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Das Erfolgsrezept hinter der Critical Mass in 5 Punkten

Bei der Critical Mass treffen sich jeden letzten Freitag im Monat Velofahrer*innen, um gemeinsam durch die Stadt zu fahren. Die letzte Zürcher Critical Mass hat ihre kritische Masse insoweit überschritten, dass sich die Stadtpolizei bemüssigt fühlte, dazu Stellung zu beziehen. Dies tat sie zu Beginn etwas unglücklich; später konnte sie sich jedoch dem Charme der Bewegung nicht entziehen.
29. Juli 2019

Und genau dieser Charme ist wohl das Erfolgsrezept der Bewegung. Waren es bei der ersten Zürcher Critical Mass im Jahr 1997 etwa fünfzig Velofahrende, nahmen letzten Freitag bereits circa 850 teil.

Mitten im Sommerloch haben viele Medien die Pressemitteilung der Zürcher Stadtpolizei dankbar aufgegriffen. Die Einen erklärten, was die Critical Mass ist, die Anderen versuchten zwischen den Zeilen Hass zu schüren. Aber niemand widmete sich dem feinstofflichen Charme, der hinter der Critical Mass steckt. Das wollen wir nun mit den folgenden fünf Punkten nachholen:

1. Die Critical Mass ist niederschwellig

Du brauchst ein Velo und musst dir merken, dass die gemeinsame Ausfahrt jeden letzten Freitag im Monat um 18.45 Uhr am Bürkliplatz startet – das ist schon alles. Oft fahren sogar Leute spontan mit, die dem Tross unterwegs begegnen. Niemand fragt, woher du kommst und was dein Ansinnen ist und es gibt ausser dem Fortbewegungsmittel mit zwei Rädern keine (geheimen) Codes, an die sich jemand halten sollte (mit Ausnahme dieser hier).

2. Das niederschwellige Setting ermöglicht Inklusion

Dass an der Critical Mass alle Rad fahrenden Menschen willkommen sind, ist kein schönfärberischer Slogan. Hier trifft sich keine eingeschworene Community. Es stört niemanden, wenn sich jemand in einer Rikscha chauffieren lässt oder jemand mit einem Publibike mitfährt, und auch die uniformierten Velo-Polizist*innen werden freundlich aufgenommen. Der grosse Verbund von Velofahrer*innen inmitten des ansonsten rohen, motorisierten Stadtverkehrs ist vielleicht am ehesten mit einem Fischschwarm zu vergleichen, in dem sich alle geborgen und geschützt fühlen – wobei die Autofahrer*innen nicht als Feinde betrachtet werden. Ganz im Gegenteil: Wer zuvorkommend ist, freundlich lächelt oder winkt, wird umgehend warm gegrüsst oder gar bejubelt und dadurch für einen kurzen Moment auch Teil der Bewegung.

3. Inklusion ermöglicht eine grosse Diversität

Die Buntheit und Vielfalt der Critical Mass lässt sich am besten an den Fahrrädern ablesen. Es gibt diesbezüglich definitiv keinen «Style-Code». Vom klapprigen Drahtesel bis zum hightech Rennrad fährt hier alles mit. Und die Velos repräsentieren letztendlich auch deren Halter*innen, die aus den unterschiedlichsten Milieus zu stammen scheinen. Und genauso kann jede*r auch die eigene Message einbringen, die er oder sie mit der Teilnahme verbindet.

4. Der hohe Grad an Selbstorganisation verhindert Hierarchien

Viele aktivistische Bewegungen der letzten Zeit weisen einen mehr oder weniger hohen Grad an Selbstorganisation auf. Die bekanntesten der letzten Dekaden waren wohl Anonymous und Occupy. Ansätze davon sind auch im Umfeld von Klima- oder Frauenstreik zu beobachten. Bei Critical Mass lässt sich das auf verschiedenen Ebenen beobachten, die Bewegung hat kein personelles Aushängeschild oder eine ähnliche Person. Im Grossen, wie zum Beispiel bei Ablauf und Organisation der Einladung und Besammlung, wie auch im Kleinen, wenn zum Beispiel ad hoc entschieden wird, ob ein Tram passieren oder die Zufahrt aus einer Seitenstrasse unterbunden werden soll (so genanntes «Corken»).

5. Die Bewegung ist ein Kristallisationspunkt des Zeitgeistes

Die Critical Mass passt nicht nur zur Klimabewegung. Mit den vorgängigen Punkten wird auf vielen Ebenen ein neuer Zeitgeist erkenn- und spürbar – denn nach Zeiten der Polarisierung stehen aktuell immer mehr Zeichen auf Offenheit und Wertschätzung der Vielfalt.

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