Darf die das? Fuck ja, die darf das!

Die Bloggerin Morena Diaz ist eine junge Frau aus dem Aargau – und musste die letzten Wochen ganz schön viel Häme von Schweizer*innen und ausländischen Medien einstecken. Ihr Fehler? Diaz postet Fotos von sich im Bikini auf Instagram. Und ist gleichzeitig Lehrerin. Gute Güte!
04. September 2017

Morena Diaz zeigt sich auf ihrem Instagram-Profil ab und zu im Bikini. Das ist okay. Vor allem ist das okay, weil Diaz auf der Plattform auch als Body-Positivity-Aktivistin unterwegs ist. Mittlerweile folgen ihr dort über 63’000 Menschen. Die Kommentare unter ihren Bildern sind praktisch durchwegs positiv und die User*innen erzählen davon, wie Diaz ihnen hilft, ihren eigenen Körper besser zu akzeptieren. Diaz wurde in den SRF-Club eingeladen, wo ihr die Künstlerin Milo Moiré an den Karren fuhr. Sie spricht immer wieder in Radiosendungen über ihr Kernthema und berührt mit den Texten auf ihrem Blog tausende Leser*innen. That girl knows her shit. Ausserdem arbeitet die Bloggerin als Lehrerin und gibt ihr Wissen an ihre Schüler*innen weiter – und hilft so auch ihnen, ein gesundes Verhältnis zu ihrem Körper zu entwickeln. So weit, so fantastisch.

Being unapologetically myself. ❤️ __________________________________ www.m0reniita.com #jedentageinbisschenm0reniita

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Nun leben wir ja leider immer noch in einer Zeit, in der gerade eine junge Frau nicht selbstbestimmt mit ihrem Körper umgehen darf. Und wenn sie das tut, dann gibts eins aufs Dach. Focus.de etwa findet Diaz’ Bilder «freizügig» und «sexy» (kleine Sidenote, liebe Focus-Redaktion: Ein nicht vollständig angezogener Frauenkörper gibt euch noch lange nicht das Recht, ihn zu sexualisieren!), watson schreibt, Diaz ziehe sich auf Instagram aus (uninspiriertes Clickbait, aber immerhin gabs dann noch einen wohlwollenden Kommentar zur ganzen Sache) und in mehr als einer Headline wird gefragt, ob denn «eine Lehrerin solche Bilder von sich online stellen darf».

Fuck ja, natürlich darf sie das. Jetzt beruhigen wir uns alle mal eine Runde: Morena Diaz zeigt ihren Körper im Internet. Punkt. Aber sie schreibt auch darüber, wie sie mit einer Essstörung gekämpft hat und lässt so auch emotional die Hosen runter. Und ja, sie verdient mit ihrer Arbeit als Bloggerin und mit ihrer Reichweite auf Instagram auch noch Geld. Ha! Das ist heutzutage imfall ein Beruf, da können wir alle so viel rumnölen, wie wir wollen. Ferner posiert sie auf ihren Fotos nicht wie eine Sexmieze. Das wäre der einzige Punkt, den ich der Dinosaurier-Garde, die sich so grauenhaft über diese unflätigen Bilder aufregt, noch geben würde. Aber nein. Diaz macht charmante Fotos von sich, manchmal gestellt, manchmal nicht, und auf vielen davon sieht man ihr Bäuchlein.

Das macht sie zum Thema und damit erreicht sie vieles: Zum Beispiel, dass sich Teenie-Mädchen und -Jungs wohler fühlen in ihren Körpern, weil ihre Schüler*innen einen Social-Media-Profi vor sich haben. Gleichzeitig wird übrigens an Schulen im Kanton Aargau, in dem Diaz Schule gibt, noch darüber diskutiert, ob es denn nun WLAN brauche im Lehrer*innenzimmer oder nicht – und das ist in Zeiten der Digitalisierung Gold wert. Hätte ich ein Kind im Schulalter, ich würde wollen, dass es zu Morena Diaz in den Unterricht gehen darf. Denn Diaz ist nicht nur Body-Positivity-Aktivistin, sie zeigt uns auch, dass eine junge Frau gleichzeitig seriöse Lehrerin im Schulhaus und eine badass Aktivistin im Internet sein kann – und sich das nicht widersprechen muss. Ich denke, es gibt viele junge Menschen, die aus Diaz’ Unterricht hinauslaufen und von ihr viel mehr mitnehmen können als von anderen Lehrer*innen. Und die sich nicht gestört fühlen davon, dass ihre Lehrerin Bikinifotos auf Instagram hochlädt. Vielleicht schnallen das dann irgendwann auch die Dinosaurier unter uns.

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