brille. Irgendwann holte mich jedoch die Realität wieder ein. Als der irrwitzig kurze Vaterschaftsurlaub vorbei war und der Alltagstrott wieder losging, fing eine harte Zeit an. Meine Partnerin und ich litten unter den kurzen Nächten. Während wir jahrelange Erfahrung im Kindermachen gesammelt hatten, war das Kinderhaben am Anfang für uns beide eine ziemliche Herausforderung.

In den ersten Lebenswochen von L. wurde der Schlaf-Ess-Still-Rhythmus meiner Partnerin nur durch regelmässiges Windelnwechseln unterbrochen. Dabei konnte ich sie unterstützen, jedoch war ich tagsüber meistens bei der Arbeit. Als wir uns abends wieder sahen, waren wir oft müde und manchmal auch noch schlecht gelaunt. Das romantische Bild einer frischgebackenen Kleinfamilie muss mit Tränen und anderen Körperflüssigkeiten ausgemalt werden.

Die einschlägigen Ratgeber und das Internet hämmern uns jungen Vätern ein, dass wir nun die Stütze unserer Partnerin sein sollen und unsere Bedürfnisse erst einmal hinten anstellen sollen. Natürlich sollen wir unserer Partnerin zur Seite stehen, keine Frage. Aber den Job zu schmeissen, die Frau am Wochenbett zu betreuen und den kleinen Hosenscheisser gleichzeitig noch auf dem Arm zu halten, ist auch für Väter physisch sowie emotional anspruchsvoll. Ich schäme mich nicht zu schreiben, dass ich die Geburt und die Anfangszeit unserer kleinen Familie mehrere Wochen verarbeiten musste. Hierbei halfen mir unter anderem auch die Gespräche mit meinem Vater und anderen Vätern.

Finden wir uns wieder?

An alle jungen Väter: Diese harte Zeit geht vorbei. Spielt man anfangs für die Mutter höchstens die zweite Geige (gefühlt die fünfte), so ist für uns die gemeinsame Liebe zu L. zu einem wichtigen Anker in unserem Leben geworden. Und die zweite gute Nachricht: Auch die Liebe als Paar flammt irgendwann wieder auf.

Als L. anfing etwas länger zu schlafen und pflegeleichter zu werden, konnten wir als Paar uns wieder einmal aufeinander fokussieren. Wir haben zudem das grosse Glück, dass unsere Eltern wahnsinnig gern Zeit mit L. verbringen und er es liebt, bei seinen Grosseltern abzuhängen.

Dank Ihnen stand nach ein paar Monaten wieder einmal ein gemeinsamer Kinobesuch auf dem Programm. Ein paar Wochen später dann tatsächlich auch mal wieder ein gemeinsamer Ausgang. Nach langer Zeit konnten wir endlich mal wieder gemeinsam einen Gin Tonic trinken.

Das tönt zwar trivial, das waren aber zwei der besten Gin Tonics unseres Lebens. Es folgten weitere an diesem Abend. Wir nehmen für uns beide nun ganz bewusst Zeit in Anspruch, welche wir ohne Kind miteinander verbringen. Das schaffen wir etwa einmal im Monat – auch ohne Alkohol.

Als L. knapp neun Monate alt war, haben wir uns entschieden, eine Woche ohne ihn in die Ferien zu fahren. Die Grosseltern von L. haben sich bereit erklärt, ihn eine Woche für uns zu hüten. Viele andere Eltern können sich das entweder nicht vorstellen oder finden, dass wir Rabeneltern sind. Das ist mir eigentlich ziemlich egal. Wir waren mit Freunden eine Woche in Griechenland segeln. Diese wunderschöne Zeit war für uns als Paar sehr wertvoll. Dieses Jahr haben wir das wieder gemacht und ich bin überzeugt, dass wir wieder einmal ohne L. abhauen.

Die Geburt unseres Sohnes gehört für uns zu den wichtigsten Ereignissen in unserem Leben. L. ist für mich neben meiner Partnerin die wichtigste Person in meinem Leben. Dennoch möchte ich unsere Partnerschaft nicht nur als Familie leben und meine Partnerin nicht nur als Mutter sehen. Sie ist eine tolle Frau, die ich bewundere und die mich zu dem Menschen macht, der ich heute bin. Der Sechser im Lotto ist eigentlich, dass wir zusammen ein tolles Kind gekriegt haben.

Titelbild: Simon Matzinger


Übrigens: Ich schreibe hier immer über unsere gendernormative Familie, welche aus Frau, Mann und Kind besteht. Der Begriff Familie soll aber nicht an diesem Bild kleben bleiben. Freundinnen schreiben ein tolles Kinderbuch, welches auch den Kleinsten beibringen soll, dass es alternative Familienmodelle gibt. Hier könnt ihr dieses Projekt unterstützen.

Antoine Schnegg
Antoine Schnegg ist 34 Jahre alt und arbeitet als Bürogummi in Zürich. Mit seiner Partnerin und seinem Sohn, der 2017 auf die Welt kam, wohnt er in Wipkingen. Beide Elternteile arbeiten 80-Stellenprozent. Für Tsüri.ch berichtet er als freier Kolumnist aus seinem Leben als Familienvater.

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