🥳 1156 Member 🥳

Titelbild: Baugeschichtliches Archiv

Die 11 besten Dokus über Zürich

Genug von Netflix? Wir stellen dir hier 11 Dokumentarfilme vor, die dein Wissen über die Stadt Zürich erweitern und zudem (fast) alle gratis verfügbar sind.
24. März 2020
Redaktorin

Wenn du Glück hast, ist diese Tage die Langeweile dein grösstes Problem. Wenn du wie Chuck Norris schon alle Serien auf Netflix geschaut hast, haben wir dir hier eine Auswahl an Dokumentarfilmen von 1965 bis 2019 zusammengestellt. Sie erweitern dein Wissen über die Stadt Zürich und sind zudem (fast) alle gratis verfügbar.

1. Armut in Zürich (1965)

Gerade besinnen wir uns zurück zu unseren Wurzeln und das ist schön. Doch früher war nicht alles besser. Diese 12-minütige Reportage über ein Baracken- und Wohnwagen-Viertel am Rande der Stadt Zürich zeigt, dass vor weniger als 60 Jahren in Zürich manche nicht annähernd den Lebensstandard hatten, den wir heute besitzen. Armut, Verwahrlosung und teils prekäre hygienische Verhältnisse prägen diese Gegend. Auch heute gibt es noch Leute, die in Armut leben. Zuhause bleiben zu müssen ist uncool, aber immerhin haben heutzutage fast alle ein mehr oder weniger komfortables Zuhause.

member ad

2. Globuskrawalle (1968)

«Das als Globuskrawall in die Annalen eingegangene Ereignis gilt gemeinhin als Schlüsselmoment von 68 in der Schweiz. [...] Dem Globuskrawall waren Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei anlässlich der Konzerte der Rolling Stones am 14. April 1967 und von Jimi Hendrix am 31. Mai 1968 im Hallenstadion vorangegangen. Im Juni konstituierte sich ein Provisorisches Aktionskomitee für ein autonomes Jugendzentrum, das ein jahrzehntealtes Postulat wieder aufgriff. Am 29. Juni versammelten sich vor dem Globusprovisorium auf der Bahnhofbrücke rund 2’000 Personen und forderten die Einrichtung eines autonomen Jugendzentrums in dem Gebäude. Nach einem polizeilichen Versuch, das verkehrstechnisch wichtige Gelände mittels Abspritzen aus Feuerwehrschläuchen von DemonstrantInnen zu räumen, eskalierte die Situation. Die Auseinandersetzungen weiteten sich auf verschiedene Schauplätze in der Innenstadt aus und dauerten bis in die frühen Morgenstunden. Die Verhafteten wurden im Keller des Globusprovisoriums festgehalten und teilweise von der Polizei schwer misshandelt. Insgesamt wurden bei den Krawallen 19 DemonstrantInnen sowie 22 Polizisten und Feuerwehrleute verletzt.» - Schweizer Sozialarchiv

Die Interviews des Beitrages findest du in diesem Video in voller Länge (11 Minuten). Einen zusammenfassenden, vierminütigen Beitrag des SRF Archivs hier:

3. «Von zwölf bis zwölf» – 24 Stunden Langstrasse (1971)

Weil du zur Zeit nicht an die Langstrasse gehen darfst, um zu feiern oder Kaffee zu trinken, könntest du diese 42-minütige Doku schauen. Sie zeigt, wie es an der Langstrasse vor knapp 50 Jahren zu und her ging. Der Film wurde von Regisseur Gianni Paggi gedreht, der damals bekannte Zürcher DRS-Radiomoderator Max Rüeger steuerte die Erzählstimme bei. Das Highlight ist jedoch die Filmmusik, die von keinem geringeren als der Jazz-Legende Bruno Spoerri stammt. Spoerris Musik ist so einzigartig, dass sogar Jay-Z bei ihm abgekupfert hat (kein Witz!).

Zum Glück haben wir «No Billag» abgelehnt und so kann das SRF diesen Klassiker auf Youtube kostenlos zur Verfügung stellen:

4. Die Langstrasse im Wandel (2019)

Das SRF hat letztes Jahr ein zweiteiliges Update des 70er-Jahre Films lanciert. So erhältst du weitere, geballte 70 Minuten Langstrasse mit Gesichtern, die du vielleicht sogar kennst. Wie beispielsweise Elena Nierlich von der Olé-Olé-Bar. Spoiler: Jemand geht im Pyjama einkaufen.

Filmbeschreibung: «Die Zürcher Langstrasse ist berühmt für ihre Kreativität, ihren Dreck, ihre Drinks und ihr sündhaftes Amüsement. Sie steht aber auch für die Veränderung, den Wandel; die sogenannte Gentrifizierung. Ein Phänomen, das sich in der Schweiz und überall auf der Welt in den Städten abspielt. Im zweiteiligen Format «Schöne neue Stadt – die Langstrasse im Wandel» nehmen sieben Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers das Publikum während 24 Stunden mit in den Brennpunkt von Zürich, gewähren einen Einblick in ihren Alltag und wagen eine Zeitreise durch eine Strasse, wie man sie in der Schweiz wohl nur einmal findet.»

Teil 1

Teil 2

5. FCZ – 10 Tage mit dem Fussball-Club Zürich (1978)

Definitiv nicht nur für hartgesottene FCZ-Fans sehenswert. Diese 38-minütige Doku wirft dich zurück in eine Zeit, als Profi-Fussballer bloss eineinhalb bis zwei Stunden täglich trainierten, halbtags arbeiteten und Trikot-Werbung verpönt war. Der FC Zürich war 1976 der erste Schweizer Verein mit Trikot-Sponsoring. Auch die Aussagen der Off-Stimme wirken aus heutiger Sicht absurd: «So Spitzefuessballer händs offebar no ganz schön, sogar d Schueh müends nüme sälber pflege.» In der einen Szene sieht man das Team in der Kabine vor einem Stadtderby gegen GC. In einer anderen liegt FCZ-Goalielegende Karl Grob im Badeslip auf dem Massagetisch und sagt: «Öppedie verleidets eim scho.» Wem der Fussball noch nicht verleidet ist – unbedingt schauen.

Im SRF Archiv auf Youtube kostenlos verfügbar:

6. Züri brännt (1980)

Wer in Zürich lebt, muss diesen Film gesehen haben. Unsere weltoffene Stadt existiert in ihrer heutigen Form nur dank der Jugendbewegung der 80er-Jahre. Der legendäre Globuskrawall ist nur ein kleiner Ausschnitt davon. Der 100-minütige, schwarz-weisse Videofilm der Produktionsfirma «Videoladen» wurde 2005 restauriert. Auf Youtube findest du eine Version in niedriger Qualität. Besser nutzt du das VOD-Angebot von Artfilm, das bis am 19.April eine grosse Zahl an Schweizer Filmen kostenlos zur Verfügung stellt. Aus Solidarität mit der Schweizer Filmbranche könntest du auch gleich einen artfilm-Pass lösen.

Filmbeschreibung: « Der legendäre Film der Zürcher Bewegung von 1980 ist ein wortgewaltiges Pamphlet und Dokumentation zugleich des Befreiungsschlages einer ganzen Generation. Strassenschlachten, Nacktdemonstrationen, Punk-Musik, gelebte Autonomie: Die Zürcher Bewegung sagte sich los von den Zwängen des zwinglianischen Zürichs und forderte Leben, Raum, Geld, Alles und Subito. Die Bewegung setzte ein beträchtliches kreatives Potential frei und hat Zürich tiefgreifend verändert. In der heutigen multikulturellen und event-orientierten Stadt kann man sich dies fast nicht mehr vorstellen.»

Entweder auf Youtube oder bei artfilm:
Hier geht es direkt zum Stream

https://youtu.be/5lzlSsifqVs

7. Wohlgroth-Besetzung (1992)

Du bist bestimmt schon einmal dem «Alles wird gut» oder dem «ZUREICH»-Schriftzug begegnet. Diese stammen aus der Zeit der «Wohlgroth-Besetzung» in den 90er-Jahren. Junge Leute hatten eine leerstehende Fabrik der Wohlgroth AG in der Gegend der Ecke Josef- und Klingenstrasse im Kreis 5 besetzt. Die von von Mai 1991 bis November 1993 andauernde Besetzung des Wohlgroth-Areals gilt als grösste Hausbesetzung der Schweiz. Auf dem Areal gab es eine Volxküche, eine Notschlafstelle, eine Bibliothek, einen Konzertraum und ein Kino. Am Ende wurde das Areal von der Polizei gewaltsam geräumt. Diese 38-minütige Doku der Videogruppe «Red Fox Underground» ist ein absoluter Klassiker in Sachen Filmen über unsere Stadt.

Wer sich generell für die Besetzer*innen-Szene Zürichs interessiert, kann sich für 50 Franken Mischa Brutschins DVD Box «Allein machen sie dich ein» mit acht Stunden Videomaterial von 1979 und 1995 kaufen (z.B. bei der Buchhandlung Paranoia City von Melina, Margot & Auline).

8. «Bericht von der Drogenfront» – Die offene Drogenszene am Bahnhof Letten in Zürich (1994)

Wenn du trotz der aktuellen Lage noch schwere Kost erträgst, sei dir diese 53-minütige Doku über die offene Drogenszene der 90er-Jahre am Zürcher Letten ans Herz gelegt. Der kaum befahrene Abschnitt des Bahnhof Letten, wurde im Frühjahr 1992 von den vom Platzspitz vertriebenen Drogensüchtigen für drei Jahre in Beschlag genommen. Es herrschten Zustände, die wir uns heute kaum vorstellen können. Der Regisseur Felix Karrer hat drei Wochen lang mit einer Videokamera den Alltag der Drogenabhängigen mitverfolgt und lässt sie zur Sprache kommen. Dank ihm haben wir heute ein authentisches, filmisches Zeitzeugnis dieses dunklen Abschnittes in der Geschichte unserer Stadt. Dieser führte jedoch zu einer für dazumals liberalen Drogenpolitik. Durch den Spielfilm «Platzspitzbaby» gewann die Thematik wieder an Aktualität. Denken wir daran, wenn wir uns im kommenden Sommer wieder am Letten sonnen.

9. Der Komplex – Lochergut Zürich (2002)

Heute unter Hipstern als «Neu-Bellevue» bekannt, wurde auch die Gegend um das Lochergut in den letzten Jahren aufgewertet. Die ehemalige Bildhauerin, Bildredaktorin und Art Director Fabienne Boesch drehte anno 2002 an der «Kunschti» (heute ZHdK) zusammen mit Marcell Erdélyi ihren Abschlussfilm über das Lochergut. Die Wohnsiedlung hatte anno 1965 während seinem Bau noch für Unmut in der Zürcher Bevölkerung geführt.

Filmbeschreibung: «Rund 800 Menschen aus verschiedenen Nationen und sozialen Schichten bewohnen die Zürcher Hochhaussiedlung Lochergut. Der urbane Mikrokosmos spiegelt die Grossstadt im Kleinformat und versprüht seine ganze geballte Ladung an Charme. Eine Liebeserklärung an nachbarliche Toleranz, kulturellen Austausch und liebenswertes Eigenbrötlertum.»

Version mit englischen Untertiteln.

10. Walter Pfeiffer – Chasing Beauty (2017)

Iwan Schumacher und Martin Jaeggi porträtieren in dieser 89-minütigen Doku einen der wohl bekanntesten Zürcher Fotografen. Walter Pfeiffers Arbeit ist ein Zeitzeugnis und wer in Zürich lebt oder aufgewachsen ist, erkennt wohl so manches Gesicht in seinen Bildern wieder.

Filmbeschreibung: «In einem Alter, in dem sich andere zur Ruhe setzen, gelingt Walter Pfeiffer der Durchbruch als international anerkannter Künstler und Modefotograf. Neben Leuten, die den Künstler auf seinem Weg begleitet haben, kommen auch ehemalige Modelle zu Wort. Wir erfahren, was diese bewogen hat, sich von Pfeiffer porträtieren zu lassen. Da er immer nur junge Leute fotografiert, erhalten wir Einblick in über 40 Jahre Jugendkultur.»

Auch diesen Film gibt es bis zum 19.April 2020 als kostenlos bei artfilm:
Hier geht es direkt zum Stream

11. Staatenlos – Klaus Rosza Fotograf (2016)

Klaus Rosza war in den Anfängen von Tsüri.ch ab und zu Gast bei Redaktionssitzungen. Zusammen mit Olivia Heussler war er DER Fotograf der 80er-Jahre Bewegung Zürichs. Der Film erzählt von den massiven Repressionen, denen er als Fotograf und als Staatenloser ausgesetzt war. Erich Schmid ist dabei ein 96-minütiger Film gelungen, der mit beeindruckenden Bildern der Jugendunruhen, aber auch mit berührenden Interviews glänzt.

Filmbeschreibung: «Klaus Rózsa, ein politisch engagierter Fotograf, lebte jahrzehntelang staatenlos in Zürich. Alle seine Einbürgerungsgesuche wurden aus politischen Gründen abgelehnt. 1956 aus Ungarn geflohen, wuchs er in der Schweiz mit einem jüdischen Vater auf, der Auschwitz überlebte. Durch dieses hautnah erlebte Schicksal führte ihn die Kamera immer wieder ganz nah an die Orte des Unrechts. Er dokumentierte über Jahrzehnte die politischen Bewegungen von unten. Es ist diese besondere Qualität seiner Fotografie, die ihm zum Verhängnis wurde. Der Staatschutz schrieb: Weil er «Polizeiübergriffe» fotografiere, «behindert er die Arbeit der Polizei».»
Auch diesen Film findest du bis zum 19.April 2020 gratis auf artfilm.ch und danach für 5 Franken:
Hier kommst du direkt zum Stream

Bild: Ariadnefilm/PD


Kennst du weitere Dokus, die in unserer Liste fehlen? Schreib sie in die Kommentare!


Kommentare

Nöd Jetzt!