Brunch-Review No. 2 – Kafi Schnaps

Ihr habt das «Kafi Schnaps» zum viertbesten Brunchlokal der Stadt gewählt. Unser Redaktor Marco Büsch schimpft sich selbst Brunchliebhaber, war aber bisher noch nie dort brunchen: Lächerlich! Ob er eurer Wahl recht gibt, lest ihr in der Review.
13. April 2018

Über 4'500 von euch haben abgestimmt: In diesen fünf Lokalen gibt es den besten Brunch der Stadt! Wir wollen wissen warum und sind deshalb ausgeschwärmt, um uns die Bäuche vollzuschlagen. In der zweiten Review hat unser Redaktor Marco Büsch das «Kafi Schnaps» besucht.


Am äussersten Rand des trendigen Wipkingens, ein Steinwurf vom beschaulichen Unterstrass entfernt; dort, wo sich die Buslinien «32» und «33» high five geben, dort liegt das «Kafi Schnaps»: Ein Pilgerort für Brunchliebhaber*innen. Leute wie mich. Zumindest waren beim grossen Brunch-Voting fast 200 Gleichgesinnte dieser Meinung. Und doch war ich noch nie dort zum Brunch: Schande auf mein Haupt! Dafür konnte ich nun die berühmte Lokalität an der Kornhausstrasse mit ungetrübtem Blick neu entdecken.

Die erste Überraschung dürfte für routinierte «Kafi Schnaps»-Gänger*innen ein alter Hut sein: Auf jedem Tisch, an der Theke, überall (!) steht geschrieben, dass man doch bitte bitte an der Bar bestellen soll. Ein Kafi, das wie eine Bar funktioniert, finde ich zwar charmant, nichtsdestotrotz schlägt sich das in meiner Wertung zum «Wärmegrad der Herzen» nieder (der gesamte Bewertungskatalog ist am Ende des Artikels zu finden). Die Menschen hinter der Theke waren sympathisch, aufmerksam und zuvorkommend, ich kann jedoch nicht die volle Anzahl Herzen geben, wenn ich weiss, dass ich in anderen Lokalen allzeit fürstlich am Tisch bedient werde. Das bleibt aber der einzige «Makel» und «Makel» ist bitte mit deutlichen Anführungszeichen zu verstehen (oder in diesem Falle: Guillemets). Denn der Brunch selbst wird einem bis auf die Getränke dann doch an den Tisch serviert – und dieser hat es in sich.

Der Brunch: Reich und schön

Ich habe das «Kafi Riche» bestellt. Es ist täglich (!) zwischen 8.00 und 16.00 Uhr erhältlich, kostet 25.50 Franken und enthält: «Hausgemachte Confi, Butter, 2erlei Käse, Aufschnitt und 2erlei Lachs, kleines Birchermüesli, gekochtes Ei, Gipfeli, Zopf, Burebrot und Kaffee» (Quelle: Speisekarte). Vorweg sei gleich gesagt, dass alleine diese Fülle an verschiedenen Produkten schon sehr beachtlich ist, insbesondere bei diesem Preis. Auch die restliche Speisekarte lässt kaum zu wünschen übrig und bietet von Hummus bis zur geräucherten Forelle alles, was das Herz begehrt. Die Kreativität des Angebots bewerte ich daher mit fünf von fünf undefinierbaren rötlichen Wusts.

Farblich stimmig und schön angerichtet kommt das «Kafi Riche» daher. Das Birchermüesli ist ein laktosefreier Schmaus und bei Käse, Fleisch und Lachs gibt es nichts auszusetzen, im Gegenteil: Neben rohem auch gekochten Lachs aufzutischen, erscheint mir originell. Ein Spiegelei gibt es nicht, dafür das kleine Geschwisterchen des Drei-Minuten-Eis. Dieses wurde präzise zur richtigen Zeit aus dem kochenden Wasser gefischt und strahlt vor einer Sonnigkeit, dass es sich eine Wertung von fünf Spiegeleiern redlich verdient hat. Einen minimalen Abstrich gibt es beim Gipfeli und dessen Knusprigkeit. Es ist wahrlich ein gutes, solides Gipfeli, aber bei der Knusprigkeit gibt es noch Luft nach oben. Daher werden stolze vier von fünf Gipfeli verteilt. Die Hipsterdichte bleibt bis zum Ende des Brunchs eher Durchschnitt, was vielleicht auch an Tageszeit und Wochentag liegen mag: Donnerstagmorgen. Ich vergebe drei von fünf Velos als Wertung. Zum Abschluss bleibt zu sagen, dass einem das «Kafi Riche» auf dem höchsten Völligkeitslevel zurücklässt – wie es sein sollte bei einem Brunch.

«Fazit zur Mahlziit»

Euer Brunch-Voting hat nicht enttäuscht: Das Kafi Schnaps gehört wahrlich zu den besseren Brunch-Lokalen der Stadt. Es liegt vielleicht nicht im hippen Wiedikon um die Ecke, aber es ist mit ÖV oder Velo schnell erreicht und der Besuch lohnt sich allemal. Brunch kann man dort eigentlich immer essen, sofern man gewillt ist, ihn sich selbst an der Theke zu bestellen und den Kafi dann in Eigenregie zwischen den wenigen Hipstern hindurchzujonglieren. An den Tisch serviert ist das «Kafi Riche» aber ein grundsolider, sehr schmackhafter Brunch. Das Drei-Minuten-Ei strotzt vor Sonnigkeit, die Auswahl lässt manche andere Lokale vor Neid erblassen. Nur bei der Knusprigkeit des Gipfelis gibt es Abstriche. Aber um den grossen Dendemann zu persiflieren: «Gipfeli sind wie Pizza, auch schlecht noch recht beliebt». Also lasse ich ein ziemlich gutes Gipfeli ein ziemlich gutes Gipfeli sein und vergebe eine unbedingte Empfehlung, das «Kafi Schnaps» selbst mal für einen «Riche» aufzusuchen.

Ultimatives zertifiziertes Tsüri.ch-Brunch-Rating

Inklusive Kinderzeichnungen aus dem Chindsgi «Manegg»


Eine Liste aller Brunchreviews, welche bisher erschienen sind:
– No. 1: Gasthaus Zum Guten Glück
– No. 2: Kafi Schnaps
– No. 3: The Artisan
– No. 4: Babus
– Nr. 5: Bebek


Du brauchst eine Lektüre zum Brunch? Hier kannst du dich für einen der Messenger-Channels anmelden:

Und hier für den Newsletter:

Welche Rubriken interessieren dich?

(Alle Bilder im Artikel sind von Zazie Bründler)

Member reden mit: Bewerte hier diesen Beitrag mit 1 bis 5 Punkten und entscheide so über das Honorar für den / die Journalist*in mit.
Bewertung löschen

Kommentare

Willst du unabhängigen Journalismus?

Tsüri.ch steht für unabhängigen & engagierten Journalismus und setzt sich für eine offene, fröhliche, tolerante und ökologische Gesellschaft ein. Mit deiner Unterstützung können wir das auch in Zukunft tun.

Mit nur 5.-/Monat bin ich dabei
Einloggen und zurück zum Artikel
Gerade nicht