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Collaboration Booster: Die Veränderung als Tanzlehrerin

Gute Zusammenarbeit, das kann doch nicht so schwer sein! Mit der richtigen Haltung und den passenden Werkzeugen stimmt das auch. Gib deiner Art, wie du gemeinsam mit anderen Grossartiges schaffst, einen Boost. Die Kolumne von Nadja Schnetzler Heute: Die Unsicherheit als Tanzlehrerin.
16. Mai 2020
Kolumnistin / Collaboration Booster

Auf nichts, aber auch gar nichts ist zurzeit Verlass. Unsere Pläne für die Zukunft wurden und werden vom Corona-Virus gründlich über den Haufen geworfen. Doch anstatt uns davon entmutigen zu lassen, können wir – zumindest was gute Zusammenarbeit betrifft – in dieser Phase etwas lernen, was uns sowieso nützt: In kleinen Schlaufen arbeiten und damit die ständige Veränderung nicht als Partycrasherin betrachten, sondern eher als Tanzlehrerin.

Die allermeisten von uns haben gelernt, einen soliden Plan zu schmieden und diesen dann mehr oder weniger so wie geplant umzusetzen. Ein schönes Excel-File, an dem wir uns gut festhalten können, war dabei oft unser treuer Begleiter. Nun sind all diese Excel-Files nur noch bits und bites, die wir entweder mühsam überarbeiten oder ganz streichen müssen, aber in jedem Fall relativ wertlos gewordene Dokumente, die viel Zeit gekostet haben.

Was würde passieren, wenn wir Veränderung, ständig wechselnde Erkenntnisse, täglich neue Informationen und Szenarien von worst bis best case nicht als notwendiges Übel anschauen, sondern als ganz selbstverständliche Bestandteile jedes Projekts und jedes Vorhabens?

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Dass sich ständig alles verändert und wandelt, ist nämlich nicht nur seit der Corona-Krise so, jetzt ist es einfach besonders stark spürbar. Doch die Welt wird seit vielen Jahrzehnten stets etwas komplexer, und Komplexität lässt sich schwer mit einem Plan bändigen. Wenn wir ganz ehrlich sind, liessen sich auch viele Pläne vor der Corona-Krise nicht genau so umsetzen, wie wir es uns vorgenommen hatten, sondern brauchten immer mehr oder weniger aufwändige Anpassungen und Kurskorrekturen.

In komplexen Umfeldern, das wissen wir aus der Komplexitätsforschung, bringt uns folgende Strategie am schnellsten vorwärts: Experimentieren – Erkenntnisse sammeln – entsprechend reagieren, also den Kurs anpassen oder ein nächstes Experiment definieren.

Die Experimente sind am besten von der Frage geleitet: «Was können wir jetzt, zum Beispiel in den nächsten drei Wochen tun und erschaffen, was uns und denen um uns herum (zum Beispiel unseren Kundinnen, unseren Kollegen oder unseren Geschäftspartnern) hoffentlich nützt?» Oder «Welchen Wert können wir in kurzer Zeit schaffen, den wir anbieten, ausliefern oder weiter nutzen können»?

Wer so arbeitet, muss die Veränderung nicht als feindliche Kriegerin betrachten, sondern kann sie zur Tanzpartnerin machen.

Am Ende einer solchen Schlaufe können wir dann testen, ob das, was wir kreiert haben, wirklich nützlich ist, gut ankommt und verstanden wird oder ob die Rückmeldung uns in eine neue Richtung weist.

Wer so arbeitet, muss die Veränderung nicht als feindliche Kriegerin betrachten, sondern kann sie zur Tanzpartnerin machen, die am Ende jeder Schlaufe die neue Richtung und Choreografie weist, unseren Kurs korrigiert, uns einen neuen Move zeigt oder uns vielleicht sogar eine ganz neue Stilrichtung beibringt.

Ein weiterer grossartiger Nebennutzen einer solchen Arbeitsweise ist, dass wir nicht nur viel darüber lernen, was wirklich Wert schafft und was nur Nebengeräusch ist, sondern dass wir auch viel über unsere Zusammenarbeit als Gruppe lernen und verstehen können. Nach jeder Schlaufe können wir nicht nur den Kurs unseres Outputs so korrigieren, dass wir mehr Wert schaffen und zudem die Veränderung mitberücksichtigen können, wir können auch unsere Zusammenarbeit am Ende jeder Schlaufe kritisch hinterfragen und für die nächste Schlaufe anpassen und so gemeinsam lernen und uns zu einem tollen Team weiter entwickeln.

Nadja Schnetzler
Nadja Schnetzler (47) begleitet Teams auf dem Weg zu exzellenter Zusammenarbeit. Sie befasst sich seit über 30 Jahren intensiv mit den Themen Innovation, Kollaboration und Agilität und zählt Organisationen aller Branchen zu ihren Kunden. Nadja ist Mitgründerin der Ideenfabrik BrainStore und der Republik. Ihr neustes Projekt heisst «Generation Purpose» und befasst sich mit dem innersten Antrieb von Menschen und Organisationen.

Probiert es mal so aus: Anstatt dass ihr einen Plan, ein Projekt oder ein Vorhaben, das wegen Corona vertagt, gestrichen oder adaptiert werden musste, von A bis Z neu plant, definiert mal nur die allernächste, sinnvolle Etappe (nicht länger als vier Wochen) und überlegt euch, was ihr in dieser Etappe kreieren wollt, das am Schluss von jemandem getestet werden kann. Und mit dem Feedback auf dieses Ergebnis plant ihr dann die nächste Schlaufe, aber nicht, ohne zuerst eure Tanzlehrerin – die Veränderung – zu fragen, welche Choreografie für die nächste Schlaufe wohl die beste ist.


Wenn du Lust hast, mir zu schreiben, was dich beim Zusammenarbeiten mit anderen immer wieder beschäftigt, dann kannst du das hier tun. Wer weiss, vielleicht schafft es dein Anliegen ja in die nächste Kolumne!

Die Kolumnen auf Tsüri
Jeden Samstag erscheint mindestens eine neue Kolumne, manchmal sogar zwei. Damit wollen wir dir Einblicke in andere Leben geben, dich inspirieren, anregen und vielleicht auch mal aufregen. Unsere Kolumnist*innen diskutieren gerne mit dir in den Kommentaren. Seid lieb!

– Die Feminismus-Kolumne von Pascale Niederer & Laila Gutknecht Co-Gründerinnen von «das da unten».
– Die Collaboration-Booster-Kolumne von Nadja Schnetzler, Co-Gründerin von Generation Purpose.
– Die Papi-Kolumne von Antoine Schnegg, Co-Gründer seines Kindes.
– Die Sans-Papiers-Kolumne von Licett Valverde, frühere Sans-Papiers.
– Die Food-Kolumne von Cathrin Michael, Food-Bloggerin.
– Die Veganismus-Kolumne von Laura Lombardini, Geschäftsführerin der Veganen Gesellschaft Schweiz.

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