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Die Nationalität führt zu keinen Straftaten

Im März stimmt der Kanton Zürich darüber ab, ob in Medienmitteilungen der Polizei die Nationalität der Täter*innen genannt werden muss. Chefredaktor Simon Jacoby findet diese Forderung diskriminierend und irrelevant.
12. Februar 2021
Chefredaktor

Als Journalist weiss ich, dass die Nationalitäten der Täter*innen in Polizeimeldungen völlig uninteressant sind. Die Nennung der Nationalitäten suggeriert, dass kriminelles Verhalten mit der Nationalität zusammenhängt. Dies ist diskriminierend und falsch. Denn niemand begeht eine Straftat, weil er oder sie in einer bestimmten Region zur Welt gekommen ist.

Doch die SVP will mit ihrer Volksinitiative genau diesen Zusammenhang künstlich herstellen und die Polizeien im Kanton zwingen, die Farbe des Passes in den Medienmitteilungen zu nennen. Zusätzlich absurd und problematisch wird es dann, wenn jemand, der*die ohne Schweizer Bürgerrecht in der Schweiz geboren und aufgewachsen ist, eine Straftat begeht. Inwiefern unterscheidet sich dieser Mensch von mir, der ebenfalls hier geboren wurde? Aus journalistischer Sicht, und Medienschaffende sind ja schliesslich die Zielgruppe der Medienmitteilungen der Polizei, sind solche Angaben schlicht nicht relevant und sogar langweilig.

Wenn es zum Beispiel heisst, eine asylsuchende Person aus Algerien habe diese oder jene Straftat begangen, dann sind andere Fragen statt jener der Nationalität spannend: Was ist passiert? Wo ist es passiert? Und vor allem, warum ist es passiert? Das Warum lässt sich nur klären, indem der Sache auf den Grund gegangen wird und nicht mit der Nennung der Passfarbe. Wenn eine britische Person einen Autounfall verursacht, dann nicht, weil sie britische Wurzeln hat, sondern vielleicht, weil in England auf der anderen Strassenseite gefahren wird. Wenn jemand klaut oder verletzt, dann vielleicht aus Verzweiflung oder aufgrund von psychischen Störungen. Wenn jemand eine Bank überfällt, dann nicht, weil er oder sie aus einem bestimmten Land kommt, sondern vermutlich aus Geldmangel. Faktoren wie die soziale Schicht, Bildung oder prägende Lebensereignisse beeinflussen die Kriminalität, nicht ihre Herkunft.

Als Journalist interessiert mich in erster Linie das Ereignis und in zweiter Linie die Hintergründe. Diese sind oft persönlicher, soziologischer oder auch kultureller Natur. Daraus ergeben sich spannende Fragen und bei deren Beantwortung auch Erkenntnisse für die Gesellschaft.

Diese SVP-Initiative wurde lanciert, weil die Stadtpolizei Zürich aufgehört hat, die Nationalitäten zu nennen. Seither ist die Qualität der Berichterstattung kaum gesunken und Zürich ist nicht zu einer gefährlicheren Stadt geworden. Die Forderungen der SVP-Initiative bringen niemandem irgendetwas, aber sie diskriminieren tausende unserer Mitmenschen. Das haben wir nicht nötig.

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