Brigitte Graf am Ufer ihrer Energiequelle

Brigitte Graf ist DJ, Ärztin und ihre Energiequelle der See

Brigitte Graf hat als Ärztin auf Lesbos gearbeitet, in einem Ökodorf gelebt und stand in einer ganz speziellen Nacht das erste Mal hinter einem Zürcher DJ-Pult. Seit dieser Woche gehen und fahren täglich über 10’000 Personen an ihr vorbei. Wir haben Brigitte getroffen.
13. März 2021

Wir stehen wieder da, wo wir uns getroffen haben. Mitten im Kreis 10, auf dem Röschibachplatz. Dazwischen, auf dem einstündigen Spaziergang, haben wir Orte, die das Leben von Brigitte Graf geprägt haben, besucht. Orte, die sie mit Geschichten verbindet. Eine Reise von Zürcher Clubnächten in den 90er-Jahren bis nach Dharamsala in Indien. Eine Reise um die Welt und immer wieder zurück nach Zürich. Auf unserem Spaziergang gehen wir an die Limmat, an den Rand des Kreis 5, ihrer Wahlheimat, wie sie den Ort selber bezeichnet. «Hier habe ich am meisten Heimatgefühle», schwärmt Brigitte, die schon in verschiedensten Quartieren der Stadt gelebt hat, aber immer wieder hier gelandet ist.

Blick auf die Alpen und den Himalaya

Gemeinsam mit ewz haben wir vor einiger Zeit unsere Community gefragt, wo die Menschen in Zürich Energie aufladen. Wir bekamen etliche Antworten. Eine davon war: «Im Seebad Enge auf dem Floss schaukelnd mit einem Campari Orange in der Hand, die Brise im Gesicht und die Berge am Horizont». Diese Antwort war von Brigitte. Doch der Zürichsee ist nicht nur zum Flanieren und Baden da. Er liefert uns auch Energie, er ist unsere gemeinsame Energiequelle. Für Brigitte, für ewz und ganz Zürich. Von Züri für Züri.

Die Berge, die die ausgebildete Ärztin am Horizont beschreibt, waren nicht immer die Alpen. Vor 20 Jahren waren es die Spitzen der Himalaya-8000er. Vom Spitaldach, das auch ihr Schlafplatz war, sah sie bis weit ins Landesinnere von Indien. In Dharamsala hat sie sieben Monate als Volontärärztin gearbeitet. «Hätte ich damals meine farbigen Dreadlocks nicht abgeschnitten und meine Piercings nicht herausgenommen, wäre mir die Arbeit in diesem traditionellen tibetischen Spital wohl verwehrt worden», sagt sie mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Dies war nicht das letzte Mal, dass sie für einen Einsatz ins Ausland gereist ist. Während der europäischen Flüchtlingskrise im Jahr 2015 konnte sie nicht anders, als nach Lesbos zu reisen. Auch wenn es nur für eine kurze Zeit war, sie wollte etwas beitragen. «Wir hatten fast Tag und Nacht gearbeitet, kamen regelrecht in einen Fieberrausch und vergassen zu essen», schildert sie die Erlebnisse aus Griechenland. «Dies war eine unglaublich bereichernde Erfahrung, als wäre man an einer kosmischen Steckdose angeschlossen», schildert Brigitte die Erfahrungen. Solche kosmischen Erfahrungen hatte sie auch in den Zeiten vor ihren Einsätzen als Ärztin im Ausland. In Zürich.

Das etwas andere Dorf

Eine grosse Sehnsucht von Brigitte war es, mit Gleichgesinnten zusammenzuleben. Mit Menschen, die bewusster durch das Leben gehen. Doch wo? Im Kanton St. Gallen, genauer in Degersheim, stiess sie zu einer Gruppe, die ein ehemaliges Kurhaus umgebaut hatte. Das damalige Ziel: Ein Ökodorf aufbauen. Seit 2009 Realität. Hier leben knapp 70 Menschen, die genossenschaftlich organisiert sind, eine Photovoltaik- und Solaranlage betreiben und dessen Strom wieder zurück ins offizielle Stromnetz fliesst. Auch hier in der Stadt Zürich ist dies möglich mit der Solarbeteiligung solarzüri von ewz. Da Brigitte bei unserem Wettbewerb in Zusammenarbeit mit ewz, mit ihrer Antwort überzeugen konnte, hat sie eine Solarfläche im Wert von 250 Franken gewonnen. Zurück nach Degersheim. Im Ökodorf wird der Permakultur und Selbstversorgung einen hohen Stellenwert zugeschrieben. Ein Ort, an dem sich nicht nur Brigitte wohlfühlt. Auch ihre drei Kinder haben am Ort und der Monterana-Schule ihren Gefallen gefunden.

Eine Schule, an der Kinder selbstgestaltet lernen können, es keine Noten, Stundenpläne, Hausaufgaben oder Klassen gibt. Hier lernen Kinder, weil sie es wollen und nicht weil sie es müssen. «Für mich war das wie de Foifer und s’Weggli», beschreibt Brigitte die Tatsache, einen Ort gefunden zu haben, an dem sie beides, eine freie Schule für ihre Kinder und ein gemeinschaftliches Wohnprojekt hat. Damals das einzige Dorf in der Schweiz, das so etwas bot.

Blickfang für über 10’000 Personen

Obwohl sie in Degersheim sehr ökologisch, klimabewusst und nachhaltig gelebt hat, konnte ihr der Ort etwas nicht geben: Urbanität. Die Stadt, das Theater, die vielen Menschen und die Partys haben ihr gefehlt. Dies war der Ausschlag, dass sie wieder nach Zürich ziehen wollte. Mit der Stadt kam auch wieder die Lust aufzulegen. Seit sie wieder hier ist, widmet sie sich wieder mit grosser Freude der Musik und lernt ihr neu gekauftes DJ-Equipment kennen. Nach 19 Jahren wurde sie im Oktober im Hive das erste Mal wieder gebucht. Dies war kurz vor dem zweiten Lockdown. Nun wartet sie sehnlichst darauf, dies bald wiederholen zu können und zu elektronischer Musik tanzen zu dürfen. Sie ist wohl nicht die einzige!

Nach fast genau einer Stunde und einem Spaziergang entlang der Limmat stehen wir wieder auf dem Röschibachplatz in Wipkingen. Wenn du Brigitte ebenfalls treffen möchtest, empfehlen wir dir einen Spaziergang entlang der Weinbergstrasse. Hier hängt ab heute einen ganzen Monat lang ein ewz-Plakat mit ihr.

Brigitte an der Weinbergstrasse

Wenn du einen Quadratmeter Solarfläche von ewz.solarzüri im Wert von 250 Franken gewinnen möchtest und ebenfalls einen Monat lang an der Weinbergstrasse hängen möchtest, kannst du hier beim Gewinnspiel mitmachen. Das einzige was wir brauchen ist eine Antwort auf die Frage, wo du in Zürich Sonnenenergie tankst.

Partnerschaft mit ewz
Jetzt wird es langsam wärmer draussen und auch du tankst sicherlich irgendwo Sonnenenergie. Doch wo? Fakt ist: Ganz Zürich ist eine Energiequelle! Zusammen mit ewz wollen wir herausfinden, wo du und die anderen Zürcher*innen Sonnenenergie aufladen. Verrätst du es uns? Die besten zwei Antworten werden mit je einem Quadratmeter Solarfläche im Wert von 250 CHF belohnt. Zudem drucken wir ein Porträt der Verfasser*innen auf ein Plakat an der Weinbergstrasse!

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