Der Schwarze rappt, der Weisse studiert: Die einfache Welt der ETH

In einem Werbevideo für die ETH Zürich rappt ein «Hip-Hopper» darüber, wie cool die Zürcher Hochschule ist. Das ist peinlich, klischiert und im schlimmsten Fall genauso kalkuliert. Ein Kommentar von Redaktor Marco Büsch.
27. November 2018

Die ETH Zürich hat es geschafft. Wir sprechen wieder über sie, abseits von Erhöhungen von Studiengebühren, Vorwürfen der sexuellen Belästigung oder Entlassungen wegen Mobbings. Sie hat es einem Werbevideo zu verdanken. Darin hangelt sich ein «Hip-Hopper» durch die ETH und rappt uns vor, wie cool es in dieser Institution ist. Die Youtube-Kommentare sprechen Bände: Die einen lachen mit, viel mehr lachen über die ETH. Immerhin: Zu lachen gab es bei der ETH lange nichts mehr. Jetzt haben sie sich einen eigenen Lacher kreiert.

Man wird den Gedanken nicht los, dieses Image-Video bediene kalkuliert Klischees, um möglichst viel Empörung und Fremdscham auszulösen. Hauptsache es regen sich möglichst viele Menschen öffentlichkeitswirksam darüber auf – Medien wie Tsüri.ch miteinbezogen. Wie kann es sonst sein, dass in der Beschreibung des Videos geschrieben steht: «What is this hip-hopper doing on the campus [...]. Of course, he is rapping with our students.»

Natürlich ist es ein Schwarzer, der mit den Hip-Hop-Klamotten in der ETH rappt. Was sollte er sonst tun? Dort studieren? In der Welt der ETH ist das anscheinend nicht möglich. Studieren tut dort nur der nerdige Weisse, der ebenfalls im Video anzutreffen ist. Oder die Inderin. Oder die Asiatin. Klischierter geht es nicht mehr. Peinlich, wie diese Eliteschule ihre Diversität abfeiert, dabei aber gekonnt Stereotypen reproduziert. Das ist im besten Fall grenzwertig.

Der dreiminütige Clip ist unglaublich aufwendig produziert. Man hat alle Register gezogen. In der Kommentarsektion auf Youtube fragen Studierende deshalb auch berechtigterweise: Wer bezahlt das alles? Wurden dafür die Studiengebühren erhöht? Ein*e vermeintlicher*r ETH-Studierende*r hat sogar geschrieben «Ich wechsle ad uni züri». Das habt ihr jetzt davon.

Ganz im Ernst: Uns könnt ihr nicht hinters Licht führen. Noch immer nerven sich die Studierenden ab den höheren Studiengebühren. Noch immer warten wir alle gespannt auf die Untersuchungsergebnisse zu den Vorwürfen der sexuellen Belästigung. Nice try, aber macht doch bitte euren eigentlichen Job und euren Campus tatsächlich wieder zum «most amazing in the world».

Titelbild: Screenshot aus dem Video der ETH Zürich

Redaktor

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