💌 1159 Member 💌

Der Tsüri-Vegan-Guide für Dummies

22. März 2016


Die letzten Jahre konnte man eine Art Food-Revolution beobachten. Die neue Kultur des gesunden und vor allem bewussten Essens liess viele Hobbyköche zu selbsternannten «Foodies» werden. Die Supermarktketten ihrerseits haben die Zeichen der Zeit erkannt und satteln nun vermehrt auf Bio um. Die Nachfrage nach trendigen Restaurants, welche lokale und frische Lebensmittel verarbeiten, ist immens, sodass  «konventionelle» Gastrobetriebe in Zürich im harten Kampf um Gäste kaum mehr überlebensfähig zu sein scheinen.

Auch ich wurde davon mitgerissen und begeistere mich gerne an neuen Food-Konzepten, wie zuletzt der veganen Küche. Gutes Fleisch ist für mich das Grösste, jedoch esse ich gerne ab und zu vegetarisch oder vegan. Zum einen entlastet es das Budget und zum anderen fühle ich mich immer super gesund dabei. «Vegan Life» ist nicht nur eine Ernährungsweise, sondern eine richtige Subkultur und da ich selber ein totaler Vegan-Dummie bin, wollte ich mehr darüber erfahren.

Ein Bekannter von mir, Mattias Winiger, betreibt seit acht Monaten zusammen mit Freunden erfolgreich den veganen Take Away «roots» an der Lintheschergasse 15, zwei Gehminuten vom Hauptbahnhof. Er hat angeboten, mir das Grundvokabular der veganen Küche beizubringen. Ich begebe mich also morgens früh um sieben Uhr ins roots. Mattias ist mit seinem Kollegen schon fleissig am Saften, während langsam erste Frühaufsteher eintrudeln.

SAMSUNG CSC

«Ich fange jeden Tag um zirka sechs Uhr an, da wir immer alles frisch vorbereiten», begrüsst er mich mit einem Lächeln und stellt mir gleich einen erfrischenden Smoothie aus Mango, Bananen und Orangensaft, auch bekannt als den «Winnie Pooh», hin. Währenddessen bestellen die ersten Gäste Cappuccino mit Sojamilch, Smoothies und das sehr beliebte Porridge. «Das läuft bei uns morgens besonders gut, da es Porridge in anderen Coffee Shops sonst nicht gibt», erklärt Mattias. Als grosser Porridge-Fan frage ich nach dem veganen Twist: «Hafermilch. Die bekommst du mittlerweile überall», meint er.

Der andere Mitarbeiter bereitet ein Sojajoghurt für später vor und erklärt mir, dass er noch Vanilleextrakt für den besonderen Kick beigefügt habe. An der Theke sind verschiedene Gläser mit Nüssen und Samen aufgereiht und dahinter türmen sich Früchte und Gemüse für die hausgemachten Smoothies.




Tsüri-Mail: Willst du gratis in den Ausgang? Im Newsletter verlosen wir wöchentlich 2x2 Gästelistenplätze. Einmal abonnieren bitte. #Partyhard 
Welche Rubriken interessieren dich?





SAMSUNG CSC

Das sieht schon sehr appetitlich aus, aber schliesslich bin ich ein Vegan-Dummie und möchte die Jungs mit meinen Fragen löchern.

Früher war vegane Ernährung nur etwas für Straight Edger und Hippies. Doch eure Kunden sehen alle normal aus. Wer kommt zu euch? Mattias: Wir haben eigentlich nicht nur einen bestimmten Kunden oder eine bestimmte Kundin. Entweder kommen die Leute zu uns, weil sie überzeugte Veganer sind, oder es ist der ernährungsbewusste Banker von der Bahnhofstrasse.

Gibt schon einen Unterschied zwischen veganer Ernährung und veganem Lifestyle? Klar, entweder sie leben vegan mit allem was dazugehört, wie keine tierischen Materialien bei der Kleidung und so, oder sie möchten sich einfach bewusst und gesund ernähren. Es geht hier um «Clean Eating», was in den letzten Jahren zum Glück sehr populär geworden ist.

Du selbst lebst seit zwölf Jahren vegan. Hast du keine Mangelerscheinungen? (Lacht), schau mich an und dann sag mir, ob ich scheisse aussehe.

Du siehst fantastisch aus! Aber von Kritikern wird immer wieder behauptet, dass vegane Ernährung nur langweiliges Tofugemampfe sei. Klar ist Tofu als Eiweisslieferant ein wichtiger Bestandteil der veganen Küche. Was viele Leute aber nicht wissen, ist, dass Tofu kein Fleischersatz, sondern eine Zutat für sich ist. Hier in Europa essen wir Käse und im asiatischen Raum isst man eben Tofu. Dort wird auch Tofu oft mit Fleisch kombiniert. Mittlerweile ist Tofu bei uns in sehr guter Qualität erhältlich und ausserordentlich wandelbar. Du kannst praktisch alles damit anstellen. Sei es braten, dämpfen, einlegen, marinieren und so weiter.

Ist es heutzutage einfacher als «Normalo» vegane Produkte zu kaufen, als wie noch vor ein paar Jahren? Auf jeden Fall! Geh in den Coop und in die Migros. Dort findest du alles, was du für veganes Kochen brauchst. Ein Gang ins Reformhaus ist gar nicht nötig. Mittlerweile hat sogar der Aldi Chia-Samen im Angebot.

Das bringt mich gleich zum nächsten Punkt. Es scheint, als wäre veganes Kochen nur mit sehr exotischen Zutaten möglich? Natürlich kann man mit vielen lokalen Produkten arbeiten wie Äpfeln und Birnen. Doch wir haben hier in der Schweiz das Glück, dass wir immer Ware aus allen Ländern in sehr guter Bio- und Fairtradequalität zur Verfügung haben.

Das heisst, man muss aber mehr Geld in die Hand nehmen? Vegan essen heisst auch, dass man bewusster einkaufen geht. Man muss sich einfach mehr Gedanken machen, was man gerne zubereiten möchte. Exotische Produkte wie zum Beispiel Mango oder Süsskartoffeln machen das Kochen interessanter (nicht nur wenn man vegan kocht). Es sollte einem grundsätzlich wert sein, etwas mehr Geld für gute Lebensmittel auszugeben. Schliesslich geht es darum, was man seinem Körper täglich zuführt. Hier zu sparen, ist einfach nur dumm. Wer aber selber einkauft, merkt schnell, dass Fleisch- und Milchprodukte meistens die grössten Ausgaben darstellen. Früchte, Gemüse, Getreide und so weiter sind überall günstig zu kriegen.

Während unserem Gespräch berät Mattias eine Kundin, die sich gerne einen Smoothie zusammenstellen möchte und gibt ihr Tipps, welche Früchtekombis am besten schmecken. Ich unterhalte mich derweil mit einem elegant angezogenen Kunden an der Theke. Er schwärmt von der «Vegan-» und «Clean Eating»-Kultur in Kalifornien, während er auf sein Frühstück wartet. «Zürich kann in diesem Bereich noch sehr viel lernen», meint er. «Da bin ich froh, ist das roots gleich um die Ecke von meinem Büro». Er verabschiedet sich, die Take-Away-Bag in der Hand.

[caption id="attachment_6449" align="aligncenter" width="354"]Mattias ist ein gutaussehender Veganer Mattias ist ein gutaussehender Veganer[/caption]

Wie verhält es sich mit der Lagerung der Früchte und des Gemüses zu Hause? Ich sehe, ihr habt immer alles frisch da, doch der Vegan-Dummie geht nicht jeden Tag einkaufen. Jeder, der einen Kühlschrank besitzt, kann zu Hause die Produkte bis zu einer Woche gut lagern. Am schwierigsten sind sicher die Kräuter, welche man schnell aufbrauchen sollte. Mein Tipp: Kräuter aus der Verpackung nehmen und in einer Vase mit Wasser in den Kühlschrank stellen.

Vegane Ernährung ist also Gold, wenn man sich zwischendurch sehr gesund ernähren möchte. Gibt es veganes Junkfood? Ich liebe vegane Pizza! Der Mozzarella wird hierbei aus Kartoffelstärke hergestellt. Oder Hot Dogs aus Seitan (Weizeneiweiss). Mein Tipp: Probiert mal den hashtag #unhealthyvegan auf Instagram aus und eurer nächsten veganen «munchies experience» steht nichts mehr im Weg.

Kannst du mir ein paar Webseiten angeben, wo sich der Vegan-Dummie im Internet inspirieren lassen kann? Ich besuche oft die Seiten «thug kitchen» und «veganguerilla». Und sonst würde ich empfehlen, die veganen Restaurants in Zürich abzuklappern, dann kannst du die Gerichte gleich direkt probieren. Ein paar Restaurants geben auch gerne Auskunft über Zubereitung und Einkauf, wenn du sie nett fragst. Bei uns helfen wir gerne weiter und sind immer für einen Schwatz über «Vegan Life» zu haben.

Die letzten Wochen ging eine ziemlich hartnäckige Grippewelle um. Auch mich hat es einige Tage ausgeknockt. Hast du das Gefühlt du bist weniger krank, weil du dich vegan ernährst? Ich bin weniger krank, wenn ich mich gesund ernähre. Das ist bei veganer Ernährung zwar einfach, aber wie gesagt gibt es auch viele vegane Fastfood- Gerichte. Da werde ich ab und zu einfach schwach.

Dein Schlusswort, warum wir uns häufiger vegan ernähren sollten? Veganer haben besseren Sex! (lacht). Steckt den Kopf nicht in den Sand und seid mutig, neue Erfahrungen beim Essen zu machen. Ihr werdet euch gesünder, fitter und energiegeladener fühlen.

Nach unserem Gespräch, zeigt mir Mattias im Keller noch die Produktionsräume. Dort wird gerade Salat vorbereitet. Ich darf von den frischen Randenblättern probieren, die einen erstaunlich erdig-nussigen Geschmack haben. «Ich komme vom Land, da kann ich mich einfach nicht nur vegan ernähren bei all dem guten Käse», meint Frédéric, ein Mitgründer des roots. «Doch in Zürich esse ich ausschliesslich vegan. Wichtig sind mir vor Allem Produkte in bester Qualität. Das Schöne an der veganen Küche ist, dass man immer wieder Neues ausprobieren kann und eine spannende Welt der Lebensmittel entdeckt.»

Der Abschied ist herzlich und ich verlasse das roots mit dem Gefühl, dass die vegane Küche gar nicht so kompliziert ist, wie immer behauptet wird. Wichtig ist eine positive Einstellung zum Essen und zum eigenen Körper, Begeisterung für neue Lebensmittel und Gerichte. Ausserdem sollte man sich wenn schon Zeit für den Einkauf und die Zubereitung nehmen. Ich selber sehe das als Vorteil in unserem hektischen Alltag, sozusagen als eine Art Food- Meditation. Und man tut sich selber und dem Geldbeutel etwas Gutes.



[caption id="attachment_6450" align="aligncenter" width="355"] Frédéric mit den Randenblättern[/caption]

[caption id="attachment_6451" align="aligncenter" width="640"]SAMSUNG CSC vegan love im roots <3[/caption]

Mattias hat mir noch zwei seiner Lieblingsrezepte gegeben. So kochst du vegan ganz einfach zu Hause:

Curry Coconut Soup auf 4 Liter Suppe - 2 Zwiebeln - 2 Stangen Zitronengrass - 2 Knoblauchzehen - 1  EL Kurkuma - 1 EL Curry (mild) - 2 TL Kreuzkümmel - 2 Chilischoten - 2 Kartoffeln - 4 L Kokosmilch - Salz, Pfeffer, Limette - Olivenöl - Zwiebeln/Knobi/Zitronengras in Olivenöl anschwitzen - Salz/Gewürze hinzufügen - mit Kokosmilch ablöschen und die restlichen Zutaten hinzufügen - 15 min kochen lassen - Zitronengrass heraus nehmen und Suppe aufmixen - mit Pfeffer und Limettensaft abschmecken Servieren, z.b. mit Kichererbsen und Mango-Tomatensalsa

GoodGirl Smoothie auf 3dl Smoothie: - 2 süsse Äpfel - 1 kleine Hand Spinat - 1/4 Mango - 1/5 Banane - 1/2 Limette - 1 Blatt Minze Die Äpfel mit einer Saftzentrifuge entsaften, den Limettensaft in den Jar pressen, Mango, Banane, Spinat und Minze dazu geben und gut mixen.

Fertig ist der GoodGirl Smoothie

Kommentare

Nöd Jetzt!