Tsüri-Fäscht 🕺🏽💃🏽

Besuch im Sexkino: Buntes Treiben auf und neben der Leinwand

Ein Erfahrungsbericht
30. Januar 2015

Erst kürzlich musste der Stüssihof seine Tore schliessen. In der Folge wurde das Aussterben der Sexkinos in den Medien thematisiert. Mit Interesse las ich verschiedene Beiträge.

Einige Journalisten erzählen von sehr skurrilen Szenen, sodass sie mitunter das Kino nach wenigen Minuten verlassen mussten. Nun, was mag das für ein Ort sein, an dem sich Journalisten derart irritiert fühlen, um jenen Raum fluchtartig verlassen zu müssen? Und: Was ist denn eigentlich der Reiz an einem Sexkino in Zeiten von Youporn, Xnxx und Co.?

Als mentale Vorbereitung auf meinen Besuch im Kino Walche stiess ich im Internet bald auf die Seite www.sexforum.ch. Zuerst musste ich mich an die Sprache und an diverse Abkürzungen gewöhnen. Was Dreibeiner sind, verstand ich ziemlich schnell, andere Bezeichnungen waren mir nicht sehr geläufig. Die Sprache ist mehrheitlich vulgär, und die Kommentare erwecken Lust, weiter zu lesen. Manche Leute beklagen sich, dass viel zu wenig los sei, andere können kaum genug von ihren geilen Erlebnissen erzählen.

[Screenshot von sexforum.ch nicht mehr vorhanden]

Also machte ich mich auf den Weg ins Sexkino Walche, um mir selber ein Bild des Geschehens zu machen. Wie auf der Webseite sehr einleuchtend beschrieben, nahm ich den Seiteneingang.

Die Kassiererin schaute mich etwas verwundet an, sie musterte mich bereits, als ich noch nicht an der Kasse war. Oder bildete ich mir das etwa nur ein?

Eigentlich wollte ich meinen Studentenausweis nicht zeigen, aber irgendwie fand ich es witzig, in einem Sexkino Studentenrabatt zu bekommen. Ich bezahlte mit schwitzenden Händen das Ticket und verschwand möglichst lautlos im Innern.

Auf dem Programm standen: «Fucked Disorderly», «Geile Sekretärinnen» und «Sex in den Bergen». Ich versuchte unauffällig zu wirken und so zu tun, als ob für mich ein Besuch im Walche ganz normal sei. Doch bevor ich in einen der drei Kinosäle gelangte, schaute mich ein älterer Mann mit lüsternem Blick an. Ich merkte, wie mir dabei unwohl wurde, denn ich konnte seine Blicke nicht genau einordnen. Aber was erwartet man, wenn man in ein Sexkino geht? Um nicht ganz verloren dazustehen, ging ich rasch in einen der drei Säle. Zu meinem Erstaunen war der Saal fast leer. Ich setzte mich in die hinterste Reihe um erstmal anzukommen. Der Film «Sex in den Bergen» war gerade fertig und fing darum von neuem an. Inzwischen hatte sich der Saal etwas gefüllt. Einige standen nur im Gang und verschwanden wieder, andere setzten sich einzeln in irgendeine Reihe.

Sperma auf den Sitzen
Tausend Gedanken gingen mir durch den Kopf. Nur langsam wagte ich meinen starren Blick von der Leinwand abzuwenden und mich etwas umzusehen. Dadurch viel mir auf, dass es vereinzelt Spuren von getrocknetem Sperma hatte, was das Sitzen auf meinem Stuhl auch nicht gerade angenehmer machte.

Ein Mann setzte sich in meine Nähe. Zuerst langsam dann immer schneller bewegte er seine Hand in seiner Hose. Als er sein Geschäft beendet hatte, warf er das benutzte Taschentuch zu Boden, und weg war er.

Durch diese Szene war ich endlich im Sexkino angekommen und ich dachte mir, nichts könne mich noch schockieren hier. Danach suchte ich den viel besagten Saal 1 auf, wo immer viel los sein soll. Dem war auch so. Ich beobachtete eine Prostituierte, wie sie verführerisch einem Herrn ihre Dienste anzubieten versuchte, jedoch ohne Erfolg. Arglos wendete sie sich einem anderen potenziellen Kunden zu. In der hintersten Reihe befanden sich, in einer Einzelbox zwei Männer, die sich gegenseitig befriedigten.

[Bild vom Kino Walche nicht mehr vorhanden]

«Na Süsser, bist du neu hier?»
Hier läuft offenbar das grosse Kino. Also setzte ich mich in die zweitletzte Reihe, um das Treiben näher zu beobachten. Dies war leider ein grosser Fehler, den ich erst bemerkte, als sich jemand in die Reihe hinter mich setzte, und ich Geräusche hörte, von denen ich nur annehmen konnte, worum es sich eben handelte. Etwas fünf Minuten später fragte mich die oben erwähnte Dame mit tiefer männlicher Stimme: «Na Süsser, bist du neu hier?» Mist, wirkte ich doch nicht so entspannt, wie ich mir das gedacht hatte? Zum Glück konnte ich sie ziemlich schnell abwimmeln. Ich verweilte noch eine halbe Stunde in jenem Saal und wurde etliche Mal lüstern angeschaut und drei Mal diskret angesprochen. Darauf beendete ich meinen Rundgang, indem ich die Einzelkabinen besichtigte, worin man allerlei vorstellbare Sexfilme anschauen und sich vergnügen kann.

Auf dem Weg nachhause revidierte ich mein Bild des typischen Sexkinogängers: alt, lüstern, ungepflegt. Das Publikum bestand zwar fast nur aus Männern, wovon aber die meisten einen sehr gepflegten Eindruck machten. Auch das Durchschnittsalter überraschte mich, war doch etwa die Hälfte der Besucher um die Dreissig. Mir wurde auch klar, dass dies ein ganz spezieller Ort ist, wo die Besucher ihren sexuellen Phantasien und Ausrichtungen freien Lauf lassen können. Einige suchen nach einem Partner und andere konsumieren das Angebot für sich allein.

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