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2019 feierte das Black Film Festival Zurich sein Debüt. (Alle Fotos: zVg)

Festival: Für mehr Diversität auf Kinoleinwänden

Schwarze Schauspieler*innen und Filmschaffende sind im Mainstream-Kino noch immer stark untervertreten. Die Veranstalterinnen des Black Film Festival Zurich wollen das ändern. Weshalb eine diverse Kinokultur wichtig ist und was die Gesellschaft dafür tun kann.
05. April 2021
Redaktorin

«Filme von schwarzen Regisseur*innen finden nur selten den Weg in die hiesigen Kinos», sagt Rispa Stephen. Die junge Frau ist eine der drei Mitbegründerinnen des Black Film Festival in Zürich. Stephen weiss, wovon sie spricht. Sie selber ist in einer Gesellschaft gross geworden, in der People of Color – kurz PoC – auf Kinoleinwänden höchstens in stereotypischen Rollen zu sehen waren. Als Butler, Sklav*in oder Menschen in prekären Verhältnissen; sprich Rollen, die nicht die schwarze Gesellschaft widerspiegeln würden, so Stephen. Das sei auch heute noch so. Der Grund: «Meist entscheiden Personen aus der weissen Mehrheitsgesellschaft, welche Filme es in die Mainstream-Kinos schaffen.»

Wenn Missstände sichtbar werden

Das Black Film Festival Zurich will sich diesem Problem annehmen. Im Jahr 2019 führten die Veranstalterinnen es zum ersten Mal durch, letztes Jahr wurde das Festival Corona-bedingt abgesagt. Nun widmet es sich Ende Mai erneut drei Tage lang PoC-Filmschaffenden und Schauspieler*innen. Es sei wichtig, den Kinobesucher*innen aufzuzeigen, dass es sehr wohl Filme gibt, die People of Color in komplexen Rollen zeigen, so Stephen «und dass diese auch ihre Daseins-Berechtigung haben».

Quoten führen gezwungenermassen zu einem neuen Rasterdenken. Es macht, dass wir uns wieder einen Schritt von dem Ziel einer Gleichstellung entfernen.
Laiya Sievi, Veranstalterin des Black Film Festival Zurich

Wie tief verankert die diskriminierende Haltung in Bezug auf schwarze Hauptrollen ist, zeigt sich am Beispiel der Netflix-Serie «Bridgerton». In der fiktiven Filmreihe über das Leben der Londoner High Society im frühen 19. Jahrhundert spielt ein PoC-Schauspieler den Hauptcharakter; einen Herzog – zum Missfallen einiger Zuschauer*innen. Es entspricht nicht der Realität, denn Anno dazumal hat es keine schwarzen Reiche gegeben, lautet das Urteil der Kritiker*innen. Stephen hingegen begrüsst es, dass mittlerweile auch grosse Produktionen mit alten Mustern brechen: «Es ist etwas im Gange. Trotzdem beweist ja gerade die mediale Diskussion darüber, dass es noch längst keine Selbstverständlichkeit ist.» Dem zugrunde liege ein strukturelles Problem, das auch die Filmbranche betreffen würde, so die Festival-Veranstalterin.

Mehr Sensibilisierung, weniger Quoten

Film sei ein sehr traditionelles Medium, so Stephen, dementsprechend habe auch die negative, kolonialistisch geprägte Darstellung von People of Color in cinematischen Werken Tradition – und diese stehe im direkten Zusammenhang mit der Vorstellung von gesellschaftlichen Normen. «Dem Film wird deshalb eine grosse Macht zugesprochen. Die Macht, etwas zu verändern oder eben zu zementieren», sagt die Festival-Leiterin. Die Einführung einer Quote bei Produktionen sei ihrer Meinung nach jedoch der falsche Weg. Zwar würde es solche in gewissen Bereichen benötigen, um einen Wandel zu erzwingen, aber «es will doch niemand die Quoten-PoC oder die Quoten-Frau sein». Ihre Mitveranstalterin Laiya Sievi findet klarere Worte: «Quoten führen gezwungenermassen zu einem neuen Rasterdenken. Es macht, dass wir uns wieder einen Schritt von dem Ziel einer Gleichstellung entfernen.»

Bei der Filmauswahl werde sehr sorgfältig vorgegangen – auch Bijous hätten sie im Programm, so die Veranstalterinnen.

Einen Masterplan habe sie nicht, so Sievi. Wichtig sei aber, das Problem sicht- und fassbar zu machen, und die Zuschauer*innen respektive die ganze Gesellschaft zu sensibilisieren. Dafür brauche es die Bemühungen aller, ergänzt Stephen. «Wir alle haben Privilegien. Die einen mehr, die anderen weniger. Wir müssen uns dieser Privilegien bewusst werden.» Dass sich People of Color mit Rassismus beschäftigen, stehe ihnen schliesslich nicht zur Wahl – im Gegenteil zu weissen Personen. Ein Perspektivenwechsel könne derweil helfen, die Zuschauer*innen zum Denken anzuregen und den Horizont zu öffnen, so Stephen. Und genau das haben sich die Veranstalterinnen des Black Film Festivals Zurich auf die Fahne geschrieben. Mit dem Wunsch, dass es das Festival irgendwann nicht mehr geben muss, weil eine diverse Kinokultur in Zukunft selbstverständlich ist.

Infos
Das Black Film Festival Zurich findet vom 28. bis 30. Mai 2021 im Kino Houdini in Zürich statt. Neben Spielfilmen werden auch Dokumentationen, Science-Fiction-Filme und Kurzfilme gezeigt. Nach dem Motto «Schmuckstücke vor Grossproduktionen» wird auf eine sorgfältige Auswahl Wert gelegt. Geplant ist ebenfalls ein Podium, das sich mit der Thematik «Black Cinema» beschäftigt, ein Q&A mit dem Regisseur von «White Colour Black» sowie ein Stadtrundgang mit dem Verein Zürich Kolonial . Falls die Kinos bis zu diesem Zeitpunkt ihre Türen noch nicht öffnen dürfen, wird das Festival in einem kleineren Rahmen online durchgeführt.

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