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Dank Pokémon Go habe ich mich neu in Zürich verliebt

14. Juli 2016

Präsentiert von RIFFRAFF




20 Jahre habe ich gewartet, meinen Traum zu erfüllen – Jetzt ist es endlich geschehen: Ich bin Pokémon Trainer! Wer es noch nicht gehört hat: „Pokémon Go“ ist ein Spiel fürs Handy und bricht gerade ALLE Rekorde! Obwohl es in der Schweiz noch gar nicht erhältlich ist, wird es trotzdem von tausenden gespielt. Ich bin einer davon und ich liebe es!

Das Spielprinzip von Pokémon Go ist gleichermassen simpel wie revolutionär. Der Spieler erkundet seine Umgebung und fängt dabei wilde Pokémon – That’s it! Das geniale ist jedoch, dass du dich tatsächlich in der realen Welt befindest. Mithilfe von GPS wird der Standort des Spielers genauestens lokalisiert und plötzlich springen dich am Bahnhof Wiedikon flatternde Taubsis an! Die ganze Sache ist dann allerdings doch eeetwas komplizierter und birgt viele Geheimnisse – darum hier mein Erfahrungsbericht!






Tag 1 – Es beginnt

[caption id="attachment_8152" align="alignnone" width="634"]Schiggy oder Glumanda? Bestimmt nicht Bisasam! Schiggy oder Glumanda? Bestimmt nicht Bisasam![/caption]

Das Spiel beginnt mit der schwersten Entscheidung meiner Kindheit. Wie bereits bei der Ur-Version auf dem Game Boy muss sich der Spieler für ein Starter-Pokémon entscheiden. Da wären also: Glumanda, Schiggy und Bisasam. Ok, schwierig, schwierig, zu erst Mal aussortieren. LoL, Bisasam, geh weg, dich wollte schon in den 90ern niemand! Bleibt also das starke Glumanda und das coole Schiggy... Was solls, ich nehme Schiggy! Yes!!



[caption id="attachment_8155" align="alignnone" width="644"]2 Die Hardstrasse in der Kanto-Region?[/caption]

Nun soll ich einen Pokéstop besuchen. Ok... ehm... hä? Es gibt leider kein Tutorial und das Spiel erklärt dir gar nichts, deshalb ist während den ersten Augenblicken etwas Trial and Error gefragt. Pokéstops sind auf der Karte markierte Orte, wo du wichtige Items, wie zum Beispiel Pokébälle, bekommst. Ist man in der Nähe eines Pokéstops, wird das Symbol rund und man kann es mit dem Finger drehen, um die Items zu erhalten. Die Spots bestehen meist aus Statuen, Brunnen, aber auch aus Graffiti oder anderen Skurrilitäten. So verbringe ich also meine ersten Minuten damit, Pokéstops nach Items abzuklappern und muss mit erstaunen feststellen, dass schon ein ganzes Stück Weg hinter mir liegt und ich unbekannte Ecken meines Quartiers entdeckt habe. Ja schon lässig undso, aber wo bleiben jetzt die Pokémon?!



[caption id="attachment_8156" align="alignnone" width="644"]Nie mehr gemütlich spazieren gehen: Pokémon wimmeln überall. Nie mehr gemütlich spazieren gehen: Pokémon wimmeln überall.[/caption]

ZACK! Und schon greift mich ein Rattfratz an! Mein Puls steigt in die Höhe und ich weiss nicht was ich tun soll. Instinktiv werfe ich einen Pokéball auf die kleine, lila Ratte und fange sogleich mein erstes Pokémon. Das ist ja viel leichter, als gedacht und auch die nächsten Bekanntschaften bleiben problemlos. Traumato, der Psycho-Tapir, Zubat, die Gift-Fledermaus und viele mehr sind nun Mein! Ich spüre ein kribbeln in den Fingern, das ich auch schon als Kind hatte. Ich will mehr! Ich muss sie alle haben!






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Die verschiedenen Typen sind logisch auf der Karte verteilt. Gras-Pokémon sind vermehrt auf Wiesen, Wasser-Pokémon in der Nähe von Gewässern usw. In der unteren, rechten Ecke wird angegeben, welche Pokémon in deiner Nähe sind. Die Anzeige ist jedoch sehr vage gehalten und erinnert mich mehr an Schiffe versenken. Plötzlich taucht der Umriss eines Alpollo auf! Dieses Geist-Pokémon ist mir bis jetzt noch nicht begegnet und ich suche wie ein Spürhund danach. Ich scheine mich ihm zu nähern, mein Schritttempo nimmt zu. Bloss nicht verlieren, denke ich... Die Menschen um mich habe ich schon längst vergessen. Ich renne! Über dem Schachfeld schwebend, habe ich es gefunden und gefangen. Ohne es zu merken, lasse ich einen Freudenschrei raus.

Für Aussenstehende mag das alles albern wirken, aber dieser Moment war reine Magie. Pokémon war für mich und Millionen anderer ein essentieller Bestandteil der Kindheit. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich das Indigo Plateau betrat, um den finalen Kampf gegen die Top Vier zu bestreiten. Und jetzt, knapp 20 Jahre danach, finde ich ein Schiggy vor meiner Haustür! Die Technik hat sich weiterentwickelt, die Gefühle sind aber die gleichen. Mein neuentflammtes Buben-Herz brennt heiss! Jedoch nicht so heiss wie mein Handy, das durch das konstante GPS-Signal und dem Rumgetippe am krepieren ist... Für heute ist genug, ich brauche eine Pause.






Tag 2 – Turf Wars!

Neben den Pokéstops gibt es zusätzliche Arenen, die von den Spielern erobert werden können. Arenen sind deutlich seltener, als die Stops und finden sich meist an grossen Knotenpunkten oder bekannten Plätzen wie Hauptbahnhof, Lochergut, oder auch das Kino Uto XD. Hat man Level 5 erreicht, kann man um so eine Arena kämpfen, zuvor muss man sich jedoch einem Team anschliessen. Zur Auswahl gibt es: Team Rot, Team Blau und Team Gelb. Auch wenn Hardcore-Fans etwas anderes behaupten, eigentlich sind die Teams komplett gleich – trotzdem hassen sie sich bis aufs Blut! Das blaue Team ist weltweit das stärkste und auch in Zürich bilden sie die dominierende Fraktion. Rot folgt dicht und kämpft erbittert um die Machtposition. Da Gelb der Underdog ist, entscheide ich mich natürlich dafür! Gegen das Establishment undso... höhö.



[caption id="attachment_8160" align="alignnone" width="644"]Krieg den Palästen! Keine Okkupation wird tolleriert. Krieg den Palästen! Keine Okkupation wird tolleriert.[/caption]

In meiner Heimat beim Bullingerhof finde ich mich umzingelt von roten Arenen! Ein roter Unterdrückungsstaat ist das hier! Ich muss dem ein Ende setzen und zwar schnell. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion mach ich mich mit dem Velo auf meine Mission. Um eine Arena zu erobern, muss der angreifende Spieler alle gegnerischen Pokémon darin besiegen. Das Kampfsystem ist leider lange nicht so elaboriert, wie in den traditionellen Pokémon-Spielen und besteht nur aus simplem auf den Bildschirm tippen. Je schneller man tippt, desto schneller greift das Pokémon den Gegner an. Hat man alle Gegner erledigt, kann man die Arena besetzen und sein eigenes Pokémon als Bewacher einstellen. Klingt beknackt, ist es auch, aber es ist (bis jetzt) die einzige Möglichkeit, gegen andere Spieler zu kämpfen.

Systematisch erobere ich um den Albisriederplatz alle wichtigen Arenen und geniesse das gelbe Prestige! Mir fällt ein wildtippendes Päärchen auf und ich spreche sie an. Es sind polnische Touristen, beide etwa mitte Zwanzig, sie helfen mir, eine Arena zu erobern. Lustig, ich spreche sonst nie fremde Menschen an, doch es fühlte sich an, als hätten wir ein gemeinsames Geheimnis.

Ich will mehr! Ich ziehe meine Runden und entdecke beim Krematorium Sihlfeld eine Arena. Es ist still und etwas unheimlich, als ich mein Fahrrad durch die Baumallee stosse. Das monumentale Gebäude wird von zwei Sphingen am Eingang bewacht. Das hier ist wahrlich eine Arena, doch ich zögere lange und verlasse den Friedhof mit einem mulmigen Gefühl. Will ich überhaupt, dass die Pokémon alle Bereiche der realen Welt einnehmen? Berichten zufolge wurden sogar in Auschwitz ein Pokémon gefangen.






Tag 3 – Organisation und Alltag!

Am nächsten Morgen waren alle meine hart eroberten Arenen wieder weg. Gemein wurden sie unter Rot und Blau aufgeteilt und ich komme mir unglaublich doof vor! Während ich diesen Text schreibe, sah ich, wie eine Arena in meiner Nähe plötzlich Gelb wurde! Ich legte alles nieder, zog die Schuhe an und flitzte mit dem Fahrrad meinem Kameraden zu Hilfe! Kaum war ich zurück am Computer, war die Arena wieder rot.... Das geht so nicht weiter, dachte ich. Wenn Team Gelb so klein ist, dann müssen wir uns halt besser organisieren. Ich gründete eine Facebookgruppe und freute mich über zahlreiche, motivierte Mitglieder, die sich sofort anschlossen. Diese Woche schossen Pokémon-Gruppen in der ganzen Schweiz wie Pilze aus dem Boden. Die grösste darunter, Pokemon Go Schweiz - Community, umfasst knapp tausend Mitglieder! Es werden Erlebnisse geteilt, seltene Pokémon präsentiert und Treffen geplant. Es fühlt sich an wie auf dem Schulhof, alle sind begeistert, neugierig und unglaublich motiviert. Pokémon Go ist frisch und knackig. Es gibt kein Lösungsbuch, das man einfach nachspielen kann. Jede Region ist unterschiedlich und nur zusammen kann man Erfolge erzielen.



[caption id="attachment_8161" align="alignnone" width="644"]Nicht mal an der Redaktionssitzung ist man geschützt vor Pokémon... Redaktor Jonas (links im Bild) versucht ein Zubat zu fangen - Von Hand <3 Nicht mal an der Redaktionssitzung ist man geschützt vor Pokémon... Redaktor Jonas (rechts im Bild) versucht ein Zubat zu fangen - Von Hand <3[/caption]

Ich stelle mit Erstaunen fest, wie viele Menschen sich für Pokémon begeistern konnten. Sogar absolute Muffel, die das Spiel „Poke-Mongo“ nannten (sehr geistreich, Lina), streifen nun durch die Strassen von Zürich, sammeln Pokémon und erheben Machtansprüche auf ihr Territorium. Von einer technischen Perspektive ist das Spiel ehrlich gesagt ziemlich Mies... Der Akku wird ausgesaugt, das Handy glühend heiss und ständig fliegt man aus dem Programm raus. Und trotzdem... es ist etwas ganz Besonderes und ein völlig neues Erlebnis. Wenn ihr also Nachts jemanden hysterisch auf dem Handy tippen sieht, ist es wohl ein Pokemon Trainer und wahrscheinlich bin es sogar ich...

Wer nicht länger auf den Schweizer Launch warten kann, findet hier eine Anleitung zum Runterladen

Viel Spass!

https://www.youtube.com/watch?v=oZvDIxFlMZ8&ab_channel=MadameLingLing

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