Der Ort «zum eifach äs bitzli sii»

15. August 2016
Der Park Platz. Kein Ort um Personenwagen abzustellen, sondern ein Ort für Ideen. Ein Platz, um Geschichten zu erzählen, ein Raum, wo der eigenen Kreativität freien Lauf gelassen werden kann. Und vielleicht auch eine Ecke, um ein bisschen zu träumen – von dem was sein könnte, wenn die Welt ein bisschen anders wäre...
Zum Gespräch getroffen habe ich Natalja, Annika und Severin. Sie gehören zum Team des Projektes Park Platz. Seit ungefähr einem Jahr ist der Platz beim alten Bahnhof Letten besiedelt von kurligen Bauwerken, farbigen Stühlen und ein bisschen Chaos. Umgeben von einem Zaun, um den sich grüne Blätter ranken, wollte der Verein Park Platz einen Ort schaffen, um Projekte zu realisieren. Eine kleine Oase ist entstanden. Eine Oase fern von Konsumzwang, Kapitalismus und dem Druck ständig dem Besten, Schönsten und Teuersten zu entsprechen.

Parkplatz04 Baustellen-Romantik die zum Verweilen einlädt. Der Park Platz am alten Bahnhof Letten.

Mehr als nur ein Hobby

Vor geraumer Zeit suchte die Stadt Zürich nach Ideen, den Platz beim alten Bahnhof Letten, zwischen Oberem und Unterem Letten, sinnvoll zu nutzen. Dabei hat sich die Stadt an den Quartierverein Wipkingen gewandt. Der Quartierverein ist Mieter des Geländes. Das ganze Projekt wurde aber vom Verein Park Platz zusammen mit dem Verein Lokomotive Letten angerissen, umgesetzt und verwaltet. Für die Mitglieder des Vereins und alle weitere Personen, die den Park Platz unterstützen, ist es mehr als nur ein Hobby. Es wird viel diskutiert und sehr viel Zeit investiert. «Man könnte fast schon sagen, dass es für uns ein Lebensinhalt ist. Nebenbei gehen wir noch ein bisschen arbeiten», schmunzelt Natalja.

Doch was will das Projekt? Was soll auf dem Asphalt zwischen Wasserwerkstrasse und Limmat entstehen? «Wir wünschen uns, dass sich mehr Menschen trauen, etwas anzureissen, aufzubauen oder ein Projekt zu realisieren, das einem schon lange im Hinterkopf herumschwebt. Und wir wollen das etwas bleibt, egal ob in Form einer riesen Schaukel oder einfach nur in Gedanken» sagt Natalja, die Präsidentin vom Verein Park Platz. Präsidentin ist sie nur auf dem Papier, betont sie, der Verein sei ganz ohne Hierarchien organisiert. So kam es dazu, dass sich der Verein vor ungefähr einem Jahr an den Aufbau einer Grundinfrastruktur auf dem noch sehr kahlen Platz machte. Strom, Wasser und eine Kanalisation mussten her. Finanziert wird das Ganze mit Spenden und allen voran den Einnahmen des platzeigenen Kiosks (der bald zu einem Café werden soll). «Sobald die Grundkosten gedeckt sind, fliesst das mit dem Kiosk eingenommene Geld in andere Projekte», erläutert Severin.

ParkPlatz01 Betreten verboten: Ein in die Höhe gebautes Kunstobjekt auf dem Park Platz.

Schwitzstube, Konzerte, Kleidertausch

Die bereits realisierten Projekte könnten unterschiedlicher nicht sein. Von einer mobilen Sauna und Pizzaofen, über Openair-Konzerte bis hin zu einem mobilen Kleidertausch-Schrank ist schon einiges entstanden. So kommt es, dass auch das Publikum sehr durchmischt ist. Oft ist es Laufkundschaft, die sich nach einem neugierigen Blick über die Hecke ins Innere des Park Platzes wagt. «Vielleicht sind die Besucher so verschieden, weil wir es alle im Verein auch sind. Und das ist auch gut so», meint Annika.

Während dem Gespräch ertappe ich mich oft dabei, wie ich mich frage, welchen finalen Sinn und Zweck das Projekt Park Platz ansteuert. Bis ich merke, dass es keinen gibt und auch keinen braucht. Es soll weder kommerziell sein, noch Verdienst abwerfen, auch nicht für jene, die ein Projekt realisieren wollen. Es soll aber auch nicht rein dafür da sein, Spenden zu generieren. «Wir wollen auch keinen Geroldsgarten zwei», fügt Severin hinzu. Und so kommen wir im Gespräch zum Schluss, dass der Park Platz einfach ein Ort sein soll, «zum ächli sii». Ein Ort, den man besuchen kann, ohne etwas konsumieren zu müssen. Ein Freiraum, der zum Nachdenken anregen soll. Eine Plattform, um sich zu verwirklichen. Oder einfach nur ein Platz, um aus dem manchmal fast zu herausgeputzten Zürich auszubrechen und ein bisschen Chaos und Baustellen-Romantik zu geniessen. Ohne etwas zu müssen, zu können oder zu beweisen.

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