💌 «Züri Briefing» 💌

Drinnen leer, draussen voll: so sah es heute in den meisten Restaurants aus (Foto: Michael Schallschmidt)

Das war der erste Tag mit ausgedehnter Zertifikatspflicht

Seit Montag gilt in der Schweiz die ausgedehnte Zertifikatspflicht zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Für die Betreiber:innen von Restaurants, Kinos und anderen Freizeiteinrichtungen bringt dies eine grosse Veränderung mit sich. Die Betroffenen sehen darin jedoch nicht nur negative Aspekte.
13. September 2021
Praktikant Redaktion

Das Besteck klappert auf dem Geschirr und die Gläser klirren: Über die Mittagszeit herrscht in den Aussenbereichen der Zürcher Restaurants Hochbetrieb. Aufgrund des warmen und sommerlichen Wetters geniessen die Gäste ihre Speisen und Getränke vorzugsweise im Freien. Nur vereinzelt finden sich Leute, die in den ruhigen Innenbereichen der Restaurants essen und trinken. Wer sich beim auswärts Essen für die letztere Variante entscheidet, muss seit neustem jedoch ein gültiges Covid-Zertifikat vorweisen. Denn gemäss den Bestimmungen des Bundesrates vom 8. September gilt ab heute in der ganzen Schweiz eine ausgeweitete Zertifikatspflicht.

Damit gilt die Zertifikatspflicht neu auch für die Innenbereiche von Freizeit- und Kultureinrichtungen. Betroffen sind davon neben Gastronomiebetrieben auch Museen, Kinos, Bibliotheken, Hallenbäder, Zoos und so weiter. Die Massnahme ist auf den 24. Januar 2022 befristet und eine Reaktion des Bundesrates auf die angespannte Lage in den Spitälern. Dies erklärt der Bundesrat in einer Mitteilung vom 8. September. Um ein Zertifikat zu erhalten, muss eine Person entweder vollständig gegen Covid-19 geimpft, von einer Covid-19-Erkrankung genesen, oder negativ getestet sein.

Gemäss neusten Zahlen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) sind im Kanton Zürich rund 56 Prozent der impffähigen Bevölkerung vollständig geimpft. Für diejenigen, die noch nicht zweifach geimpft sind, ist ein negatives Testergebnis oft die einzige Option, um ein Zertifikat zu erhalten. Dementsprechend lange waren heute morgen die Schlangen vor den Testzentren in der Stadt Zürich. Wie der Selbstversuch zeigt, beläuft sich die Wartezeit für einen Antigentest ohne Voranmeldung auf über eine Stunde.

Vorsichtiger Optimismus in Kinos

Was die Zertifikatspflicht für die Kinos bedeute, sei momentan noch schwer einzuschätzen, sagt Daniela Küttel. Sie ist Mitglied der Geschäftsleitung der Kino Neugass AG, zu der die Zürcher Kinos Riffraff und Houdini sowie das Kino Bourbaki in Luzern gehören. Ob sich die Besucherzahlen in den Kinos aufgrund der Zertifikatspflicht verändern würden, liesse sich erst nach einigen Wochen sagen, erklärt Küttel. «Wir hoffen natürlich, dass sich die Zertifikatspflicht nicht negativ auf unser Geschäft auswirkt», sagt Küttel.

Die Leute fühlen sich jetzt möglicherweise sicherer, wenn sie ins Kino gehen.
Daniela Küttel, Kino Neugass AG

Über die veränderten Umstände, die die Zertifikatspflicht bereits heute mit sich bringt, würde sich die Kinobetreiberin jedoch freuen: «Wir sind im Moment vor allem froh darüber, dass wir die Kinosäle wieder voll auslasten dürfen», sagt Küttel.

Aufgrund der bisherigen Weisungen des Bundes durften die Kinosäle während einer Vorstellung nämlich nur zu zweit Drittel ausgelastet sein. Auch trage die Zertifikatspflicht bei den Besucher:innen zu einem höheren Sicherheitsgefühl bei, sagt Küttel: «Die Leute fühlen sich jetzt möglicherweise sicherer vor einer Ansteckung, wenn sie ins Kino gehen». Dies könne sich positiv auf die Besucher:innenzahlen auswirken, sagt Küttel.

Clubs bilden keine Ausnahme mehr

Alexander Bücheli, Pressesprecher der Bar- und Club Kommission Zürich, sieht in der Ausweitung der Zertifikatspflicht Vorteile für Zürcher Gastro- und Clubbranche. So würden die Clubs beispielsweise keine Ausnahme mehr bilden, was die Zertifikatspflicht betrifft. «Je normaler die Zertifikatspflicht ist, desto einfacher lässt sie sich auch in allen Lokalen umsetzen», sagt Bücheli.

Auch sei die Zertifikatspflicht in den städtischen Lokalen akzeptierter, als die Erfassung der Kontaktdaten, sagt Bücheli: «Es gibt mit der Zertifikatspflicht weniger Diskussionen zwischen Lokalbetreiber:innen und Gästen. Die Kontaktdaten erfassen zu lassen war für die Gäste eher ein Problem». Auf dem Land wiederum stosse die Zertifikatspflicht eher auf Kritk, erklärt Bücheli: «Die Impfquote auf dem Land ist tendenziell geringer, daher ist auch das Verständnis für die Ausweitung der Zertifikatspflicht kleiner.»

Damit geht der erste Tag mit ausgedehnter Zertifikatspflicht zu Ende. Wie sich die jüngsten Massnahmen des Bundesrates auf die Gästezahlen auswirken, kann momentan noch niemand sagen. Vorerst freuen sich die Zürcher:innen noch über Essen und Trinken an der Sonne und über das warme Wetter.

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