Von Isabel Brun

Redaktorin & Klima-Redaktorin

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19. Dezember 2021 um 05:00

Brunchgeschichten: Der Konsumkritik zum Trotz oder weshalb ich Geschenke mag

Weihnachten gilt auch als die Zeit des Schenkens. Was für einige notwendiges Übel ist, hat aber auch positive Seiten – oder?

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Illustration: Zana Selimi

Es ist wieder die Zeit vom Jahr. Im Samichlaus-Säckli warten lediglich noch die Erdnüsschen auf ihr jähes Ende, im Free-TV laufen Parfüm-Werbesendungen in Dauerschleife und Online-Versandhäuser prahlen mit kurzen Lieferzeiten um die Wette. In der Zwischenzeit zerbreche ich mir den Kopf über die perfekte Weihnachtsbescherung für meine Liebsten: Was soll ich meinem Bruder schenken? Worüber würde sich meine Mutter freuen? Und welches Spielzeug hat mein Neffe noch nicht in seinem Zimmer rumliegen?

Es sind Fragen, die mich seit Anfang Dezember durch den Alltag begleiten, mich dann am Abend wach halten bis meine müden Augen nach zwei Stunden rumscrollen auf Geschenkideen-Webseiten ohne Erfolg kapitulieren. Der Druck, die perfekte Präsent zu finden, ist immens, denn ja, ich mag es, Geschenke zu kaufen und zu machen – und wohl auch, welche zu bekommen. Nenn mich Konsumschlampe.

Gegenleistung garantiert?

Tatsächlich ist es wissenschaftlich erwiesen, dass, ähnlich wie beim Konsum, auch das Beschenken glücklich macht. Anders als beim simplen Kauf einer Ware hat das Machen eines Geschenks jedoch noch einen anderen Effekt. Es stärkt soziale Beziehungen. Freund:innen der Sozialwissenschaften mag der Name Marcel Mauss ein Begriff sein. Für alle anderen: Mauss war ein französischer Soziologe, Ethnologe und Religionswissenschaftler, der den Begriff «Schenkökonomie» prägte.

Ohne zu sehr in komplexen soziologischen Theorien zu versinken: Es geht grundsätzlich darum, dass Güter oder Dienstleistungen ohne direkte oder zukünftig erkennbare monetäre Gegenleistung (also Geld) weitergegeben werden. Stattdessen erwartet man vom Gegenüber ein soziales oder immaterielles Äquivalent in Form von Karma, Ansehen, Loyalität oder eben Dankbarkeit. Wir Menschen machen uns bereits seit Jahrhunderten Geschenke.

Soviel zum Hintergrund meiner Bestrebungen. Diese sind also durchaus erklärbar: Nicht nur gehört es zu unserer Kultur dazu, einander Dinge zu schenken, es macht uns gleichzeitig auch noch glücklich. Was also spricht dagegen? Dass ein Geschenk die Erwartung nach einer Gegenleistung hervorruft, oder es die Kommerzialisierung des sozialen Handelns in einer Konsumgesellschaft widerspiegelt? Vielleicht. Und diese Kritik finde ich angebracht wie auch nötig.

Es ist doch ein Zeichen von Wertschätzung, wenn man sich die Zeit dafür nimmt und sich darum bemüht, einer Person ein sinnvolles Geschenk zu besorgen.

Mal Ausnahmen machen

Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass wir nicht darauf verzichten müssen und sollen, uns gegenseitig zu beschenken. Nicht, weil ich es toll finde, an Weihnachten irgendein Trash-Geschenk von meinem Bruder in den Händen zu halten und so zu tun, als würde ich mich darüber freuen. (Wir kennen das Gefühl wohl alle.) Auch nicht, weil mich die stressige Suche nach dem perfekten Geschenk beflügeln würde. Es geht vielmehr um die Freude, die ein Geschenk beim Gegenüber auslösen kann, wenn es denn das richtige ist. Wenn die Überraschung gelingt, weil man sich über die Wünsche des Bruders, der Mutter oder des Neffen erkundigt hat, ohne dass sie davon Wind bekamen.

Es ist doch ein Zeichen von Wertschätzung, wenn man sich die Zeit dafür nimmt; sich darum bemüht, einer Person ein sinnvolles Geschenk zu besorgen und es nicht nur deshalb kauft, weil «man eben noch eines braucht». Dann nämlich, kann es beide Seiten glücklich machen – ganz egal, ob man eine materielle oder immaterielle Gegenleistung dafür erhält. Und das finde ich Grund genug, um ein- oder zweimal im Jahr die Konsumkritik in mir drin verstummen zu lassen.

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