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(Bilder: Emilio Masullo)

Die Bankenblockade wird die Klimakrise nicht lösen – das muss sie aber auch nicht

Nach der Bankenblockade der Klimabewegung am Montag gab es vereinzelt Kritik an der Aktion: Damit sei keine Mehrheit der Gesellschaft vom Klimaschutz zu überzeugen. Doch genau das muss die Klimabewegung auch gar nicht. Ein Kommentar.
03. August 2021
Chefredaktor

Am Montag haben rund 200 Klima-Aktivist:innen am Paradeplatz die Eingänge zur UBS und Credit Suisse blockiert. Damit wollten die meist jungen Menschen auf die klimaschädlichen Investitionen der Grossbanken hinweisen. Sie fordern einen sofortigen Ausstieg aus ihren Projekten, welche rund zwei Prozent der globalen Emissionen ausmachen. Die Polizei räumte den Platz, 83 Personen nahm sie fest.

Bereits im Jahr 2019 haben Aktivist:innen die Zugänge zur Credit Suisse blockiert. Bereits damals forderten sie einen Ausstieg aus den fossilen Investitionen. Bereits damals packte die Polizei alle ein, einige Verfahren sind noch heute nicht abgeschlossen. Inhaltlich hat sich an der Strategie der Grossbank unterdessen aber nicht viel geändert.

Was will die Klimabewegung mit dieser erneuten Aktion also bewirken? Denkt sie wirklich, darauf reagiert der Finanzplatz sofort und steigt aus allen klimaschädlichen Geschäften aus? Denkt sie wirklich, damit kommt die nationale Politik sofort zur Vernunft und beschliesst ein griffiges Klimagesetz? Denkt sie wirklich, damit ist die Mitte der Gesellschaft zu überzeugen, bei den nächsten Wahlen und Abstimmungen konsequent ökologisch zu handeln?

Noch auf dem Paradeplatz kritisierten einige wenige Passant:innen die Aktion, in den Kommentarspalten auf Facebook und Instagram ebenso. Auch der Co-Chefredaktor des Tages-Anzeigers, Mario Stäuble, schwingt die Keule der Kritik: «Mit dem Anketten an Ölfässer gewinnt man keine Abstimmungen

Vermutlich sind sich alle einig: Diese Aktion auf dem Paradeplatz wird die Klimakrise nicht lösen.

Aber das muss sie auch gar nicht. Es ist nicht die Aufgabe der Klimabewegung, eine mehrheitsfähige Lösung zu präsentieren. Wenn nicht einmal das lahme CO2-Gesetz mehrheitsfähig ist, dann ist der Lösungswille für die Klimakrise noch nicht bei der Mehrheit der Abstimmenden angekommen.

Die Aufgabe der Klimabewegung ist es, uns alle auf die Dramatik der Klimakrise aufmerksam zu machen. Zu Beginn versuchte der Klimastreik mit riesigen und farbigen Demonstrationen die Massen aufzurütteln. Es kamen viele, passiert ist unterdessen nicht viel. Der Klimastreik versuchte in Gesprächen mit Politik und auch den Banken auf die Dramatik der Lage hinzuweisen, passiert ist trotzdem nicht viel.

Seit den grossen Klimademonstrationen und der ersten Blockade der Credit Suisse sind mehr als zwei Jahre vergangen. Der geforderte Klimanotstand ist im Kanton Zürich noch nicht ausgerufen worden, die Politik hat nichts Wesentliches für den Klimaschutz beschlossen und die grossen Banken fahren fort wie bisher. Die Klimakrise spitzt sich immer weiter zu, unsere Zeit wird immer knapper.

Mehrheitsfähige und sympathische Aktionen wie bunte Demonstrationen und freundliche Gespräche konnten die Klimakrise nicht lösen. Dass die Aktivist:innen deshalb nicht mehr weiterwissen und, wie sie selber sagen, aus Verzweiflung die Zugänge zu den Grossbanken blockieren, ist darum verständlich.


Dank der Unterstützung aus der Community konnten wir eine 50 Prozentstelle für das Klima schaffen und können so die Klimakrise eng begleiten. Falls du das eine gute Sache findest, dann werde doch hier Member und unterstütze die Arbeit von Tsüri.ch.

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