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Das Sächsilüüten ist ein umherziehendes Botellon, welches sich zur späten Stunde zum Polterabend wandelt

Warum unterstützt die Stadt diesen frauenfeindlichen Umzug?
13. April 2015
Kann mir jemand erklären, was dieses Sächsilüüten überhaupt soll? Ein versnobter Haufen von merkwürdig verkleideten Männern zieht angetrunken durch die Innenstadt. Als wäre dies nicht genug, werfen einige wild mit Fisch und Brot um sich.

Die ausgezeichnete Leistung der Zünfter wird selbstverständlich honoriert. Dafür sind die am Strassenrand wartenden Blumenwerferinnen zuständig. Die Credit Suisse verkauft im Vorfeld Tickets für dieses Spektakel, falls du einmal in der ersten Reihe dabei sein möchtest.

Besonders fragwürdig für das 21. Jahrhundert ist die Ausgrenzung der Frauen. Ach ja, die Gesellschaft zu Fraumünster darf für die nächsten acht Jahre als Gast bei der Gesellschaft zur Constaffel mitlaufen. Und dies erst nach hartnäckigen Verhandlungen. Wie weit dieser Entscheid aus freiem Willen und nicht aus Angst vor öffentlichen Reaktionen zustande gekommen ist, sei dahin gestellt. Immerhin müssen die armen Frauen nicht mehr eine halbe Stunde vor dem offiziellen Start losziehen. Von allen 26 Zürcher Zünften wollte ich wissen, was sich verändern würde, wenn der Umzug allen Frauen offen stünde. Nicht ganz unerwartet kam keine einzige Antwort zurück. Okay, vielleicht gibt’s dann keine Blumen mehr.

Wer kommt für die anfallenden Kosten wie Tramumleitung, zusätzlicher Polizeiaufwand, Reinigung etc. auf? Ich nehme an, diese werden kaum von den Zünftern übernommen. Es stünde dem Stadtrat gut an, die Bewilligung für das Sächsilüüten an gewisse Bedingungen wie Reformen zu knüpfen. Tradition hin oder her. Was sich wohl Corine Mauch dazu denken mag? Möglicherweise wird sie diese Thematik während des Umzuges mit ihren Kollegen der Saffran Zunft besprechen. Sehnt sich die Zunft vielleicht doch nach weiblicher Begleitung oder schmückt man sich einfach mit einer weiteren Führungsperson?

Sobald alle Reiter brav um den Böögg geritten sind, -Jeeee!-, geht’s weiter in die Zunftstube. Nachdem der Bauch vollgestopft, derbe Witze erzählt und die Kehle übermässig erfrischt worden ist, marschiert man torkelnd durch die Altstadt und besucht die anderen Zünfte. Der einzige Unterschied zu einem Polterabend, wo ausschliesslich merkwürdig gekleidete und betrunkene Männer laut umherschreien ist, dass die Zünfter am Montagabend und nicht am Wochenende unterwegs sind. Wie wir diese Polterabende lieben!

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