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Bild: Laura Kaufmann

«WE/MEN»: Boykott für mehr Gleichberechtigung

Das Kollektiv «WE/MEN» fordert mehr Frauen im öffentlichen Diskurs – und verzichtet dafür auf Auftritte an reinen Männerevents. Eine Gratwanderung zwischen Profilierung und Solidarität.
18. August 2019
Praktikantin Redaktion

Zwei Monate sind vergangen, seit der Frauenstreik ordentlich Staub aufgewirbelt hat. Das Thema Gleichstellung war zwar nicht neu, ist aber seither noch mehr in das kollektive Bewusstsein gerückt – und das ist auch gut so! Trotzdem wird es wohl noch etwas dauern, bis Frauen in allen Bereichen die gleichen Chancen haben. Deshalb gilt: Dran bleiben, weitermachen, weiterkämpfen. Da unsere Gesellschaft aber nicht nur aus Frauen besteht, ist es nach wie vor wichtig, dass sich die gesamte Bevölkerung an dem Prozess beteiligt. Denn Gleichberechtigung geht alle etwas an – auch Männer.

Wohlwollende Unterstützung

Das Kollektiv «WE/MEN», das sich seit vergangenem Montag auf Social Media und im Netz präsentiert, fordert deshalb: «Männer für mehr Frauen* im öffentlichen Diskurs.» Egal, ob bei Podiumsdiskussionen, in politischen Arenen oder den Medien: Laut Pirmin Meyer, einem der 7 Initiant*innen, werden gerade in diesen Bereichen noch immer Männer bevorzugt, während Frauen unterrepräsentiert sind. «WE/MEN will dieses Muster aufzeigen. Frauen sind die Hälfte der Gesellschaft und sollen ebenso zu Wort kommen», sagt er. Aus diesem Grund würden die Mitglieder auf öffentliche Auftritte verzichten, an denen nur Männer auftreten.

Frauen sind die Hälfte der Gesellschaft und sollen ebenso zu Wort kommen.
Pirmin Meyer

Und was, wenn es keine geeignete Expertin auf einem Teilgebiet gibt? «Wir machen kein Blaming oder Shaming – es geht darum, Frauen in ihren Taten zu unterstützen, nicht darum sie in einen Rollenkonflikt zu drängen», sagt Meyer. Ausserdem gebe es in fast jedem Bereich auch eine Frau, die etwas zu sagen hat. Die Plattform www.sheknows.ch hilft Veranstaltern bei der Suche.

Auf dem Instagram-Account von WE/MEN soll es in Zukunft auch Bilder von Veranstaltungen und Aktionen geben – natürlich mit Frauen.

Wie in der ganzen Gleichstellungsdebatte sei es vor allem wichtig, gängige Rollenbilder zu hinterfragen, die Diversität zu fördern – und eben auch Männer dazu zu motivieren, aktiv am Geschehen teilzunehmen. Dabei stellt Meyer jedoch klar: «Trotz des Namens sollen selbstverständlich auch Frauen bei WE/MEN mitmachen.» Denn für eine Veränderung brauche es die Zusammenarbeit beider Geschlechter.

«Gleichberechtigung ist politisch»

Die Idee einer Plattform wie WE/MEN ist nicht neu. Unter den Hashtags #tackanej – was auf schwedisch so viel wie ausschlagen bedeutet – und #men4equality, wird schon länger europaweit für mehr Solidarität für Frauen aufgerufen. Meyer hatte schon vor drei Jahren den Drang, ein Projekt in diese Richtung zu lancieren. Seine ersten Aufrufe im Netz waren jedoch erfolglos. Im Mai 2018 traf er sich mit Mattia Bütikofer und Philipp Meier, im September 2018 mit weiteren Initianten. «Bis es aber richtig Form annahm, verging seit dem ersten Treffen rund ein Jahr», so Meyer. Der Frauenstreik vergangenen Juni habe sie im Vorhaben noch mehr bestärkt.

Vier der 7 Initiant*innen: Mattia Bütikofer, Christoph Emch, Philipp Meier und Pirmin Meyer (v.l.n.r.). Die drei weiteren Mitglieder Sasha Cisar, Pablo Villars und Nadine Jürgensen fehlen auf dem Bild.

In die Hand spielen würde Meyer auch der Umstand, nun durch das Projekt Aufmerksamkeit zu bekommen. Der grünliberale Politiker ist auf der Liste für die Nationalratswahlen im Oktober und gibt bereitwillig zu, dass der jetzige Push des Projekts natürlich «von Vorteil» ist, um ins Gespräch zu kommen. Er betont jedoch: «Ich hätte WE/MEN so oder so gestartet, egal ob ich auf der Liste bin oder nicht.»

Politisch ist natürlich auch die Thematik rund um WE/MEN. Denn: «Gleichberechtigung ist politisch», sagt Meyer. Trotzdem soll die Plattform nicht als ein parteipolitisches Programm angesehen werden. Vielmehr sollen sich Menschen für die Idee begeistern und selber etwas zum gesellschaftlichen Wandel beitragen können. Konkrete Aktionen seien jedoch noch nicht geplant, so Meyer: «Wir schauen erstmal, was sich ergibt.»

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