💌 «Züri Briefing» 💌

«Wireless» sieht anders aus. Auf dieser Karte siehst du alle Glasfaser-Unterwasserkabel, die das Internet am Laufen halten und Europa mit den anderen Kontinenten verbinden. Bild: Telegeography

Die Geschichte des Internets – und wie es zu dir nach Hause kommt

Das Internet ist zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden. Und trotzdem wissen wir gar nicht so genau, wie es funktioniert. Wir erklären dir, wie das Internet zu dem geworden ist, was es heute ist.
15. September 2021

Vor nur 25 Jahren war das Internet noch praktisch niemandem ein Begriff. Heute unvorstellbar. In der Schweiz hatten im letzten Jahr, je nach Alterskategorie, 96 bis 99 Prozent der Menschen Zugang dazu. Weltweit liegt dieser Wert mit 54 Prozent deutlich tiefer. Ganz klar ist aber, dass das Internet die Gesellschaft in vielen Lebensbereichen verändert hat. So gibt es dank des Internets heute viele neue Wirtschaftszweige. Auch haben sich unsere Kommunikation und die Art, wie wir Medien nutzen, grundlegend gewandelt. Einige Menschen setzen die Erfindung des Internets und den damit verbundenen kulturellen Wandel mit der Erfindung des Buchdrucks gleich.

Von Genf raus in die Welt

Das Internet, wie wir es heute kennen, hatte verschiedene Vorläufer wie z.B. das Arpanet oder das Usenet. Diese waren aber noch anders aufgebaut als das World Wide Web (WWW). Am 20. Dezember 1990 ging die erste «echte» Website online, die es noch heute gibt. Und sie sieht genau so aus, wie du sie dir nun wohl vorstellst. Du findest darauf die Namen von 19 Personen, die sich dazumals für das sogenannte WWW-Projekt eingesetzt haben. Auf der Liste steht unter anderem der Name Tim Berners-Lee. Er gilt mit der Entwicklung des neuartigen Hypertext-Systems als der «Erfinder des Webs» und war damals vielleicht sogar der erste Mensch auf der Welt, dessen Eltern sich beide dem Informatikberuf verschrieben hatten.

Der Physiker und Informatiker Tim Berners-Lee (*1955) gilt als der «Erfinder des Internets». Bild: Paul Clarke, CC BY-SA 4.0

Wer jetzt denkt, dass das Internet an einer Universität oder von einem IT-Konzern erfunden wurde, liegt falsch. Zwar haben verschiedene Universitäten und Forschungseinrichtungen mit Vorläufern des Internets gearbeitet. Der wirkliche Geburtsort des WWW liegt aber in Genf am CERN, der europäischen Organisation für Kernforschung. Hier wird in riesigen Anlagen, die teilweise über die Grenze nach Frankreich reichen, mit Elementarteilchen geforscht. Ein Problem war, dass in Frankreich und der Schweiz mit unterschiedlichen Netzwerk-Infrastrukturen gearbeitet wurde. Zudem wurden die Datenmengen, die ausgewertet werden mussten, immer grösser, der Transfer schwieriger. Tim und seine 18 Kolleg:innen suchten eine Lösung. Sie wollten ein Netzwerk programmieren, das einen internationalen Austausch von Daten ermöglichen sollte. Dies war die Geburtsstunde des Internets.

Das Internet auf einem T-Shirt

Zu Anfangszeiten gab es sogar T-Shirts, auf welchen die Namen aller Internetadressen Platz hatten – es waren auch nur fünf! Heute gibt es vielleicht hunderte Millionen, vielleicht sogar über eine Milliarde Domains. So genau weiss das niemand. Das Datenaufkommen war 2020 76 Exabytes hoch. Um sich das besser vorstellen zu können: Ein Exabyte ist eine Trillion Bytes, also eine Eins mit 18 Nullen hintendran. Und der Trend geht steil nach oben: allein von 2019 bis 2020 hatte sich der Verbrauch um 16 Exabytes erhöht. Denn wir nutzen das Internet überall. Dies, um eine Zugverbindung nachzuschauen, bargeldlos in einer Bar zu bezahlen oder um einfach eine E-Mail zu versenden. Es gehört zu unserem täglichen Leben. Doch damit das Internet funktioniert, sind viele technologische Bestandteile notwendig, welche perfekt miteinander funktionieren müssen.

Das grösste Netzwerk der Welt

Das Internet ist ein riesiges Netzwerk, das aus verschiedensten Teilen besteht. Dazu gehören Datenspeicher wie Server und Datenverteiler wie Router. Für den Transport der Daten braucht es Kabel, Satelliten und Funkwellen. Damit wir Zugriff auf die Daten haben, sind Endgeräte wie Computer oder Handy notwendig. Alle Sachen, die du im Internet findest, sind auf sogenannten Servern (Deutsch: Diener) gespeichert. Einen Server musst du dir wie einen Computer ohne Bildschirm vorstellen. Wenn du von zu Hause aus eine Website aufrufen möchtest, greifst du auf einen Server zu, auf welchem diese Website gespeichert ist. Hier holst du die Daten, die dazu verwendet werden, damit du die Internetseite anschauen kannst.

Ein Server kommt selten allein. Oft werden sie, wie hier in einem Datacenter, in grossen Räumen zusammen aufgestellt, um die Leistung zu erhöhen. Bild: powernewz

Damit diese Daten von einem Ort zum anderen gelangen, brauchen wir sogenannte Router, welche für die Daten den richtigen Weg suchen und weitersenden. Damit das alles als Netzwerk bezeichnet werden kann, braucht es Kabel – und zwar viele Kabel! Zu Hause verbindest du dich höchstwahrscheinlich zwar über das WLAN mit dem Router, der in deiner Wohnung steht. Das funktioniert aber nur auf kurzen Strecken. Danach werden die Daten über Kabel weitergesendet. Diese sind zwingend notwendig, damit Daten längere Strecken zurücklegen können. Und das rasend schnell: Wenn du von deinem Computer aus eine Webseite aufrufen möchtest, die auf einem Server in Amerika gespeichert ist, werden die Daten von da schneller zugesendet, als du deinen Namen aussprechen kannst.

Damit dies so gut und schnell funktioniert, müssen die verschiedenen Kontinente miteinander verbunden sein. Dafür gibt es sogar Kabel, die den Ozean durchqueren. Wenn du nun zum Beispiel eine Mail verschickst, werden die Daten die ersten Meter per Funk an den Router gesendet; danach durch das Kabel bis zum Server, wo die Daten, die du brauchst, abgespeichert sind; und von dort wiederum über weitere Router, Server und Kabel an den richtigen Ort weitergeleitet.

Du siehst also: Das WWW ist ein riesiges – ein weltweites – Netzwerk, welches aus unzähligen technischen Bestandteilen besteht. Von Jahr zu Jahr muss es mit immer grösseren Datenmengen umgehen. Und dafür ist eine robuste Infrastruktur nötig, die auch ständig gewartet und ausgebaut werden muss.


Spaziergang: Der Weg der Daten

Mittwoch, 29. September, 19:00 Uhr, ewz Kundenzentrum, Beatenplatz 2, 8001 Zürich (Nähe HB)

Normalerweise liegen Zürichs Internet-Glasfaserkabel unsichtbar im Boden vergraben. Doch auf diesem Spaziergang öffnet ewz für uns einige Türen und Schächte, die sonst verschlossen bleiben. Wir gehen dabei in den Untergrund und erfahren mehr über den Weg, welchen die Daten durchs Internet nehmen.

Limitierte Plätze. Anmeldung obligatorisch!

Kommentare