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Demonstration in Zürich: Weshalb der Amazonas-Brand auch dich etwas angeht

Der Amazonas-Regenwald brennt bereits seit drei Wochen. Nun werden die Forderungen nach entschlossenem Handeln lauter: in den Medien, in der Politik und auch in Zürich, wo am Freitag Hunderte auf die Strasse gingen.
23. August 2019
Praktikantin Redaktion

Wisst ihr noch, als die Notre Dame loderte? Die Meldung von den Flammen in Paris ging innerhalb weniger Stunden um die ganze Welt. Alle waren bestürzt, sorgten sich um unser kulturelles Erbe. Millionen wurden gespendet – für eine Kirche. Ein halbes Jahr später wüten im grössten Regenwald unserer Erde die Flammen, und niemanden interessiert’s. Erst in den letzten Tagen berichteten Medien zunehmend über das Inferno in Brasilien, dabei brennt es im Amazonas bereits seit drei Wochen.

Unter dem Slogan «SOS Amazonia» organisierte die Klimastreik-Bewegung am Freitag in Zürich eine Demonstration vor das brasilianische Konsulat. «Die Schweizer Regierung soll mehr Druck ausüben», sagt Dominik Waser vom Klimastreik-Komitee gegenüber Tsüri.ch. Ein Importstopp von Soja-Produkten aus Brasilien sei beispielsweise ein erster Schritt. Der junge Klimaaktivist ist mit dieser Forderung nicht alleine: Mehrere hundert Personen sind dem Demonstrationsaufruf gefolgt und durch die Strassen gezogen.

Unsere Lunge leidet

Der Brand in den Tropen ist keine Bagatelle. Vielmehr ist es eine Klima-Katastrophe, deren Folgen weit über die Kontinentalgrenzen hinaus gehen. Denn: Regenwälder sind die grünen Lungen des Planeten und absorbieren rund 30 Prozent der von Menschen verursachten Treibhausgasen. Und bei der jetzigen Situation unserer Erde ist bereits ein minimaler Verlust Grund zur Sorge: «Ohne den Erhalt des Amazonas-Regenwaldes werden wir die Klimakrise nicht in den Griff bekommen», sagt WWF gegenüber ZDF.de.

Auch Thomas Crowther, Ökologie Professor an der ETH, warnt im Interview mit 20 Minuten vor einem Klima-Kollaps: «Verschwindet der Amazonas-Regenwald, würde sich der CO2-Gehalt in der Luft verdoppeln.» Es ist also höchste Zeit, die Waldbrände unter Kontrolle zu bringen. Seit Juli wurden bereits über 2255 Quadratkilometer Lebensraum dem Erdboden gleichgemacht. Das ist mehr Fläche als der Kanton St. Gallen misst.

Amazonas-Regenwald
Der Amazonas-Regenwald gilt mit 6.7 Millionen Quadratkilometern als der grösste seiner Art. Er erstreckt sich über 9 Staaten Südamerikas – ein grosser Teil befindet sich auf brasilianischem Staatsgebiet. Regenwälder gelten neben den Korallenriffen als die artenreichsten Ökosysteme unserer Erde. Zudem leben im Amazonas-Regenwald über 3 Millionen Menschen aus Indigenen-Völkern.

Bolsonaro regiert den Regenwald

Warum also ist das Inferno noch immer nicht gestoppt worden? Grund dafür ist wohl die Untätigkeit der brasilianischen Regierung – insbesondere der des Präsidenten Jair Bolsonaro. Der rechtsextreme Staatschef wird auf Grund seinen ähnlich rassistischen, homophoben und sexistischen Äusserungen gerne mit Donald Trump verglichen, was ihm den Namen «Tropen-Trump» bescherte. Bolsonaro gewann die Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr vor allem durch seine Versprechen, der Korruption in Brasilien ein Ende zu setzen.

Er will, dass die brasilianische Wirtschaft floriert: Jair Bolsonaro.

Mittlerweile provoziert der Ex-Militär jedoch eher mit fragwürdigen Wirtschaftsplänen als mit der Bestrebung, korrupte Machenschaften zu unterbinden. Die Befürchtung seiner Gegner, Bolsonaros Streben nach wirtschaftlichem Aufschwung würde die Rodung des Regenwaldes vorantreiben, wurde in den vergangenen Monaten bestätigt. Mehrere europäische Länder – darunter Deutschland und Norwegen – kappten die Finanzhilfen für den Kampf gegen Rodungen in Brasilien, nachdem Zweifel aufgekommen waren, ob sich die brasilianische Regierung unter Bolsonaro überhaupt noch dafür einsetzt.

Die Wut wächst

Ob ein Zusammenhang zwischen den Rodungen und den Waldbränden besteht, kann zwar weder bestätigt noch ausgeschlossen werden, trotzdem ist die Wut auf den brasilianischen Staatschef gross. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte die Regierungschefs der G7-Länder in einem Tweet auf, die Feuer im Amazonasgebiet am morgigen Gipfeltreffen als ersten Punkt anzusprechen.

Währenddessen wägt die EU ab, das Freihandelsabkommen mit Brasilien einzustellen. «Ein Handelsabkommen ohne Schutzgarantien für den Regenwald ist nicht verantwortbar», sagte die Deutsche Bundesumweltministerin Svenja Schulze dem Tagesspiegel. Genau das forderten heute auch hunderte Demonstrant*innen, die in Zürich auf die Strasse gingen.

Alle Fotos: Isabel Brun

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