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5 Schritte zur Eskalation: Darum wurden die ZHdK-Wände bemalt

07. Juni 2016
Chefredaktor


Es geht um Zensur, künstlerische Aneignung und studentische Auflehnung gegen die Strukturen an einer Kunsthochschule. Hinter den bemalten Wänden an der ZHdK im Toni-Areal steckt viel mehr, als der erste Blick erahnen lässt.

1. Aneignung Toni-Areal

Während mehreren Monaten erarbeitete die Arbeitsgruppe Aneignung Toni-Areal ein Konzept, wo und wie die Studierenden der ZHdK das Toni-Areal gestalten und bespielen dürfen. Die Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der Kunsthochschule und Studierenden, präsentierte im April ein Konzept: Dieses sieht vor, dass die meisten Wände im Toni frei gestaltet werden können, sofern Türen und Fenster unversehrt bleiben und die feuerpolizeilichen Bestimmungen eingehalten werden. Ebenfalls ausgenommen sind die Wände im Eingangs- und Hauptbereich der Schule.

2. Die Wandzeitung

Diese neu gewonnene Freiheit nutzte ein Student für seine Semester-Arbeit und kleisterte einen Mailverkehr mit der Schulleitung an die weisse Wand eines Ganges. Darin ging es um eine Diskussion betreffend Neustrukturierung eines Studienganges, worüber seit Monaten intensivst debattiert wird.

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Keine 24 Stunden nachdem die Wandzeitung geklebt wurde, entfernte diese der Sicherheitsdienst des Toni-Areals. Begründung: Keine. Anmerkung: «Brandschutztechnisch richtig ausgeführt»

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Der betroffene Student fühlte sich seiner Freiheit und seines Kunstwerkes beraubt. Seine Argumentation: Nach Artikel 15 des Urheberrechtsgesetzes dürfe die ZHdK sein Werk nicht ohne Zustimmung entfernen, auch wenn die Wand der Schule gehört. Einen ähnlichen Fall gab es vor 11 Jahren in Oerlikon.

Die Schule ihrerseits blieb nicht untätig und publizierte ein neues Reglement, wie und wo die Wände im Toni-Areal gestaltet werden dürfen. Wichtigster Unterschied gegenüber dem alten Dokument: Die bekleisterte Wand gehörte zur Sperrzone. Ob das Dokument bei der besagten Tat bereits publiziert wurde, wird bezweifelt. Datiert ist es auf zwei Tage davor.

4. Eskalation

Diese Ereignisse vom 19. bis 23. Mai heizten den Unmut der Studierenden der ZHdK an. Erst freuten sie sich, endlich mit offizieller Erlaubnis die als steril empfundenen weissen Wände zu bespielen, durch die Zensur der Wandzeitung und die Änderung des Reglements fühlten sie sich hintergangen und ausgespielt.

Infolge dieses Streits soll es zu Beginn dieser Woche zu den Bemalungen im 7. Stock gekommen sein. Diese missachten teilweise die erlaubten Zonen und erzürnen darum die Leitung der ZHdK.




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5. Nachspiel

Die Schulleitung spricht in einem Mail an alle Studierenden der ZHdK von Vandalismus und kündigte Massnahmen und Konsequenzen für die Studierenden an. Zwischen den Zeilen scheinen die Verantwortlichen über Strafanzeigen nachzudenken.

Zusätzlich werden die bemalten Wände bis zur Diplomfeier vom Donnerstag mit weisser Farbe überstrichen. Auch jene, die gemäss Reglement frei bespielbar wären.

Der Studierendenrat SturZ bemängelt in einer Mitteilung die «verschiedenen und inkonsequenten Kommunikationswege» betreffend die freie Bespielung bestimmter Zonen.

Dieses Katz-und-Maus-Spiel ist nur eines von vielen Beispielen, das die Verwerfungen innerhalb der Hochschule und zwischen den Departementen illustriert. Besonders im Departement Kunst & Medien kritisieren Studierende und Dozierende seit Langem die immer starrer werdenden Top-Down-Strukturen der ZHdK.

Die ZHdK wollte gegenüber Tsüri.ch kein Statement abgeben.

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