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Bild: Artem Beliaikin via Pexels

Black Friday: Konsum-Exzess der Extraklasse

Der Black Friday gilt als der Tag der Rabatte. Die Tradition aus den USA nimmt mittlerweile auch in der Schweiz groteske Züge an. Dabei steht der Konsumwahn im krassen Gegenteil zur gegenwärtigen Klimadebatte.
29. November 2019
Praktikantin Redaktion

Es ist wieder so weit: Heute, am letzten Freitag des Novembers, shoppen sich kaufwütige Konsument*innen durch Einkaufszentren, Fachmärkte und Onlineportale — ständig auf der Suche nach dem grossen Wurf: dem ultimativen Schnäppchen. Der Black Friday hat es auch zu uns nach Zürich geschafft. In den vergangenen Jahren machten immer mehr Geschäfte bei der Rabattschlacht mit. Ganz nach seinem amerikanischen Vorbild übertrumpfen sich Detailhändler*innen und Unternehmen mit Rabatten beinahe selbst. Bereits die Tage zuvor warben sie im Netz mit Bannern oder analog mit Plakaten um die Aufmerksamkeit potentieller Kund*innen.

Führe mich nicht in Versuchung?

Konsum wird an diesem «schwarzen Freitag» grossgeschrieben, oft wohlwissend, dass das Überangebot an Schnäppchen Verbraucher*innen regelrecht in einen Konsumzwang manövriert. Wie soll man denn bei 60 Prozent Rabatt auch widerstehen können?

Der Begriff Kaufrausch kommt nämlich nicht von ungefähr: Laut Neuropsycholog*innen wird bei solchen hochprozentigen Rabatten die gleiche Hirnregion stimuliert wie beim Konsum von Drogen. Mit dem Unterschied, dass sich das Katerleiden am darauffolgenden Tag auf die astronomische Kreditkartenabrechnung und das schlechte Gewissen begrenzt.

Nichtsdestotrotz ist die Aussage von Konsument*innen: «Bei einem solchen Preis musste ich einfach zuschlagen», ein zweischneidiges Schwert. Zum einen beeinflusst das Angebot der Detailhändler*innen natürlich die Nachfrage, zum anderen darf an diesem Freitag – ähnlich wie bei Drogenkonsum – doch auch eine gewisse Selbstbeherrschung seitens der Verbraucher*innen erwartet werden. Nach dem Motto: Die Dosierung macht das Gift.


Black Friday
Als Black Friday wird in den USA der Freitag nach Thanksgiving bezeichnet. Viele Amerikaner*innen nehmen sich nach dem Erntedankfest einen Tag frei und verlängern so ihr Wochenende. Der «schwarze Freitag» wird oft dazu genutzt, die ersten Weihnachtseinkäufe zu tätigen, weshalb Detailhändler*innen damit anfingen, Kund*innen mit Rabatten in die Geschäfte zu locken. In der Schweiz wurde der Aktionstag erstmals im Jahr 2015 von Manor durchgeführt.

Wissen ist nicht alles

Was auch dieses Jahr wieder droht, grenzt wohl eher an eine Überdosierung: 2018 verdoppelte sich in der «Black Friday»-Aktionswoche der Umsatz von Schweizer Elektrofachmärkten. Eine ähnliche Bilanz ist auch nach dem heutigen Tag zu erwarten. Dabei ist ein solcher Umgang mit Konsumgütern alles andere als nachhaltig.

Die SRF-Reportagen-Reihe «Kauf mich!», die vor wenigen Tagen ausgestrahlt wurde, zeigt die Ausmasse unseres Konsums, unbeschönigt und unkommentiert – und alle werfen die Hände über den Köpfen zusammen und fragen sich, wie es soweit kommen konnte.

Das Perfide an der ganzen Geschichte: Obwohl wir Bescheid wissen, zieren wir uns davor, die Wahrheit anzuerkennen. Wir shoppen munter weiter, während in Ghana der Elektroschrott verbrannt wird, der illegal aus Europa nach Afrika verschifft wurde. Pervers? Vielleicht. Vielleicht aber einfach nur ein Beispiel, wie unverfroren wir Individuen grundsätzlich sind.

Schwarze Zukunft

Doch es gibt sie; die Gegenbewegung. Das Grün zwischen all den schwarzen Promo-Plakaten, die Hoffnung sozusagen. «Black Friday» trifft auf «Friday-is-for-Future», Konsumwahn trifft auf Klima-Kampf: Unter dem Motto «Green Friday statt Black Friday» werden heute Aktionen für mehr Bewusstsein bei Kaufentscheidungen durchgeführt. Verantwortlich dafür ist einmal mehr das junge Klimastreik-Kollektiv. Der Höhepunkt des «Green Fridays» soll der Demozug durch die Stadt werden, bei dem alle, die wollen für eine nachhaltigere Klimapolitik einstehen können.



Weshalb gönnst du dir den Black Friday? Schreib es uns in die Kommentare.


Ob unsere Politik gegen die wirtschaftlichen Interessen von Unternehmen – und somit auch gegen Detailhändler*innen, die den Konsumwahn mit horrenden Rabatten ankurbeln – ankommen kann, ist zwar fraglich, trotzdem soll ihnen natürlich die Chance nicht verwehrt bleiben. Bis es soweit ist, müssen wohl wir Konsument*innen die Bürde eines verantwortungsvollen Konsums tragen.

Das bedeutet auch, dass wir verzichten müssen. Und damit ist nicht nur der Verzicht eines Kurzurlaubs in Städten wie Barcelona oder Berlin gemeint, die du mit dem Flugzeug erreichst. Verzicht fängt bereits bei kleineren Dingen an: Bei deiner Kleidung oder Elektrogeräten beispielsweise. Denn das nachhaltigste Produkt ist das Produkt, das du nicht gekauft hast – Rabatt hin oder her.


Weitere Artikel zum Thema Konsum, dessen Konsequenzen sowie Tipps für einen nachhaltigeren Konsum findest du hier.

Ausserdem haben wir dir 6 Alternativen zum Black Friday-Shopping zusammengetragen.

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