Bullshit-Job? 💩

«Wir wollen darüber sprechen, was Frauen* zwischen den Beinen haben»

Zürich ist um eine Stickers-Kollektion reicher. Mit der Aktion «das da unten» wollen die Macher*innen Gespräche über unsere Geschlechtsorgane anregen und diese so enttabuisieren. Wieso, warum, weshalb liest du hier im Interview.
09. August 2019
Chefredaktor

«Das da unten»-Stickers hängen an verschiedenen Orten in der Stadt. Was ist denn das da unten?

das da unten ist ein Kollektiv-Projekt, mit dem wir Anregung schaffen wollen, vermehrt und vor allem öffentlich darüber zu sprechen, was Frauen* eigentlich zwischen den Beinen haben. Unsere Ziele sind die Enttabuisierung und Normalisierung des weiblichen* Geschlechtsorgans. Wir möchten aufklärend wirken, zum Diskurs anregen und nicht zuletzt Frauen* und junge Mädchen* in ihrem sexuellen Bewusstsein stärken.

Warum braucht es Stickers, eine Webseite mit Blog und einen Instagram-Account für euer Anliegen?

Die drei Kanäle ergänzen sich gegenseitig, funktionieren aber auch eigenständig. Mit den Stickern hat alles angefangen. Wir sassen bei einem Glas Wein zusammen und haben uns gewundert, dass wir in der Öffentlichkeit so viele Penisse sehen, aber keine Vulvas! Das wollten wir ändern und mehr Sichtbarkeit für das weibliche* Geschlechtsteil im öffentlichen Offline-Raum schaffen. Die Website und der Blog bieten ergänzende Informationen und spannende Beiträge sowie Interviews rund um das Thema «das da unten».

Instagram ist für uns die Chance, uns mit anderen Menschen zu vernetzen, die unsere feministischen Anliegen unterstützen und darüber hinaus auch ein jüngeres Publikum zu erreichen. Selbstverständlich soll die Verbreitung unserer Inhalte durch alle drei Kanäle gefördert werden.

An wen richtet ihr euch? An junge Frauen*? An alle?

Es gibt unglaublich viel Fehlinformation über dieses Thema – auch von öffentlichen Stellen. Daher sprechen wir grundsätzlich alle an. Wichtig ist es uns aber auch, junge Leute für unser Projekt zu begeistern, da gerade in der Adoleszenz eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Sexualität stattfindet. Zudem soll gesagt sein, dass dieses Thema nicht nur Frauen* oder Mädchen* betrifft. Auch Transmenschen oder nicht-binäre Menschen können eine Vulva haben. Männer* haben mit das da unten die Möglichkeit ihr Wissen in Bezug auf das weibliche* Geschlechtsorgan zu erweitern.

Ihr wollt, dass wir alle wissen, wie unsere Körperteile und Organe da unten heissen. Ist das wirklich wichtig?

Ja, es ist wichtig! Wir glauben an den konstruierenden Charakter der Sprache. Der Grundsatz lautet; was nicht benannt wird, existiert nicht. Lange Zeit wurde die Klitoris – das Zentrum der weiblichen* Lust – in Anatomiebüchern zensiert oder weggelassen. Die männlich* geprägte Wissenschaft hatte schlichtweg kein Interesse daran. In der Gesellschaft war die weibliche* Lust demnach nicht-existent oder von Mythen verschleiert: einer davon ist, dass das weibliche* Genital sogar den Teufel verjagen kann (hier dargestellt auf einem Gemälde von Thomas Rowlandson, 1800).

Wie benennt ihr das da unten?

Noch heute ist in vielen Bereichen die Lust der Frau* weniger relevant. Dem wollen wir entgegenwirken, indem wir den Begriff Vulva vorschlagen – er beinhaltet alle von Aussen sichtbaren Teile: somit auch die Klitoris(spitze). Klar, die Vagina, die gibt es auch. Jedoch bezeichnet der Begriff nur den Muskelschlauch, welcher die Vulva mit dem Inneren Teil des weiblichen Geschlechtorgans verbindet.

Hinzu kommt, dass ein differenzierter Sprachgebrauch im Rahmen der Aufklärung unabdingbar ist. Wie sollen sich Menschen über Anliegen und Probleme betreffend ihrer Sexualität austauschen, wenn sie nicht einmal wissen, was ihr Geschlechtsteil alles umfasst? Ausserdem: Stell dir mal vor, wir würden den Penis mit den Hoden verwechseln – fänden die Männer* auch nicht so lustig, oder?

Habt ihr dieses Graffiti gemacht?

Nein, aber wenn es nach uns ginge, könnte es noch viel mehr Klitoriskunst geben! Kunst ist ein wundervolles Medium, um Tabuthemen öffentlich zu diskutieren. Auch online gibt es wunderschöne #vulvaart. Es ist sehr erfrischend, wie das weibliche* Geschlechtsorgan für dessen Vielfältigkeit in der Kunstszene gefeiert wird.

Und zum Schluss: Wer seid ihr?

das da unten ist ein Kollektiv aus Personen mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen – Bildung, Medizin, Psychologie, Soziokultur und Journalismus. Zudem arbeiten wir mit Gastautor*innen. Diese unterschiedlichen Ausrichtungen helfen uns, unser Projekt vielfältig zu gestalten.

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