Crowdfunding

Foto: Crowdfundingvideo

Carla Opetnik: «Ich habe von Zürich viel Liebe zurückbekommen»

Carla Opetnik liebt Zürich. So sehr, dass sie die Geschichten von 20 Stadtkindern gesammelt und unter dem Titel «Geliebtes Zürich» herausgegeben hat. Die 29-Jährige ist ausserdem das Gesicht hinter der beliebten Facebook-Gruppe «Will öpper...?». Tsüri.ch traf die Kunstvermittlungsstudentin am Crowdfunding-Event ihres zweiten Buches.
03. November 2020
Praktikantin Redaktion

Pünktlich um 20 Uhr geht am letzten Donnerstag das Crowdfunding zu «Geliebtes Zürich 2» online. Es sind neue Geschichten von Stadtfrauen und Stadtmännern, die auf nachhaltigem Papier zum Leben erweckt werden sollen. Die Erzählungen erfüllen wie bereits im ersten Teil folgende drei Kriterien: Sie spielen sich an verschiedenen Orten in Zürich ab; diese sind öffentlich zugänglich und nicht konsumorientiert. Der Vorläufer dieses Buches ist das Produkt von Carlas damaliger Maturaarbeit. Die Idee dazu schwirrte ihr schon lange zuvor im Kopf herum.

Ein Stadtführer fürs Herz

«Ich war mal in Nizza in den Ferien», beginnt Carla zu erzählen. Dort hielt sie einen wunderschönen Stadtführer in den Händen. Dieser führte sie in noch schönere Läden, aber zeigte ihr nicht das Herz von Nizza. Carla wurde bewusst: Sie wollte einen Stadtführer gestalten, der von Herz zu Herz geht. Die Leser*innen sollen sich in den zusammengetragenen Geschichten verlieren und wiederfinden. Sei es der erste Kuss, den man in Zürich erlebt hat, oder die Erinnerung an eine tolle Partynacht: «Egal wie lange man in Zürich lebt, es gibt immer etwas Neues zu entdecken», meint Carla begeistert. Sie will die Menschen dazu ermutigen, Touris in der eigenen Stadt zu werden und dadurch neue Gassen zu entdecken; das Lernen von neuen Dingen halte die Menschen jung. Da sich Reisen ins Ausland aufgrund Corona sowieso schwieriger gestalten, trifft Carla mit ihrem Stadtführer gerade den Nerv der Zeit.

Geschichten aus dem Leben

Die Geschichten der ersten Ausgabe sind die von Familie und Freund*innen. «Oder von Leuten, die ich in einem Café angequatscht habe», sagt Carla lachend. In «Geliebtes Zürich 2» schickten jedoch auch Fremde ihre Geschichten ein. Ihre Lieblingsgeschichte aus dem ersten Band will sie zunächst nicht verraten. «Das wäre gemein!», grinst sie. Schliesslich liest sie jedoch vor:

Unsere Säule
Damals, frisch verliebt und blutjung rannten wir mindestens einmal drum herum. Jedes Mal. Ob gehend, rennend, fliegend, veloschiebend, mit verwirrten Begleitern oder Huckepack. Immer ausnahmslos.

Maeva

«Die Geschichte ist so kurz, aber doch so bildhaft!», sagt Carla und schnipst zur Bestärkung mit den Fingern.

Für ihre Offenheit liebt Carla die Zürcher*innen. Als sie vor zehn Jahren von Olten in die Limmatstadt zog, liess sie sich voll und ganz auf Zürich ein. Sie baute sich hier eine Community auf und fand Freund*innen, die auf ihre Art und Weise dasselbe tun. Carla findet das sehr inspirierend.

Wie man in den Wald hineinruft…
Carla

Einmal nachhaltigen Buchdruck bitte

Carlas zweites Buch entstand während dem Corona-Sommer. Vor einem Jahr, als ihr erstes Werk entstand, war ihr alles neu. Dabei lernte sie eine wichtige Lektion: «Man muss keine Angst haben, Fragen zu stellen».

Wie auch schon bei der ersten Ausgabe arbeitet sie mit einer Druckerei in Langnau im Emmental zusammen. Deren Credo: Drucken, wie die Natur drucken würde. Hier wollte Carla keine Kompromisse eingehen.

Mehr Nachhaltigkeit mit «Will öpper...?»

Seit dreieinhalb Jahren versucht Carla, möglichst «Zero Waste» zu leben. So zu leben sei wie ein Berg, den man zunächst erklimmen muss, mit der Zeit werde der nachhaltige Lebensstil aber immer einfacher, man lerne die richtigen Leute und Orte kennen; es sei ein Lernprozess. Zahlreiche Medien, unter anderem das SRF, haben sie zu diesem Thema porträtiert. Carla ist sehr grün unterwegs, fliegt wenig. Sie sucht nach Möglichkeiten, noch grüner zu leben und zeigt dabei auf ihr altes iPhone. Apropos grün: Carlas Lieblingsort in Zürich ist der alte botanische Garten. Ihre Oase im hektischen Stadtleben.

Mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit im Hinterkopf gründete Carla 2017 die Facebook-Gruppe «Will öpper...?»; das Pendant zu der Gruppe «Hät öper...?», welche von einer Freundin von Carla ins Leben gerufen wurde. «Will öpper...?» wächst rasant und zählt momentan über 8'000 Mitglieder. Carla hätte nie mit diesem Ansturm gerechnet; sie erzählt gerührt, dass sie sogar auf der Strasse angesprochen wird mit: «Dank deiner Gruppe konnte ich meine ganze Wohnung einrichten». Mittlerweile gibt es zwölf weitere regionale «Will öpper...?»-Gruppen. Carla findet es schön, dass das gesellschaftliche Interesse an Nachhaltigkeit wächst.

Vielseitig interessiert

Carlas Kreativität kennt praktisch keine Grenzen: «Ich singe gerne und spiele Gitarre und Klavier», erzählt sie. Eine Zeit lang hat sie intensiv Sport betrieben und Gewichte gehoben. Wenn sie nicht gerade die Schulbank in der ZHdK drückt, um später Kunstlehrerin zu werden, gibt die gelernte Schneiderin zusammen mit Freund*innen Manuflicktur-Workshops oder flechtet Zopffrisuren. Heute hat Carla jedoch keinen Zopfchopf, ihre braunen Haare mit den grünen Spitzen stecken unter einer pinken Cap.

Einmal im Monat verschickt sie per SMS einen Newsletter, indem sie auf saisonale Gemüse und Früchte aus dem Bio Suisse Saisonkalender aufmerksam macht. Den Abend lässt Carla in der Regel mit einem selbst aufgenommenen Podcast ausklingen; ihren Zuhörer*innen liest sie hier aus dem Buch The Daily Stoic vor.

Carla möchte ihre Aufmerksamkeit momentan ihrem Studium und natürlich ihrem Buch widmen. Die Ideen und damit die nächsten Projekte werden ihr aber vermutlich nie ausgehen. «Ich habe viel Energie», schmunzelt Carla.


Hier kannst du «Geliebtes Zürich 2» unterstützen.

Hier kannst du in Carlas Welt eintauchen.


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