Bienensterben: Summendes Super-Insekt in Gefahr

Seit einigen Jahren beschäftigt das Bienensterben die Bevölkerung. Die fleissigen Insekten sind in vielen Belangen wichtig für unsere Umwelt. Einmal mehr ist der Mensch Problem und Lösung zugleich.
21. September 2019
Praktikantin Redaktion

Sterben die Bienen aus, stirbt vier Jahre später auch die Menschheit aus, soll Albert Einstein einst gesagt haben. Zwar kann nicht bewiesen werden, dass diese Worte aus dem Mund des viel zitierten Wissenschaftlers stammen, so ganz unwahr sind sie trotzdem nicht. Bienen sind wichtig für die Umwelt, und somit auch für uns Menschen. Spätestens nach dem Erfolg des Schweizer Dokumentarfilms «More Than Honey – Bitterer Honig» im Jahr 2003, ist die Wichtigkeit der summenden Tierchen ins kollektive Bewusstsein gerückt.

Ohne Bienen, keine blühende Zukunft

Die Angst um das Bienensterben hat aber nicht zwingend mit Tierliebe zu tun. Es geht um viel Geld. Über 290 Milliarden Schweizer Franken, um genau zu sein. Zwischen fünf und acht Prozent der weltweiten landwirtschaftlichen Produktion sind von der Bestäubung der Bienen abhängig. Kulturpflanzen wie zum Beispiel Kakao oder Vanille werden sogar ausschliesslich von Bienen bestäubt. Auch viele Obst- und Gemüsearten würde es bei einer Extinktion der fleissigen Helferinnen in diesen Mengen nicht mehr geben. Bedeutet: Wir müssten auf ein ganzes Drittel des bisherigen Angebots an Nutzpflanzen verzichten.

Von den indirekten Folgen für uns Menschen mal abgesehen, ist die Pflanzen- und Tierwelt direkt von den negativen Auswirkungen betroffen. Viele Pflanzenarten werden nur von Bienen bestäubt. Es würde also auch zu einem massiven Biodiversitätsverlust kommen, wenn es die Bienen nicht mehr gäbe. Und da Flora und Fauna eng miteinander verknüpft sind, wären durch den Verlust der Pflanzenarten auch viele Tierarten in Gefahr.

Biene ist nicht gleich Biene

Wenn vom Bienensterben gesprochen wird, muss zwischen Honig- und Wildbienen differenziert werden. Nicht beide Bienenarten sind gleich bedroht. Zwar wird im Film «More Than Honey» hauptsächlich das Sterben der europäischen Honigbienen thematisiert, problematisch sei aber vor allem das fortschreitende Verschwinden der Wildbienen, schreibt die Schweizer Organisation wildbee.ch auf ihrer Website. Während die Honigbiene durch die Honigproduktion für uns Menschen einen Nutzen bringt, lagert die solitär lebende Wildbiene ihren Nektar nicht ein. Somit fehlt auf den ersten Blick einen Grund, die wilde Schwester der Honigbiene aktiv am Leben erhalten zu wollen.

Dieser erste Blick täuscht: Wie die Honigbiene, ist auch die Wildbiene eine wichtige Playerin im Spiel der Biodiversität. Etwa 30 Prozent der Wildbienen-Arten stehen mit einer spezifischen Pflanze in Symbiose – sie sind also voneinander abhängig. Stirbt die Wildbiene, stirbt auch die Pflanze. Mittlerweile stehen viele Wildbienen-Rassen auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten. Honigbienen hingegen seien, zumindest in der Schweiz, nicht bedroht, sagt Anna Hochreutner von der Stadtimkerei Wabe3.

Wenn Tiere Landflucht betreiben

«Die Schweiz gehört zu den Ländern mit der höchsten Bienendichte Europas», so die Imkerin. Gemäss Angaben des Bundes gibt es schweizweit insgesamt 17'500 Personen, die Bienenvölker halten: grösstenteils Hobbyimker*innen. Nur eine Handvoll Bienenhalter*innen können vom Ertrag leben. Ein Volk produziert durchschnittlich 20 Kilogramm Honig pro Jahr.

Anna Hochreutner und Tom Scheuer von Wabe3 haben ihr Hobby zum Beruf gemacht. Seit sechs Jahren betreuen sie Bienenvölker an mittlerweile 12 Standorten verteilt in der Stadt Zürich – und es werden immer mehr. Da mag die Frage aufkommen: Was wollen die Bienen in der Stadt?

«Die Bienen mögen die Blütenvielfalt, die ihnen der urbane Lebensraum bietet», sagt Hochreutner. Auf dem Land mache den Insekten die horrende Anzahl an Monokulturen zu schaffen, denn dies bedeute eine begrenzte Zeit, in der das Nahrungsangebot ausreichend ist. Die Pflanzendiversität, die es in den Städten gibt, wirke sich positiv auf das Immunsystem der Bienen aus, so die 34-Jährige. Ausserdem ist die Pestizidbelastung auf dem Land um einiges höher als in der Stadt. Viele Bauern behandeln ihre Felder oder Obstplantagen mit Pflanzenschutzmittel. Diese machen die Bienen zum einen orientierungslos, zum anderen krank.

Kleiner Feind, grosser Aufwand

Hauptursache für das Sterben der Wildbienen ist neben der Pestizidverschmutzung das Fehlen von Nahrungs- und Nistangeboten. Hinzu kommt der Befall von Parasiten, welche bei einer Schwäche des Immunsystems ein leichtes Spiel haben. Bei den Honigbienen ist es vor allem die Varroamilbe, die Imker*innen Sorgen bereitet. Die Milbe vermehrt sich in der Brut im Bienenstock und kann zur Auslöschung eines ganzen Volkes führen. Einst nur in Asien heimisch, wütet der Schädling, eingeschleppt durch den Menschen, seit Ende des 19. Jahrhunderts auch in westlichen Breitengraden.

In den Monaten von April bis August ist die Betreuung der Völker am aufwändigsten. Bild: Annie Spratt via Unsplash

Ein Varroamilben-Befall bedeutet für Imker*innen zusätzlicher Aufwand. Dies sei ein Grund, weshalb Wabe3-Betreiberin Hochreutner davon abrät, überstürzt mit dem Imkern zu beginnen. Seit die Thematik des Bienensterbens von den Medien aufgegriffen wurde, gebe es immer mehr Menschen, die sich Bienenstöcke zutun und wenige Monate später realisieren würden, wie aufwändig das Ganze ist. Sinnvoll sei, vorgängig einen Kurs zu besuchen, um einen Einblick in die Materie zu erhalten, empfiehlt die Imkerin: «Imkern ist ein tolles Hobby, es ist jedoch sehr zeit- und geldintensiv.»

Alternativ zu einem Bienenstock, stellt sich das Bienenhotel für Wildbienen als unkomplizierte und kostengünstige Variante heraus. Nur der Honig müsste weiterhin eingekauft werden.


Du willst einen Beitrag zur Erhaltung von Wildbienen leisten? Auf Future Planter kannst du dich darüber informieren, welche Pflanzen du am besten wo anpflanzt.

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