Alle Fotos: Cathrin Michael

Chugelrundi Chriesichüechli

Cathrin Michael liebt es, mit einem Glas Wein und einem Teller Pasta auf das Leben anzustossen. Für Tsüri.ch tüftelt die Texterin jeden Monat ein feines, saisonales Rezept aus. Im Juni gibt es vegane Chüechli mit Chriesi und Johannisbeeren.
27. Juni 2020
Food-Kolumnistin

Wir machen heute chugelrundi Chriesichüechli. Mein WG-Gspänli meinte: «Die sind ja gar nicht rund, sondern oval». Und die Schwester rief: «Wenn schon, dann sind sie kreisrund.» Recht haben sie ja beide und doch beharre ich auf diesem schönen Titel. Wer ihn drei Mal laut ausgesprochen hat, darf weiterlesen.

Das Rezept lehnt an die traditionelle Galette an, die aus der Bretagne stammt und einen Buchweizenpfannkuchen beschreibt. Sie ist die herzhafte Variante der Crêpe. Und herzhaft fand ich schon immer spannender als süss. Geröstete Salzmandeln haben bei mir Vorrang vor überzuckerten Schoggiguetzli. Es sei denn, vor mir liegt eine Tafel «Bean to Bar Colombia 77% Limited Edition von Taucherli» mit knackigen Kakaostückli, die Kai und sein Team in ihrer Manufaktur in Adliswil herstellen. Wer Kai schon mal zugehört hat, wenn er von seiner Schokolade und den Geschichten dahinter erzählt, dabei strahlt wie verrückt und die Details der Herstellung mithilfe seiner Tattoos am Unterarm erklärt, der*die kann einfach nicht anders, als sofort in die Tafel zu beissen. Dass er zu den besten Chocolatiers gehört und mit seinen Qualitätstafeln international wichtige Preise abräumt, erwähnt er nur in einem Nebensatz. Jedes Täfeli ein Hochgenuss, sag ich dir, und sorgfältigstens rationalisiert in unserer WG.

Alors, wir sind kurz abgeschweift, weil Schoggi. Trotz meiner Vorliebe für Salziges habe ich mich hier für eine süsse Variante der Galette entschieden, weil ich einfach nicht widerstehen konnte, als ich die Bio-Hochstamm-Chriesi im Newsletter von Crowd Container entdeckt habe. Ja, nochmals so eine gute Sache, die ich mit euch teilen will!

Die Chriesi von Crowd Container, die Johannisbeeri aus dem Garten.

Gemeinsam mit Kleinbäuer*innen aus drei Kontinenten stellt Crowd Container den Lebensmittelhandel auf den Kopf. Auf der Webseite steht: Die industrielle Landwirtschaft laugt Böden aus und belastet das Klima. Riesige Monokulturen heisst: mehr vom Gleichen zu unverschämt tiefen Preisen. Bei diesem «race to the bottom» bleiben Kleinbetriebe auf der Strecke. Wer bei Kleinbäuer*innen einkauft, zeigt dem Grosshandel die rote Karte und rettet mit den Bauernhöfen auch die Vielfalt unserer Ernährung.

Macht Sinn, oder? Je weniger ich im Supermarkt einkaufe und umso öfter auf den Markt oder in kleine Quartierläden gehe und eben solche Angebote wie von Crowd Container nutze, desto mehr schätze ich mein Essen und die gute Qualität. Wer schon einmal das letzte bisschen Dreck vom Demeter-Rüebli geschabt und dann reingebissen hat, weiss, warum die Velofahrt zum Wochenmarkt sich immer lohnt. Auch bei Regen übrigens, dann sind erst noch die Warteschlangen etwas kürzer. Auf jeden Fall gibt's da draussen so viel mehr zu entdecken, wenn man statt Massenware im Supermarktregal eben fair angebaute und saisonale Lebensmittel, am besten aus der Region, kauft.

Die von Hand gepflückten Bio-Hochstammkirschen sind auf dem Riedackerhof gewachsen. Gleich nachdem der Produzent Christoph Rickenbach von den hohen Leitern steigt, bringt er die Kirschen nach Zürich, wo du sie abholen kannst. Eine Freundin hat dieselben Kirschen abgeholt und sie in einer fantastisch aussehenden Wähe verbacken. Sie meinte jedoch zu mir im Instagram-Chat, dass sie die Säure etwas vermisst habe. Darum habe ich in diesem Rezept noch Johannisbeeren dazu genommen. Praktischerweise wachsen sie bei meinem Vater im Garten en masse. Und das ging sehr gut auf, mit dem Süsse-Säure-Verhältnis. Der Teig ist schön mürbe, die Füllung frisch und das Resultat dank den säuerlichen Beeren eben nicht zu süss.

Diese Chriesi-Galetten sind übrigens vegan und nähme man ausschliesslich Buchweizenmehl, wären sie sogar glutenfrei. Dann könnten sie aber ziemlich zerbrechlich werden – einfach etwas vorsichtiger backen dann, s'il-vous-plaît. Und ja, diese Wortkreation musste ich tatsächlich rasch googeln. Pardon, liebe Französischlehrerin.

Chugelrundi Chriesichüechli

ZUTATEN

ergibt 6 vegane Galetten

Für den Teig

  • 150 g Buchweizenmehl
  • 150 g Weissmehl
  • 1 Prise Salz
  • 150 g Margarine (Butter geht auch)
  • 120 ml eiskaltes Wasser
  • 5 EL Zucker

etwas zusätzliches Mehl für das Auswallen später

Für die Füllung

  • 150 g Seidentofu (Ricotta geht auch)
  • Saft einer halben Zitrone
  • 1/2 Päckchen Vanillezucke

Zum Belegen

  • 2 Handvoll Chriesi
  • 2 Handvoll Johannisbeeren

Puderzucker zum Servieren.

ZUBEREITUNG

Die Zutaten für den Teig in einer Schüssel gut vermischen. Das geht am besten mit den Händen, dann merkst du auch, wenn du alle Margarinen-Stückli eingearbeitet hast. Übrigens: Margarine gibt's mittlerweile auch ohne Palmöl und schmeckt ganz anständig. Butter ist einfach göttlich – mais oui – aber verbraucht leider auch enorm viele Ressourcen in der Herstellung. Darum probiert's doch einfach mal mit Margarine. Der Teig fühlt sich relativ feucht an, das ist ok so. Für eine Stunde in den Kühlschrank stellen.

Für die Füllung Seidentofu, Zitronensaft und Vanillezucker in eine Schüssel geben und mit dem Pürierstab gut mixen.

Die Johannisbeeren und Kirschen waschen. Dieses Rezept funktioniert auch mit allen anderen Beeren, Aprikosen, Feigen... Erstere stüdelen, zweite entsteinen oder erst halbieren und dann den Stein entfernen.

Den Ofen auf 190 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen. Den gekühlten Teig in sechs Stücke teilen und auf einer bemehlten Arbeitsfläche mit dem Wallholz oder einer stabilen Glasflasche auswallen. Rund, oval, kugelrund – mach, was du willst. Der Teig sollte so drei, vier Milimeter dick sein. Arbeite vorsichtig, da er schnell reisst. Viel Mehl am Wallholz und auf der Arbeitsfläche ist dein Freund. Nun gibst du auf jeden Teigfladen ein, zwei Löffel der Füllung – spare aber überall einen Rand von circa 3 cm aus. Verteile die Früchte darauf und klappe den Teigrand Richtung Mitte. Nicht ganz zudecken, schliesslich wollen wir die schönen Früchte noch sehen.

Nun kommen die Galetten – ich musste sie auf zwei Blechen backen – in die Ofenmitte für ca. 20 bis 25 Minuten. Wenn der Rand knusprig und leicht bräunlich aussieht, sind sie fertig.

Etwas abkühlen lassen, mit Puderzucker bestäuben und servieren. Dazu passt eine Kugel Sauerrahmglacé oder Nicecream. Dazu einfach ein paar gefrorene Bananenscheiben mit dem Mixer oder Pürierstab mixen und du hast das beste Glacé.

Bon appétit, meine Lieben!

Cathrin Michael
Cathrin Michael arbeitet selbständig und schreibt am liebsten übers Essen. Ihre Rezepte hält sie auf gnüsse.ch. fest. Der Blogname ist Programm und der Weg zum Glück, findet sie. Um gemeinsam mit anderen noch mehr Food-Geschichten zu schreiben, hat sie die Agentur kollektif.ch. mitgegründet. Für Tsüri.ch tüftelt sie jeden Monat ein feines, saisonales Rezept aus.
Die Kolumnen auf Tsüri
Jeden Samstag erscheint mindestens eine neue Kolumne, manchmal sogar zwei. Damit wollen wir dir Einblicke in andere Leben geben, dich inspirieren, anregen und vielleicht auch mal aufregen. Unsere Kolumnist*innen diskutieren gerne mit dir in den Kommentaren. Seid lieb!

– Die Feminismus-Kolumne von Pascale Niederer & Laila Gutknecht Co-Gründerinnen von «das da unten».
– Die Collaboration-Booster-Kolumne von Nadja Schnetzler, Co-Gründerin von Generation Purpose.
– Die Papi-Kolumne von Antoine Schnegg, Co-Gründer seines Kindes.
– Die Sans-Papiers-Kolumne von Licett Valverde, frühere Sans-Papiers.
– Die Food-Kolumne von Cathrin Michael, Food-Bloggerin.
– Die Veganismus-Kolumne von Laura Lombardini, Geschäftsführerin der Veganen Gesellschaft Schweiz.

Alle Kolumnen findest du hier.

Kommentare

Nöd Jetzt!