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Keine Reise ohne Pannen: In diesem Fall waren es satte 972.

Prime Time: Bewegung durch Stillstand

Ein Road Movie der etwas anderen Art: «972 Breakdowns – Auf dem Landweg nach New York» zeigt, wie wichtig eine Gemeinschaft aus vielen guten Seelen ist, um vorwärts zu kommen.
23. August 2021

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Text: Sarah Stutte

Es klingt genauso crazy, wie es letztendlich auf der Leinwand aussieht: Fünf junge Europäer und frischgebackene bildende Künstler verkaufen all ihren Besitz, lassen ihr altes Leben hinter sich und machen sich 2014 auf vier alten Ural-Motorrädern samt Beiwagen auf den 43'000 Kilometer langen Landweg von Deutschland nach New York. Niemand von ihnen hat zuvor Ahnung von Motorrädern oder Technik gehabt, wie in den ersten fünf Minuten erklärt wird. Das kann ja heiter werden, denkt man sich – und behält recht.

Anne, Efy, Elisabeth, Johannes und Kaupo kämpfen unterwegs mit insgesamt 972 Pannen. Einige davon werden durch handgemachte Illustrationen veranschaulicht – so wie auch der Fortschritt oder Unterbruch der Reise anhand einer animierten Karte deutlich gemacht wird.

Doch nicht nur die vielen «Breakdowns» scheinen die abenteuerliche Reise der fünf unmöglich zu machen. Auch andere Zwischenfälle erschweren das Unterfangen: Pseudo-Abkürzungen quer durch die sibirische Wildnis auf der berüchtigten «Road of Bones», die eiskalte offene See zwischen Russland und Alaska, Verletzungen und Unfälle, bald ablaufende Visa und ein schrumpfendes Budget sowie immer wieder die unberechenbare Natur. Das zerrt an den Nerven und lässt auch die optimistischsten Optimisten irgendwann an ihre Grenzen kommen.

Trotzdem wächst die Gruppe gemeinsam an den Herausforderungen und sucht letztlich immer wieder kreative Lösungen für die Probleme, anstatt alles hinzuschmeissen. So werden sie zu tüftelnden Mechanikern und Ärzten und bekommen dabei oft Hilfe von den Menschen vor Ort.

Elisabeth, die mit ihrer Kamera und Erzählstimme die Reise mehrheitlich festhält, bringt es treffend auf den Punkt: « Ich glaube, es sind die ganzen Pannen und Hindernisse, die diese Reise erst ausgemacht haben.» Die Dankbarkeit gegenüber denjenigen, die sie immer wieder am Strassenrand aufgelesen und sie unterstützt haben, wird am Ende des Films in den Erinnerungsfotos deutlich.

Man spürt Herzblut, Schweiss und Tränen.
Sarah Stutte, Kultz Redaktorin

«972 Breakdowns» sind 115 spannende Minuten über ein fast drei Jahre andauerndes verrücktes Projekt, in teilweise berauschend-faszinierenden Bildern, die sofort Lust aufs Reisen machen.

Doch genauso ist das Ganze ein liebevoll-filmisches Gesamtkunstwerk geworden, was sich neben den Animationen auch im eigens produzierten Soundtrack niederschlägt. Das ganze Herzblut, den Schweiss und die Tränen der Reise spürt man somit auch in der Dokumentation darüber, was diese nur umso wertvoller werden lässt.


«972 Breakdowns», ab jetzt im Kino Riffraff

Regie: Daniel von Rüdiger

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