Das Äms Fäscht – Für eine Welt sans Frontières

Morgen, am 1. August, findet zum 6. Mal in Folge das «Äms Fäscht» auf der Bäckeranlage statt. Mit diesem farbenfrohen Anlass will der Verein die gesellschaftliche und kulturelle Diversität, deren Vorteile und eine Welt ohne Grenzen feiern. Im Fokus steht dieses Jahr die «Züri City Card».
31. Juli 2018

In den letzten 700 Jahren hat sich die Schweiz aus einer Bauerngemeinschaft zu einem modernen, multikulturellen Staat entwickelt. Aus den Dörfern in den Tälern wurden Städte und in diesen Städten leben nicht mehr nur Schweizer*innen, sondern auch Menschen aus allen Ländern der Welt. Etwa ein Drittel der Zürcher Bevölkerung sind Ausländer*innen und diese Menschen kommen aus 175 Nationen. Menschen aus verschiedenen Kulturen, die ihre Lebensgeschichte in verschiedenen Sprachen erzählen, treffen hier aufeinander.

Wir sind längst eine Multikulti-Stadt und das hat viele Vorteile: Wir kommen in den Genuss von Speisen aus aller Welt, wir hören ihre Musik und tanzen dazu und die Erzählungen dieser Menschen animieren uns dazu, neue Sprachen zu lernen und fremde Länder selbst zu bereisen. Die verschiedenen Kulturen bereichern das Stadtleben, sie erweitern unseren Horizont. Leider ist diese Meinung in den Medien noch immer untervertreten. Und genau darum möchte der Verein «Äms Fäscht» morgen nicht den konventionellen 1. August sondern ein Fest fernab von Ausgrenzung und Nationalismus feiern. Dieser Verein wurde 2013 von Elena Marti und einigen anderen jungen Menschen mit dem gleichen Mindsetting gegründet.

Ein Fest das betont, wie wertvoll die kulturelle Vielfalt ist.

Heute ist Elena Grüne Zürcher Gemeinderätin und studiert Kunst und Vermittlung an der Zürcher Hochschule der Künste. «Wir haben damals zu fünft ein grosses Brainstorming gemacht», sagte Elena. «Wir suchten nach Wegen und Mitteln, gegen die wachsende Tendenz zur Ausländerfeindlichkeit in der Schweizer Bevölkerung anzukämpfen. Wir haben uns konkret gefragt: Was können wir tun, um die Themen Migration und kulturelle Vielfalt wieder positiv zu besetzen?» Irgendwann sei sie dann auf den Gedanken gekommen, einfach ein Fest zu organisieren. Ein Fest das betont, wie wertvoll die kulturelle Vielfalt ist. Ein Fest, bei dem alle zusammenkommen und das zeigt, dass eine Welt ohne Rassismus möglich ist.

Dass ausgerechnet der 1. August der Tag sein wird, war nicht von Anfang an klar. Schlussendlich befanden sie dieses Datum aber als perfekten Anlass, um eine Alternative zum konventionellen Nationalfeiertag zu bieten. Die Message ist klar: «Wir alle gehören zur Schweiz – egal, welcher Herkunft – und wir feiern dies zusammen.»

Elena bereitet die Boxen für die Kollekte vor. ( Bild: Nadia Reber)

«Das erste Jahr war die Organisation sehr anspruchsvoll», sagte Elena. «Natürlich ist es das immer; man braucht eine Bewilligungen und muss Geld reinholen, was oft, bei Events die zum ersten Mal stattfinden, sehr schwierig ist.» Im ersten Jahr hatte kaum jemand Erfahrung im Eventmanagement. Drei Wochen zuvor war immer noch unklar, ob das Fest tatsächlich stattfinden würde. «Wir steckten ziemlich in der Klemme, wir hatten nicht mal einen Getränkelieferanten», sagt Elena. «Zum Glück hat zum Ende hin dann doch alles funktioniert und wir feierten ein wunderschönes erstes Äms Fäscht. Es war mega toll!»

Ein schönes Erlebnis, an welches sie sich gerne erinnert war, als ein Mitglied des Diwan (orientalisches Kulturzentrum in Zürich) ein Gedicht auf Deutsch und Arabisch vortrug. «Wir haben uns im Vorhinein mit dem Mann getroffen, jedoch war die Kommunikation mit ihm etwas knapp und unklar», sagt Elena. «Darum wussten wir nicht so recht, was auf uns zukommen würde, als er auf der Bühne stand. Er hat dann ein sehr schönes und berührendes Gedicht über die Situation im Mittelmeer, mit all den Flüchtlingsbooten und dem unerträglichen Elend vorgetragen». Das sei sehr unerwartet gewesen und habe alle sehr gerührt.

Gemeinsam für die Züri City Card

Seit dem ersten Jahr wurde das Äms Fäscht von Jahr zu Jahr grösser. Das freut den Verein, jedoch hat dies nicht nur gute Seiten: «Viele kommen vor allem, weil sie einfach an ein Fest möchten. Der politische Gedanke rückt daher in den Hintergrund. Uns ist es aber sehr wichtig, dass die Idee dahinter, nämlich die Migration und das friedliche Zusammenleben unterschiedlichster Kulturen, nicht vergessen geht.» Dies ist mitunter auch ein Grund dafür, wieso der Verein jedes Jahr ein anderes Charity-Projekt aus dem Migrationsbereich promotet und auch (Becher-)Spenden dafür sammelt. Dieses Jahr ist es das «Züri City Card»-Projekt.

Dieses Projekt ist ein möglicher Lösungsansatz, die Probleme der Sans-Papiers zu lösen. «Ich bin davon überzeugt: Kein Mensch ist illegal», sagt Elena. «Es leben sehr viele Sans-Papier in der Stadt Zürich. Das Leben, das sie führen, die Angst, mit der sie jeden Tag leben müssen – Ich glaube das kann sich unsereiner nicht mal ansatzweise vorstellen.» Hätten sie diesen Ausweis, der sie in erster Linie als Zürcher*innen ausweist, könnten sie eine*n Arzt*in aufsuchen, eine Ausbildung machen, arbeiten gehen oder Verträge abschliessen – alles Dinge, die für uns selbstverständlich sind. Darum unterstütze man dieses Projekt.

So könnte die Züri City Card aussehen. (Fotomontage: Tresdelinquentes)

Das Äms Fäscht hat seinen Namen übrigens von einer Art der Jugendsprache, die noch vor ein paar Jahren rege genutzt wurde. «Es gab eine Zeit, in der man statt normale Präpositionen oder Artikel zu verwenden, einfach immer äms verwendet hat», erklärt mir Elena. «Hey gömmer äms Denner, chillemer äms Lette, heschmer äms Zigi. Zugegeben, der Name ist nicht das Gelbe vom Ei. Er sollte vor allem die Jugendlichen ansprechen. So hat sich der Name etabliert – und er wird bleiben.»

Neben einer internationalen Food-Strasse, an welcher Länder wie Sri Lanka über Peru bis zu Senegal vertreten sind, bietet das Äms Fäscht auch ein Aufgebot von nationalen sowie internationalen DJ*anes, Musiker*innen und Kleinkünstler*innen. «Dieses Jahr haben wir auch wieder äms Mojitobar und natürlich wie immer äms Grill und äms Kuchenstand». Das Fest ist für Jung und Alt, darum ist natürlich auch für die Kleinen gesorgt: Jedes Jahr gibt es ein buntes, gut organisiertes Kinderprogramm.

Titelbild: Urs Meier

Für weitere Informationen geht es hier zur Website des Äms Fäscht.

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