Der erste Spielfilm über die Zürcher Generation Y

«Tranquillo»
08. Februar 2016
«So etwas Wildes wie jetzt machen wir nie mehr», sagt Gabriel, während Selina im Wohnzimmer mit der Steuerverwaltung telefoniert und Jonathan Unterricht in Gebärdensprache kriegt. Das Wilde, das wird ein Spielfilm über die Zürcher Generation Y, zu der auch die drei Macherinnen gehören.

Wie so oft, fusst auch das Drehbuch für den Film «Tranquillo» auf einer wahren Geschichte und ist – zumindest für Jonathan Jäggi – eng mit der Biografie der Schreibenden verbunden. Ein junger Zürcher, so die Story, geht voll auf in unserer Hochleistungsgesellschaft: Er arbeitet viel, treibt Sport, organisiert Partys und hat eine Freundin und natürlich viele Freunde.

Doch Peter, so heisst der Hauptcharakter, welcher von Tobias Bienz gespielt wird, kommt plötzlich an seine körperlichen und psychischen Grenzen. Ein Tinnitus macht ihm klar, dass er zu viel wollte und den Anspruch an seine Performance drastisch herunterschrauben muss.

Was danach kommt ist dramatisch: Job weg, keine Partys mehr, Freunde weg – und nach einem wegweisenden Streit lässt Peter auch seine Freundin Louise sitzen. Ein neuer Anfang muss her.

Jonathan, Gabriel, Selina und ihr Team wollen das Streben der jungen Zürcher nach Leistung, Einfluss und Zugehörigkeit spiegeln und machen auch vor Themen wie Freundschaft, Liebe und Abhängigkeiten keinen Halt. Schliesslich gehört das alles zusammen. Und ist super aktuell.

[caption id="attachment_5623" align="aligncenter" width="640"]Alles Grosse beginnt in einem Wohnzimmer Alles Grosse beginnt in einem Wohnzimmer[/caption]

Ziel sei nicht, so Jonathan, einzelne Personen aus dem Zürcher Leben zu porträtieren, sondern Charaktere und Situationen zu schaffen, die uns allen bekannt vorkommen. Und tatsächlich: Welches Mitglied der so genannten Generation Y kennt das rasante Drehen der Hochfrequenzgesellschaft nicht? Wer hat noch nie erlebt, dass der Körper bei zu viel Stress reagiert? Es muss ja nicht zwingend ein Tinnitus sein – Migräne, Rückenschmerzen und Schlaflosigkeit dienen dem gleichen Zweck.

Eine Frage drängt sich auf, während die drei jungen Filmemacher am Tisch sitzen und in ihre Laptops schauen: Machen sie nicht selber den Peter und stossen an ihre Grenzen, wenn sie während ihrem Abschlusssemester an der HTW Chur einen vollen Spielfilm erschaffen wollen? Immerhin haben sie alle noch keine Erfahrungen mit Filmen dieser Art.

Kein Wunder, haben sich die Jungfilmer mit dieser Frage auseinander gesetzt. Sie wissen auch, dass sie in die nächsten Monaten durchaus an ihre Grenzen stossen können. Dieses Bewusstsein ist schon die halbe Miete. Denn nur wer das Risiko kennt, kann damit umgehen.
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Das ist das Wilde, von dem Gabriel gesprochen hat. Ohne Geld, ohne Erfahrung, ohne Büro – dafür mit viel Leidenschaft, Zuversicht und einem hohen Qualitätsanspruch. Ziel sei, so Jonathan, bei den Zuschauenden einige grundsätzliche Fragen auszulösen. Und dass der Film an einem grösseren Festival gezeigt wird. Den darum geht es den Dreien: Um die Erfahrung, etwas Grosses zu versuchen, was sie wahrscheinlich nur einmal im Leben tun werden.


Transparenz: Tsüri.ch ist Medienpartner vom entstehenden Spielfilm und wird daher auch in Zukunft immer mal wieder über den Stand der Dinge berichten.
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