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Bild: Elio Donauer

Corona-Krise: Was ist eigentlich mit unseren Wohnungsmieten?

Für viele Corona bedingte Probleme schafft der Staat Lösungen: Kredite, Kurzarbeit, Taggeld für Selbständige und so weiter. Nur die Wohnungsmieten wurden bisher nicht angefasst, doch der Druck nimmt zu.
02. April 2020
Chefredaktor

Die im Eiltempo gezimmerten Hilfspakete setzen an vielen Orten an, nur nicht an einem der grössten Kostenblöcke der Schweizer Haushalte: Der Miete. Die gesamte Wirtschaft ächzt unter der Corona-Krise, alle müssen mit grossen Verlusten rechnen. Die ganze Wirtschaft? Nicht ganz, jene Menschen und Unternehmen, die Wohnungen und Gewerbeflächen vermieten, verdienen weiterhin gutes Geld. Zwar rechnen einige institutionelle Vermieter*Innen wie die Swiss Life oder Mobimo bereits mit Ausfällen und das Gewerbe pocht darauf, dass Mieten erlassen werden.

Die Stadt Zürich geht mit positivem Beispiel voran und senkt auf Gesuch hin die Mieten der eigenen Gewerberäume, vorerst für den April. Dies entspricht den Forderungen des Mieterinnen- und Mieterverbands. Die Bar- und Clubkommission Zürich geht noch einen Schritt weiter und fordert ihre Mitglieder dazu auf, ab dem 1. April keine Mieten mehr zu zahlen. Und was macht der Bund für die Wohnräume? Bisher nicht viel, ausser die Zahlungsfrist für Mieten auf 90 Tage zu verlängern und eine Taskforce zu gründen.

Gemäss Bundesamt für Statistik sind 56 Prozent der Personen in der Schweiz Mieter*innen. Diese Menschen wenden im Schnitt 14.7 Prozent ihres Haushaltsbudgets für die Miete auf. Nachdem fixe Kosten wie Steuern, Krankenkassen u.ä. abgezogen sind, steigt der Anteil der Miete sogar auf 21 Prozent.

Der Druck, auch dieses Problem in der Corona-Krise zu lösen, nimmt zu. In kleineren Gruppen formieren sich Aktivist*innen, welche zum Mietstreik, also zum gemeinsamen Nicht-Zahlen der Miete, aufrufen. Insbesondere Mieten an juristische Personen, also Firmen, sollen nicht mehr bezahlt werden.

Die Stadt Zürich teilt auf Anfrage mit, es sei nicht vorgesehen, «Mietzinsreduktionen auf städtische Wohnungen auszudehnen». Dazu bestehe derzeit kein Anlass, wie eine Umfrage in den Bewirtschaftungsteams gezeigt habe. «Bis anhin hat sich nur rund ein gutes Dutzend Mietparteien (bei 9200 vermieteten Wohnungen) gemeldet, die wegen Corona-Anordnungen finanzielle Probleme haben». Diese Mietparteien würden nun mit der Sozialversicherungsanstalt (SVA) über finanzielle Unterstützung verhandeln, teilweise erfolgreich.

Der Hauseigentümerverband (HEV), welche viele private Eigentümer*innen vertritt, schreibt auf Anfrage, die Corona-Krise sei kein «Mangel der Mietsache», weshalb eine Reduktion des Mietzinses nicht rechtens sei. Obwohl der Mieterinnen- und Mieterverband Zürich (MV) anderer Meinung ist und dem Bundesrat vorwirft, vor der Immobilienlobby zu kapitulieren, ruft er nicht zum Mietstreik ein. Der MV versucht, in der «Taskforce des Bundes, bessere Lösungen zu erzielen».

Einfach nur die Mieten zu stunden, also zu erlauben, dass später bezahlt werden darf, bezeichnet der MV gegenüber Tsüri.ch als «unhaltbar». Die Mieter*innen sollen den Forderungen der Immobilienlobby Grenzen setzen. «Die Corona-Krise hat in aller Deutlichkeit bestätigt, wie dringlich dieser Wandel ist.»

Die Taskforce des Bundes, welche am 25. März zum ersten Mal tagte, hat die Diskussion um die Miet-Frage richtig lanciert. Die Ankündigung eines Mietstreiks könnte zusätzlichen Druck auf die Vermieter*innen aufbauen. Was und ob überhaupt etwas Zählbares für die Mieter*innen rausspringt, ist darum noch nicht klar.


Was denkst du? Sollen wir alle in den Mietstreik treten? Hast du wegen Corona Mühe, deine Miete zu bezahlen?

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