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Collaboration Booster: «Wir lernen mit jeder Reflexion dazu»

Gute Zusammenarbeit, das kann doch nicht so schwer sein! Mit der richtigen Haltung und den passenden Werkzeugen stimmt das auch. Gib deiner Art, wie du gemeinsam mit anderen Grossartiges schaffst, einen Boost. In der Kolumne von Nadja Schnetzler geht es heute um Reflexion, denn diese ist in der Zusammenarbeit enorm wichtig.
26. März 2021
Kolumnistin / Collaboration Booster

Es gibt kaum ein Vorbereitungsgespräch mit Teams, die ich auf der Reise zu noch besserer Zusammenarbeit begleite, das seit dem Start der Pandemie nicht mindestens einmal eine Aussage in die folgende Richtung enthält:

«Vielleicht sollten wir diesen Workshop / dieses Seminar / diese Auszeit besser erst durchführen, wenn Corona Geschichte ist.»

Nein, bitte nicht verschieben!

Reflexion über die eigene Arbeit ist Bestandteil der Arbeit und sollte nicht verschoben werden. Denn das rächt sich. Wir brauchen die Reflexion über unsere Zusammenarbeit genauso sehr, wie wir die Zusammenarbeit selbst brauchen. Und wenn wir dem einen mehr Bedeutung zumessen als dem anderen, verpassen wir wichtige Chancen, unsere Zusammenarbeit regelmässig und mit Leichtigkeit immer weiter zu verbessern.

Eine Künstlerin räumt ihr Atelier nicht einmal im Jahr auf, sondern jede Woche. Ein Athlet lebt nicht vom Wettkampf, sondern vor allem vom Training. Eine Sterneköchin schleift ihre Messer in einem bestimmten Rhythmus und kein Pianist würde sagen, dass Fingerübungen etwas sind, auf das man getrost verzichten könnte.

Nur wenn wir genauso regelmässig wie diese Berufsleute darüber nachdenken, wie wir zusammenarbeiten möchten und wie wir Zusammenarbeit so gestalten können, dass alle optimal mitwirken können, lernen wir dazu und können unsere Zusammenarbeit Schritt für Schritt noch besser machen, also unsere eigentliche Arbeit noch besser ausführen.

In meiner Erfahrung ist die ideale Form, über Arbeit zu reflektieren, ungefähr so zusammengesetzt:

1. Wir nehmen uns etwas vor, definieren ein Etappenziel dafür und gehen ein «Commitment» dafür ein.
Zum Beispiel: «In den nächsten drei Tagen wollen wir einen ersten Prototypen für unser Produkt gebaut haben, das wir unseren Kund*innen zeigen können und worauf sie uns Feedback geben können.»

Nadja Schnetzler
Nadja Schnetzler (47) begleitet Teams auf dem Weg zu exzellenter Zusammenarbeit. Sie befasst sich seit über 30 Jahren intensiv mit den Themen Innovation, Kollaboration und Agilität und zählt Organisationen aller Branchen zu ihren Kunden. Nadja ist Mitgründerin der Ideenfabrik BrainStore und der Republik. Ihr neustes Projekt heisst «Generation Purpose» und befasst sich mit dem innersten Antrieb von Menschen und Organisationen.

2. Wir arbeiten als Team auf das Ziel hin und nutzen alles Wissen und Können in der Gruppe, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.
Zum Beispiel: Jeden Morgen um 9 treffen wir uns auf Zoom, diskutieren, was es zu tun gibt und organisieren uns als Gruppe. Immer um 16 Uhr treffen wir uns nochmal und besprechen, was wir geschafft haben und wo wir morgen dranbleiben. Eine Person agiert als «Facilitator» und unterstützt das Team dabei, gut zusammen zu arbeiten.

3. Am dritten Tag um 16 Uhr ist unser Prototyp fertig und wird einer Gruppe von Kund*innen präsentiert, die ihr Feedback geben. Wir notieren das Feedback.

4. Am vierten Tag treffen wir uns zu einer Reflexion (manche nennen das auch «Retrospektive») und reden darüber, was in dieser Arbeitsetappe gut lief, was nicht so gut lief, was wir gelernt haben und was wir an unserer Zusammenarbeit in der nächsten Etappe verbessern könnten.

Mit anderen Worten: Am Produkt arbeiten und über die Zusammenarbeit nachdenken wechseln sich rhythmisch ab. Wir machen nach jeder Etappe einen kleinen Zwischenstopp, der uns dabei hilft, darüber nachzudenken, wie unsere Zusammenarbeit funktioniert und was wir daran verbessern möchten.

Gerade in Zeiten, wo die Zusammenarbeit anspruchsvoll ist, sollten wir diese Arbeits- und Relexionsschlaufen engmaschiger gestalten. Denn mit jeder Etappe und jeder Reflexion werden wir geschmeidiger, lernen dazu und können in kleinen Schritten Anpassungen vornehmen.

Wenn wir uns nur einmal im Jahr zu einer Auszeit treffen oder das Ganze gar bis «nach Corona» verschieben, verpassen wir die Chance, den «Zusammenarbeitsmuskel» ganz selbstverständlich und ganz regelmässig zu trainieren. Und wenn wir uns dann endlich Zeit dafür nehmen, hat sich eventuell schon sehr viel angestaut, das mit einem regelmässigen Rhythmus leicht und lässig hätte behoben werden können.

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