🍹🎉Tsüri Fäscht🎉🍹

Dank den Membern hatten wir im 2020 genug Geld, aber damit rumgeworfen, haben wir schon nicht... Illustration: Zana Selimi

Das Wunder von Tsüri.ch: Oder wie das Stadtmagazin zu seinen 1300 Membern fand

Wir haben schon alles ausprobiert, um mehr Tsüri-Member zu gewinnen. Vieles vergeblich. Und dann kam Corona.
06. April 2021
Community-Verantwortliche und Redaktorin

«Die Anzahl Tsüri-Member zu vergrössern» – das war grob gesagt meine Aufgabe, als ich im Sommer 2018 die neu geschaffene Stelle als Community- und Memberverantwortliche bei Tsüri.ch antrat. Ich stand vor einem Scherbenhaufen. Davor fehlten die Ressourcen, damit sich jemand um die Member kümmern konnte. Die Arbeit wurde nebenbei erledigt. So wurden die Menschen, die Member werden – also zahlen – wollten, auf der Homepage mit einem komplizierten Anmeldeprozess konfrontiert. Auch stellte sich heraus, dass die Mitgliedschaften ausliefen, ohne dass die scheidenden Member darüber informiert wurden.

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Es gab viel zu tun: Von den rund 40’000 Besucher*innen, die damals monatlich auf der Webseite surften, waren 800 Personen Member. Ich rechnete aus: Nur 1.6 Prozent aller User. Es sollte doch einfach möglich sein, all jene, die regelmässig Tsüri.ch lesen zu zahlenden Member zu konvertieren? Denkste! Die User stellten sich als zäh und zahlungsmüde heraus.

Mehr Member waren aber nicht nur ein Nice-to-have, sondern essentiell. Denn nur mit der Unterstützung der Member wären wir in der Lage, unsere Löhne, die Büromiete und Marketingkosten wie z.B. neue Shirts und Flyer auch in Zukunft bezahlen zu können. Konkret: 122’000 Franken sollten im Jahr 2019 allein aus dem Bereich Community generiert werden. Mit dieser Zahl im Nacken sitzend, krempelte ich die Ärmel hoch und probierte alles aus, was neue Member hervorbringen konnte.

Doch egal, was das war, die Anzahl Unterstützer*innen dümpelte immer um 800 herum. Es kamen zwar täglich zwei neue Member dazu, aber genau gleich viele liefen auch täglich aus. Und da wir bis zu diesem Zeitpunkt jedes Jahr mehr Geld ausgegeben als eingenommen hatten, war uns bewusst, dass dies so nicht mehr lange funktionieren konnte.

Die Ideen waren wirklich nicht schlecht: Wer im Herbst 2018 Member wurde, bekam exklusiv einen Lochergut-Bastelbogen geschenkt. Die Aktion bescherte uns immerhin einen kleinen Artikel im Tagesanzeiger und dem Civic-Media-Projektverantwortlichen Elio später eine Stadtwohnung, weil der Liegenschaftenverwalter dank dem Bastelbogen Tsüri.ch kannte. Das besagt zumindest die Legende.

Der Bastelbogen, gestaltet von Tsüri-Member Reto Meierhofer.

Im Oktober 2019 versuchten wir das Problem an der Wurzel zu packen. Wir wussten, dass viele die Page mitmachen.tsri.ch aufriefen – und sie wieder verliessen, ohne sich zu registrieren. Computerflüsterer Nico liess seine Hacker-Muskeln spielen und optimierte den Anmeldeprozess auf der Webseite. Es kamen neue Zahlungsmittel hinzu und wir witzelten, dass jetzt auch Boomer ohne Probleme eine Tsüri-Mitgliedschaft lösen können. Was manche auch taten, doch auch hier: Eine solche Verbesserung bringt nicht auf einen Schlag eine Horde neue Member.

Einen Monat später hofften wir auf die Unterstützung der bestehenden Member: Wer zwei neue Personen davon überzeugen konnte, Tsüri-Member zu werden, bekam als Dank ein Shirt mit Lochergut-Print geschenkt. Wem war das Anreiz genug? Genau zwei Personen! Schade! Aufwand und Ertrag hielten auch hier nicht die Waage.

Das Jahr 2019 schlossen wir dennoch besser ab als erhofft. Für alle Zahlen-Fanatiker*innen: Im Jahr Jahr 2019 generierte Tsüri.ch 103’000 Franken aus dem Community-Bereich – 18’000 Franken weniger als budgetiert.

Es kann oft ganz schön zermürbend sein, Ideen auszuarbeiten, umzusetzen und dem erwünschten Resultat nur ein bisschen näher zu kommen. Immer wieder auf’s Neue. Was gut funktioniert, lässt sich oft im Vorhinein nicht sagen. Publizieren wir Kommentare oder andere Artikel mit Haltung, schlägt sich das oft direkt in der Memberzahl nieder. Ein bissiger Kommentar wie dieser hat zum Beispiel fünf neue Member auf einen Schlag gebracht. Was wir aber grundsätzlich sagen können: Je mehr Leute die Webseite besuchen, desto mehr schliessen eine Mitgliedschaft ab.

Im Januar 2020 holten wir neuen Schnauf für eine weitere Idee: Wir führten das News-Briefing ein. Alle Member bekommen um 17 Uhr eine Mail mit den wichtigsten News des Tages, praktisch von den Tsüri-Redaktor*innen zusammengefasst. Wir hofften mit diesem Service ein paar Abonnent*innen zum Kreditkarten zücken zu motivieren. Du ahnst es schon: Es tröpfelten einfach fortlaufend neue Member in das bestehende Bassin von gut 900 Membern hinein. Wir kamen nicht vorwärts.

Die Zahl Member dümpelte im Februar 2020 also immer noch um die 900 herum, unbeeindruckt von unseren Massnahmen. Wir waren am Ende unseres Lateins – und fragten uns, ob uns die Zürcher*innen nicht mögen. Doch dann passierte etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte.

Corona kam, sah und siegte als beste ‹Memberkampagne› in der doch schon fünfjährigen Tsüri-Ära.

Natürlich hatten die Menschen mehr Zeit, um im Internet abzuhängen, natürlich waren wir journalistisch stark, natürlich war die Solidarität von allen Seiten gross. Aber dass allein im März 104 neue zahlende Member dazu gekommen sind, hat uns schon sehr überrascht. Am 1. April 2020 knackten wir zum ersten Mal die 1000 Member Marke und die Zahl stieg fortzu an, sodass wir heute auf die Unterstützung von 1300 Membern zählen können. Im Jahr 2020 spülte der Communitybereich einen Drittel aller Einnahmen in die Tsüri-Kasse. Im vergangenen Jahr war es ein Viertel. In Zahlen: Im Coronajahr generierten wir 166’000 Franken aus der Community. Hier ein riesiges Dankeschön an alle Member!

Viele Ideen können wir aber nicht umsetzen, da wir schlicht und einfach nicht die Kapazität dazu haben. Und natürlich auch nicht das Geld. Darum sind wir momentan in der Planung einer etwas grösseren Kampagne, bei der wir auch dich als Member brauchen. Du hörst bald von uns. Wenn du wissen möchtest, wie du mithelfen kannst, kannst du dich schon heute hier eintragen. Ohne Member kein Tsüri.ch.

Hier kannst du Member werden.

Tsüri.ch packt aus
Tsüri.ch gibt pro Jahr eine halbe Million Schweizer Franken aus. 70 Prozent davon fliesst in die Löhne des zehnköpfigen Tsüri-Teams. Bei Tsüri.ch verdienen alle gleich viel bzw. wenig: 4000 CHF Brutto auf 100 Prozent. Tsüri.ch wird weder von Stiftungen noch vom Staat unterstützt. Alle Einnahmen erwirtschaftet Tsüri.ch selbst: Ein Viertel stammt aus den Memberbeiträgen, ein Viertel aus der Werbung und die Hälfte aus den Sponsoring der Fokusmonate. Im Idealfall machen diese Einnahmen auch eine halbe Million aus. In der dreiteiligen Serie «Tsüri packt aus» legt Tsüri.ch die Finanzen offen und verrät dir alle Geheimnisse über Tsüri.ch und das liebe Geld.
Teil 1: Tsüri.ch und die Finanzen

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