Von Seraina Manser

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9. Januar 2022 um 07:39

Aktualisiert 10.01.2022

Brunchgeschichten: Wieso Langlaufen mehr als nur ein Boomer-Sport ist

Seit sie damals als Kind aus dem Bügellift gefallen ist, hat Seraina Manser entschieden: «Skifahren ist nichts für mich.» Bis sie im Corona-Winter das Langlaufen für sich entdeckt. Eine Ode auf den spiessigen Wintersport.

Illustration: Zana Selimi

Bereit für die grosse Offenbarung? «Ich bin Schweizerin, aber ich kann nicht Skifahren. Nein auch nicht Boarden.» So jetzt ist es raus. Ungläubige Blicke von allen Seiten. «Auch als Kind bist du nie auf der Piste gestanden?» 

Doch. Als Kind bin ich wenige Male auf Skiern irgendwelche Pisten runtergerutscht. Ich erinnere mich vor allem an eiskalte Hände, daran, wie es mich aus dem Bügellift auf den harten Schnee haut, ich die Abfahrt vor lauter Nebel nicht mehr sehe und an das ewige Anstehen. Ich bin nicht traumatisiert, aber habe damals im Alter von acht Jahren entschieden, dass Skifahren nichts für mich ist. Dabei ist es lange Zeit geblieben. 

Im Unterland und mit Freund:innen, die Skifahren auch nicht zur erfüllendsten Wochenendbeschäftigung überhaupt zählen, geht das problemlos. Zumindest bis der Corona-Winter 2020/2021 mit voller Wucht einschlägt. Shutdown. Alles ist zu. Nur die Skigebiete bleiben je nach Kanton offen. «Ich würde gerne Ski fahren gehen», sagt Gesundheitsminister Berset Ende November 2020 gegenüber SRF. Nicht nur Herr Berset, sondern auch mir dürstet es im grauen Zürcher Winter nach Sonne und Schümli-Pflümli auf der Sonnenterrasse irgendeiner Berghütte.

Ein geeigneter Wintersport muss her, einer bei dem ich nicht friere und ich mir nicht eine Ausrüstung im Wert eines Kleinwagens zulegen muss. Also Langlaufen. Ich bin nicht die Einzige mit dieser Idee. Die Babyboomer spulen schon lange Loipe um Loipe ab. Jetzt kommen – mangels fehlender Alternativen – auch die Jüngeren auf den Geschmack. Zeitweise sind die Langlaufskis in manchen Sportgeschäften ausverkauft.

Was im Sommer die Gravelbikes waren, sind im Winter die Langlaufskis.

Seraina Manser

In Maloja mitten im Langlaufparadis Engadin mieten Freund:innen und ich Langlaufskis und skaten los. Auf der Loipe ist nebst ein paar älteren Semestern, mit einer Technik wie Dario Cologna, nicht viel los. Kein Anstehen, kein Drängeln. Nur wir und unter uns die Loipe.

Danach ist für mich klar: Langlaufen ist der beste Wintersport überhaupt. Du brauchst alle Muskeln und wirst so niemals frieren (es sei denn du fährst aus Versehen in einen See). Währenddessen kannst du mit deinen Mitlangläufler:innen quatschen, du gleitest durch Winterwunderwälder und über sonnige Ebenen. Zudem sind die Schuhe bequem, die Skis leicht und du brauchst zum Langlaufen keine aerodynamisch geschnittenen, handgefilzten Gore-Tex-Hosen. Die alten Yogahosen tun es allemal. Nach zwei Stunden bist du körperlich am Ende und umso schneller auf der Sonnenterrasse oder im Après-Ski-Wellness. Als Pluspunkt oben drauf: Der Sport benötigt keine wilde Infrastruktur, lediglich ein Fahrzeug, das die Pisten spurt. 

«Spiessig, denkst du?» – «Spassig, denke ich», während ich die federleichten Skis schultere und leichten Fusses die Sonnenterrasse anpirsche.