Die 7 grössten Konflikte in Zürich seit Zwingli

Eine grossartige Stadt wie Zürich hat natürlich eine turbulente Geschichte mit vielen Auseinandersetzungen. Einige davon sind bekannt, andere hingegen sind zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Wir haben die sieben spannendsten Konflikte zusammengefasst.
30. April 2017

1. Zwingli vs. Katholiken

Es ist wohl der bekannteste Konflikt, der jemals in Zürich ausgetragen wurde: Vor 500 Jahren setzte Zwingli zur Reformation an und vertrieb die Katholik*innen damit quasi aus Zürich. Für den Reformer selber endete der Konflikt eher ungemütlich: Er wurde bei der Schlacht von Kappel von katholischen Innerschweizer*innen gefangen, verhöhnt und dann getötet. Aktuell wird das 500-Jahre-Jubiläum des Reformers gefeiert. Und wie die NZZ schreibt, war der gute Mann nicht wie allgemein vermutet eine trockene Spassbremse, sondern ein fröhlicher Lebemann.

2. Bauern vs. Stadt

Die Stadt Zürich war nicht immer nett zu den Menschen von ausserhalb. Schon während der Reformation wurden die Bäuer*innen, welche das Ende der Leibeigenschaft forderten, nicht wirklich ernst genommen – sie waren schlicht machtlos. Noch dicker kam es für die Landbevölkerung im 16. und 17. Jahrhundert: Unter aristokratischer und autoritärer Führung entschied sich der Zürcher Stadtrat, gegen aussen abzuschotten und eine grosse Mauer um die Stadt zu bauen. Diese sollte mit zusätzlichen Steuern von den Bäuer*innen finanziert werden (ähnlich, wie Trump von den Mexikaner*innen die Finanzierung der Mauer verlangt). Natürlich wehrten sich die Bäuer*innen gegen diesen Entscheid, wurden jedoch vom Militär in blutigen Einsätzen nieder gekämpft.

3. Zürich vs. Frankreich und Russland

In diesen Konflikt von 1799 waren die Zürcher*innen nur halbwegs involviert. Im Rahmen der Napoleonischen Koalitionskriege kam es zu verschiedenen Kämpfen zwischen französischen und russischen Truppen rund um die Stadt Zürich: Zuerst besetzte Österreich, welches für Russland kämpfte, die Limmatstadt, einige Monate später übernahm Frankreich unser Zuhause. Die damals gut 10’000 Einwohner*innen bezahlten zwar nicht mit Blut, doch die Wirtschaft kollabierte während den beiden Besatzungen. Nach dem Abzug Frankreichs versuchte die Helvetische Republik im Oktober 1802 die Stadt Zürich einzunehmen und mit einer Belagerung und Beschiessung zum Gehorsam zu zwingen. Erst mit der Rückkehr Frankreichs kehrte wieder Ruhe in die Zwingli-Stadt.

4. Deutsche vs. Franzosen

Das ist der wohl komischste Konflikt, der je in Zürich stattgefunden hat. Beim sogenannten Tonhallekrawall im Jahr 1871 prügelten sich Deutsche und Französ*innen; Einheimische waren keine beteiligt. Weil die Deutschen drinnen die Reichsgründung feierten, stürmten in Zürich internierte französische Soldaten die Tonhalle und zettelten eine wüste Schlägerei an. Der Krawall schwappte nach draussen, wo die Polizei verzweifelt versuchte, Ordnung herzustellen. Dies gelang jedoch nicht. Erst das Militär konnte den Streit beenden. Es starben mehrere Personen durch Schüsse.

5. Stadt vs. Kanton

Seit der Gründung der modernen Schweiz im Jahr 1848 ist dieser Konflikt immer irgendwie aktuell. In vielen Fragen tickt die Stadt Zürich völlig anders als der Kanton. Doch der Kanton, so will es der Föderalismus, kann ganz schön viel diktieren. Zum Beispiel was Strassen, Bildung, Finanzen und Migrationspolitik angeht. Dass die politischen Mehrheiten in der Stadt und im Kanton ganz anders verteilt sind, macht es nicht einfacher: In kantonalen (und auch nationalen) Abstimmungen wird die linke Stadt häufig vom bürgerlichen Kanton überstimmt. Auch darum gibt es alle paar Jahre Bestrebungen, die Stadt zum Halbkanton zu machen.

6. Radio 24 vs. Staat

Früher war Roger Schawinski ein richtiger Pirat. Er hatte eine Vision, die heute lächerlich einfach klingt: Ein Radio, das 24 Stunden live sendet und sich an junge Hörer*innen wendet. In der Schweiz war das verboten und Radio DRS hatte ein Monopol. Also stieg der findige Schawinski im Jahr 1979 in Italien auf einen Berg, installierte dort eine Antenne und beschallte Zürich aus dem Ausland. Mehrmals marschierten italienische Polizist*innen im Auftrag der Schweiz auf den Pizzo Groppera und schlossen den jungen Sender. Doch die Staatsgewalt hatte die Rechnung ohne die Menschen gemacht: In Demonstrationen auf dem Bürkliplatz und einer Petition, die in kürzester Zeit von über 200’000 Personen unterschrieben wurde, konnte sich Schawinski endlich und mühsam durchsetzen. Radio 24 gibt es bekanntlich noch heute, doch es gehört nicht mehr dem Gründer, sondern den AZ Medien.

7. Jugend vs. Stadt

Es hat so richtig geknallt beim Opernhaus. Im Mai 1980 forderten hunderte junge Zürcher*innen ein Autonomes Jugendzentrum (AJZ). Damals gab es nämlich noch fast keine Räume und Angebote für junge Menschen. Nach schweren Kämpfen zwischen den Jungen und der Polizei gab der Staat schliesslich nach und stimmte dem AJZ zu, um es kurz darauf zu schliessen. Nach erneuten Kämpfen wurde das Jugendhaus wieder eröffnet. Doch mit der erneuten Schliessung durch die Stadt im Oktober 1982 wurde die 80er-Bewegung endgültig begraben. Die Aktivist*innen von damals sind heute angesehene Geschäftsleute und besitzen Bars, Restaurants, Immobilien und vieles mehr.

Titelbild: Miklos Rozsa

Member entscheiden mit:
Deine Bewertung -> Stutz für den/die Journalist*in
Bewertung löschen

Weitere Artikel

Kommentare