Das Bonheur ist imfall nicht hip! Eine Liebeserklärung.

Es ist immer heikel, öffentlich über Orte zu reden, die man selber mag. Als Autor kann ich eigentlich nur verlieren.
25. April 2017

Es gibt zwei Möglichkeiten:

  1. Entweder der Text ist gut, wird darum viel gelesen und viele andere Leute strömen auch an den geliebten Ort und produzieren so #Dichtestress.
  2. Der Text ist schlecht. Niemand liest ihn, dafür merkt auch niemand, dass sie einen super nicen Ort verpassen.

Bei diesem Text ist das ganz anders. Denn es kennen sowieso schon alle Tsüri-User*innen das Bonheur am Bullingerplatz. Und seit der Beruhigung der Weststrasse ist der Bullingerplatz eh schon aufgewertet – sonst gäbe es das Bonheur auch nicht.

Als Autor droht mir also nur noch die Blamage des schlechten Textes.

Intro fertig.

In einer Art Artikel (?) bezeichnete der Tagi das Bonheur als hippsten Ort in Zürich. Weil da so viele Menschen sitzen und miteinander quatschen und so fancy Wörter wie Whatsapp Sojamilch und benutzen.

  1. Ein Ort, der von der grössten Lokalzeitung als hipp bezeichnet wird, verliert spätestens in diesem Moment jegliche Hippheit.
  2. Sojamilch und der Gebrauch von Whatsapp machen weder ein Kafi, noch deren Besucher*innen zu etwas Besonderem. Willkommen im Jahr 2017!

Der Bullingerplatz und mit ihm das Bonheur ist ein wunderbarer Treffpunkt! Klar ist da die Dichte an Selbstständigen höher als am Paradeplatz und dass eine gewisse Züri-Bubble überdurchschnittlich gut vertreten ist, kann ich nicht abstreiten.

Doch genau das ist ja das Geniale: An einem schönen Abend oder irgendeinem Wochenendtag kann ich losziehen, ganz alleine, und mir sicher sein, dass ich ein bekanntes Gesicht treffe. Wie viele solche Plätze gibt es in Zürich? Abgesehen von den Quartierfesten und kleinen Stadt-Openairs gibt es höchstens eine Handvoll. Es sind diese Plätze, Feste, Momente, die Zürich zu einem fröhlichen Dorf werden lassen.

Übrigens: Auch wer niemand aus der gut vertretenen Züri-Bubble kennen sollte: Das Kafi ist auch sonst toll, der Platz auch und im Brunnen kann man sogar baden.

Das Bonheur und der Bullingerplatz haben keinen halbironisch, belächelnden Artikel verdient, sondern eine einfache und schlichte Liebeserklärung. Es braucht mehr solcher Quartiertreffpunkte. Wem es ausschliesslich um die Sojamilch geht, soll doch im Starbucks einkehren.

Titelbild: Screenshot/Instagram

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