Brunch-Review No. 3 – The Artisan

Mit ihrem «Brunch-Club» testete Seraina Manser schon Gipfeli und hausgemachte Konfis in zig Zürcher Lokalitäten. «The Artisan» in Wipkingen, das ihr zum zweitbesten Brunch-Ort in der Stadt gewählt habt, kannte sie bis anhin noch nicht. Höchste Zeit, dass sie dort die Sonnigkeit des Spiegeleis untersucht.
18. April 2018

Über 4'500 von euch haben abgestimmt: In diesen fünf Lokalen gibt es den besten Brunch der Stadt! Wir wollen wissen warum und sind deshalb ausgeschwärmt, um uns die Bäuche vollzuschlagen. In der dritten Review hat unsere Redaktorin Seraina Manser «The Artisan» in Wipkingen besucht.


Ihr habt «The Artisan» in Wipkingen auf den zweiten Platz im «Brunch-Ranking» gehievt. Und ich? Ich hab es bis zum Voting nicht einmal gekannt. Und das, obwohl ich zur Zeit der Eröffnung im Herbst 2015 sogar in selbigem Quartier wohnte und Mitglied in einem «Brunch-Club» war; und immer noch bin. Mit zwei Freund*innen besuche ich in unregelmässigen Abständen Cafés und Knellen, um uns dort durch das Brunchangebot zu essen. In Wipkingen, dem Friedrichshain Zürichs, schlemmten wir bis anhin Birchermüeslis im «Kafi Schnaps» und verschlangen die üppig belegten Etagèren im «Café des Amis». Wir lassen das «Café Nordbrüggli» links liegen und überqueren die Strasse, denn an diesem Sonntagmorgen soll Ort des Geschehens «The Artisan» sein. Du musst wissen, wo es ist, sonst läufst du schnell an der Tafel mit der Aufschrift «The Artisan – Kitchen & Urban Garden» vorbei. Das Restaurant thront auf einer Terrasse über den Gleisen, die zum Bahnhof Wipkingen führen. Im gleichen Gebäude befindet sich auch der Coop und ein Fitnesszentrum.

Dieses Schild begrüsst die Bruncher*innen.

Speck-Chutney und Federkohlpesto

Eine Schiefertafel mit der Aufschrift «Please wait to be seated» empfängt die Gäste an diesem kühlen Morgen. Wir werden an einen Tisch geführt, gleich neben einem Hochbeet mit allerlei Gewächs darin. Wir sitzen an einem Holztisch, die Gäste können sich aber auch auf Europaletten niederlassen, mit einer Weinkiste als Tischchen. Diese Europaletten erhöhen die Hipsterdichte von eigentlich 0 auf 1 von 5 Fixies (Den ganzen Bewertungsbogen findest du zuunterst im Artikel).

An diesem Sonntagmorgen um 11 Uhr – Primetime für alle Bruncher*innen – sind nur etwa die Hälfte der Tische im Aussenbereich besetzt. Wir werden schnell bedient. Die Brunchkarte hat sechs Gerichte im Angebot. Alle tönen so, als stammten sie von einem Foodblog. Sie enthalten Worte wie «Federkohlpesto», «Speck-Chutney» und «Mandel-Meerrettich-Frischkäse». Wir bestellen den «Frenchtoast», das «Steak Sandwich» mit handgeschnittenen (!) Pommes und das vegane «Garden Breakfast» mit grünem Spargel und Dukkah. Dukkah? Das Internet klärt uns auf: Es handelt sich um eine afrikanisch-orientalische Nuss-Gewürzmischung.

Mit einem Preis von je 26.- Franken für den «Frenchtoast» und das «Garden Breakfast» und 29.50 Franken für das «Steak Sandwich» bewegen sich die Preise schon eher im oberen, schmerzhaften Bereich, vor allem, da die Portionen nicht besonders gross sind. «The Artisan» kann aber, was die Kreativität betrifft, voll auftrumpfen. Ein stinknormales Gipfeli suchst du auf der Karte vergeblich. Darum ist auch dessen Knusprigkeit nicht bewertbar. Das «Garden Breakfast» kommt mit Randenhummus, Ofentomate, zwei Spargeln und einem kleinen Schrebergartensalat daher. Der «Frenchtoast» ist belegt mit Rucola und Ziegenkäse und das «Steak Sandwich» trieft von geräucherter BBQ-Sauce. Dazu trinken wir frisch gepressten Rüebli-Ingwer- und Orangensaft.

Der «Frenchtoast» (oben) und das «Steak Sandwich» mit den handgeschnittenen Pommes.

Verdauungsspaziergang durch den Quartiergarten

Das Spiegelei könnte heller strahlen – meine Begleiterin bewertet die Sonnigkeit des Spiegeleis deshalb mit vier von fünf Spiegeleiern. Der Brunch hat uns allen drei vorzüglich geschmeckt und dass das Auge mitisst, muss diesen Gastronomen niemand erklären (Die Fotos beweisen es!). Beim Völligkeitslevel sind wir uns uneinig. Während das «Steak Sandwich» eine grosszügige Portion ist, könnte ich nach dem «Garden Breakfast» gleich nochmals eins, zwei gebrauchen, obwohl ich noch extra Fladenbrot nachbestellt habe. Auch der «French Toast» wird nicht bis zum Abend hin sättigen. Vielleicht hätten wir nach dem Brunch noch einen Dessert bestellen sollen, was uns die Bedienung anbot... Dessert! Bei einem Brunch! Wahnsinn!

Auf der Terrasse befindet sich auch ein Quartiergarten mit vielen Kräutern und Gemüsestauden in Holzkisten. Durch die verschiedenen Pflanzen kannst du deinen Blick kontemplativ zum Kornhaussilo schweifen lassen. Es ist idyllisch ruhig, die Vögel zwitschern und ein Büsi streift zwischen den Tischen hindurch. Babygeschrei zerreisst ab und zu die Stille. Nach dem Brunch bringt uns die Bedienung einen Krug mit Wasser, was den Wärmegrad unserer Herzen gleich um ein paar Grad anhebt. Wir bleiben trotz der Frische noch sitzen und sinnieren bei einem Glas Hahnenburger über Gott und den Brunch. Wer genug von gummigen Gipfeli und banalem Birchermüsli hat und salzigen Brunch liebt, ist im «The Artisan» am richtigen Platz. Auch musst du hier bestimmt nicht um einen freien Tisch kämpfen. Ein weiteres Plus: Nach dem Brunch kannst du einen kurzen Verdauungsspaziergang durch die Beete des Quartiergarten anhängen. Ich würde hier schon wieder hingehen, aber nicht zum Brunch, sondern um den Burger mit dem wohl längsten Namen zu testen, den «Gemüse-Lupinen-Power Burger».

Die Aussicht auf das Silo und den Quartiergarten.

Ultimatives zertifiziertes Tsüri.ch-Brunch-Rating

Inklusive Kinderzeichnungen aus dem Chindsgi «Manegg»


Eine Liste aller Brunchreviews, welche bisher erschienen sind:
– No. 1: Gasthaus Zum Guten Glück
– No. 2: Kafi Schnaps
– No. 3: The Artisan
– No. 4: Babus
– Nr. 5: Bebek


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(Alle Bilder im Artikel sind von Corinna Haag und Seraina Manser)

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