Mikrofon und Desinfektionsmittel – Radio zu Zeiten von Corona. Bild: zVg

«Die Krise war schon vor Corona» – Neue Radioshow von Besetzer*innen

Am Donnerstag, 9. April um 18 Uhr geht das Pirat*innen-Radio Megahex.fm online. Conradin Zellweger hat mit zwei Initiant*innen über ihre Beweggründe und das Programm gesprochen.
09. April 2020

Mit Megahex.fm bekommt Zürich dieses Wochenende ein neues Webradio aus der Besetzer*innenszene und dem alternativen Umfeld. Angekündigt sind Informationen zum Coronavirus, politische Sendungen mit einem aktivistischen Blick. Zu hören gibt es auch Musikshows von unabhängigen Labels.

Die Macher*innen bezeichnen das Radio als «Pirat*innenradio». Gesendet wird aus Stuben, Squats und einem kleinen Studio in einem besetzten Haus.Tsüri.ch hat mit zwei Initiant*innen des Radios gesprochen. Sie antworten unter dem Pseudonym Megahex.

Conradin Zellweger: Es gibt so viele Informationen zum Coronavirus und seinen Folgen, warum braucht es gerade jetzt noch ein neues Radio?

Megahex*: Um es gleich klarzustellen: Wir sind keine Medienprofis oder Journalist*innen. Wir starten ein Do-it-Yourself-Radio. Wir wollen unsere politischen und kulturellen Aktivitäten trotz der räumlichen Trennung weiterführen. Es ist sehr wichtig, sich auszutauschen und gegenseitig zu inspirieren. Und im Moment des Social Distancings wird die Krise, in welcher wir leben noch viel offensichtlicher.

Ist nicht Corona die Krise?

Durch Corona spitzt sich die Lage für Leute zu, die eh schon in prekären Verhältnissen leben. Ältere Menschen, die jetzt vereinsamen, da ihr Sozialleben von kommerziellen und konsumorientierten Orten abhängig ist. Frauenhäuser waren schon vor der Corona-Krise überfüllt. Auch die prekäre Situation für Menschen, die in der Kinderbetreuung und Pflege arbeiten besteht schon lange, doch jetzt kann man das einfach nicht mehr verneinen.

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Viele spüren gerade jetzt eine grosse Solidarität, etwa bei den vielen Hilfsangeboten auf Facebook...

Es gibt viele Plattformen und Hilfsangebote. Mit Aushängen, Sozialen Medien und so weiter. Diese Aktionen sind wichtig und schön, jedoch nur ein Teil der Solidarität. Solidarität sollte nicht nur in der Corona-Krise bestehen und darf nicht an der Schweizer Grenze enden. Megahex.fm setzt sich dafür ein, etwa mit Sendungen über Care-Arbeit und Geflüchtete, auch nach der Corona-Krise.

Das Radio ist also eine politische Stimme in der Corona-Krise?

Nicht nur das! Megahex.fm ist eigentlich seit einem Jahr in Planung. Aber die Corona-Krise hat uns den finalen Push gegeben, das Radio zu starten. Man liest in dieser Situation viel mehr Medien. Die Vormacht der bürgerlichen Medien fällt jetzt aber auch besonders stark auf. Wir wollen auf bestehende linke Angebote hinweisen und vielleicht daraus vorlesen. Und es ist auch so: Die jetzige Situation ist sehr isolierend. Das merken wir auch persönlich. Jetzt braucht es einen gemeinsamen Raum.

Was hört man denn bei euch?

Wir machen ein dreitägiges Eröffnungsprogramm. Es gibt viel Musik, der Schwerpunkt liegt bei der Musik von unabhängigen Labels. Leute können von zu Hause eine Sendung machen und streamen. Es gibt Podcasts und unterschiedliche News-Formate. Eine Show heisst «Corona Total». Wenn keine Sendung läuft, dann übernimmt ein Musik-Algorithmus.

Was braucht es, um ein Radio zu machen?

Nicht besonders viel. Wir haben zwei Mikrofone gekauft. Unser Studio ist in einem besetzen Haus. Das detaillierte Programm haben wir auf unserer Webseite aufgeschaltet. Die Shows sind danach auf der Webseite im Replay aufrufbar.

Der Community-Gedanke steht bei uns klar im Vordergrund. Unser Radio funktioniert unentgeltlich.

Viele Kulturschaffende haben momentan kaum Einkommen und Aufträge. Könnt ihr dort Abhilfe schaffen?

Viele Leute in unserem Umfeld und wir selber arbeiten im Stundenlohn, arbeiten schwarz oder ohne fixen Arbeitsvertrag. DJ’s, Künstler*innen, Schauspieler*innen, die spüren die aktuelle Krise sehr stark. Aber unsere Community weiss, wie man auch mit wenig Geld klarkommt. Der Community-Gedanke steht bei uns klar im Vordergrund. Unser Radio funktioniert unentgeltlich.

Ihr sagt nicht genau, wo sich euer Studio befindet und ihr wollt als Megahex.fm sprechen und nicht mit euren eigenen Namen. Warum?

Wir wollen nicht eine Person in den Vordergrund stellen. Im Zentrum steht die Community. Klar, wir sind momentan acht Leute im Kernteam, machen das Programm, reissen etwas an. Aber der Inhalt soll im Zentrum stehen. Ausserdem wollen wir uns schützen. Wir sind uns der rechtlichen Lage noch nicht ganz im Klaren. Der Name Magahex.fm ist von Piratensendern inspiriert. Einer der ersten Piratenradios in Zürich hiess «d’Wällehäxe». Das liegt in der Tradition von Pirat*innenradios und Community-Radios, dass die Urheber*innen nicht im Zentrum stehen. Und es gibt gute Musik! Wir freuen uns, wenn ihr bei der Eröffnungsshow rein hört!

*Namen der Redaktion bekannt

Hier geht es direkt zum Webradio und Instagram von Megahex.fm. Das Programm der ersten zwei Tage sieht so aus:

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