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Das Zürcher Grundbuch gehört ins digitale Zeitalter

Zürich ist Vorreiterin in Sachen Transparenz und offenen Daten. Aber dort, wo diese besonders nötig wären, hört der Spass auf: Bei den Grundbuchdaten. Es ist Zeit, auch diese ins digitale Zeitalter zu bringen. Ein Kommentar von Manuela Paganini.
20. November 2020
Datenjournalistin

Zürich zeigt vor, in welche Richtung es geht. Das gilt auch für Open Data: Die Stadt und der Kanton Zürich haben früh erkannt, wie wichtig öffentliche Behördendaten sind. Sie stärken das Vertrauen der Bevölkerung in die Arbeit der Verwaltung. Dank offenen Daten können Medien, Politik und Bevölkerung nachvollziehen, wie unsere Welt funktioniert und darüber diskutieren, wie sie aussehen könnte.

Zürich ist zu Recht stolz auf diese Transparenz. Kein anderer Kanton hat so viele Datensätze auf dem Portal opendata.swiss veröffentlicht. Wer möchte, kann nachschauen wo in der Stadt Zürich wie viele Velos gezählt werden, wo es am meisten Zweitwohnungen gibt oder auch wo genau in der eigenen Strasse Wasser und Gasleitungen durchführen und in welcher Gemeinde des Kantons am meisten Bienenvölker leben.

Nur bei einem Thema gibt sich der Kanton zugeknöpft: Der Frage, wem der Boden des Kantons eigentlich gehört. Allem Fortschritt Zürichs zum Trotz operieren die Grundbuchämter, welche die Informationen über die Bodeneigentümer*innen verwalten, noch mehrheitlich analog: gerade mal 41 Prozent der Grundbuchdaten sind digitalisiert, wie es dort auf Anfrage heisst.

Das Grundbuch ist per Gesetz öffentlich. Wer aber in Zürich den*die Eigentümer*in eines Grundstücks abfragen möchte, muss zuerst herausfinden, welches der 44 verschiedenen Grundbuchämter für das betreffende Quartier zuständig ist und dann ein Gesuch stellen. Anfragen von bis zu drei Parzellen beantworten die Ämter aus Kulanz kostenlos per Telefon, für die gut 100 Parzellen der Langstrasse schreibt die Zürcher Notariatsgebührenverordnung aber eine Gebühr von gut 500 Franken vor.

Noch umständlicher wird die Abfrage durch die Bearbeitungszeit der Grundbuchämter: Eine Auskunft zu mehreren Parzellen lässt jeweils bis zu zwei Monaten auf sich warten und wird zuweilen nicht per Mail, sondern auf Papier ausgedruckt zugeschickt. Von Open Data ist das etwa so weit entfernt, wie die Gräblibar von einem Soja-Chai-Latte.

Der gegenwärtige Wildwuchs an Grundbuchämtern, die mehrheitlich noch analog arbeiten, wochenlang für die Bearbeitung einer Anfrage brauchen und mit vordigitaler Kommunikation operieren, behindert nicht nur die Medien und Öffentlichkeit, ihr berechtigtes Interesse einzusehen. Selbst beim Bund rauft man sich die Haare darüber. Das Eidgenössische Finanzdepartement widmet den kantonalen Grundbuchämtern einen eigenen Bericht, indem es auflistet, wie schwierig das restriktive System einzelner Kantone das Verfolgen von Geldwäscherei macht.

Zürich befindet sich beim Thema Grundbucheinsicht in der Steinzeit. Es ist Zeit, das zu ändern. Die Infrastruktur dafür ist mit dem Portal Maps.zh.ch bereits vorhanden. Ein Projekt, das Zürcher Grundbuch im Internet zugänglich zu machen gibt es auch: Es soll laut dem Zürcher Notariatsinspektorat Ende nächstes Jahr online gehen. Dass dies gelingt, ist zu hoffen. In der Zwischenzeit dürften die Grundbuchämter bei den Abfragen durchaus etwas mehr Kundenfreundlichkeit walten lassen. Es ist Zeit, dass auch sie Open Data als solche behandeln und die Grundbuchdaten ins digitale Zeitalter bringen.

Fokusmonat «Wohnen» 2020
Dieser Artikel ist im Rahmen unseres Fokusmonats «Wohnen» entstanden. Neben dem hier veröffentlichten Bericht, sammeln wir mit einem Crowdfunding momentan Geld, um herauszufinden wem Zürich gehört. Zudem organisieren wir auch dieses Mal eine Pitch-Night, Podien und machen mit einer Stadtforscherin einen Spaziergang durch die Weststrasse.

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