13. Mai 2022 um 11:41

Dieser Artikel ist eine Promotion

Anja Derungs: «Wir sind immer sehr nahe bei den Menschen»

In der fünften Folge des Podcast «Arbeiten für Zürich» stellt sich Anja Derungs, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich, den Fragen. Was hat die Plattform «Zürich schaut hin» bisher bewirkt? Wo stehen wir punkto Gleichstellung? Und was hat Übersetzungsarbeit damit zu tun?

Anja Derungs leitet die Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich – diese sei auch mal der «Stachel im Fleisch» und müsse unbequem sein. (Foto: Renate Wernli)

«Frauenrechte sind Menschenrechte, Transrechte sind Menschenrechte. Wir setzen uns für die Gleichstellung ein, weil wir es wichtig finden, vor allem aber, weil wir einen gesetzlichen Auftrag haben», erklärt Anja Derungs, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich. Die Fachstelle setzt sich ein für die Gleichstellung von Frauen und Männern, von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans und intergeschlechtlichen Menschen in der Verwaltung und in der Bevölkerung.

Gleichstellungsarbeit ist oft Übersetzungsarbeit

Das Thema beschäftigte Anja Derungs schon während ihrer Schulzeit. Bevor sie sich beruflich damit auseinanderzusetzen begann, liess sie sich zur Übersetzerin ausbilden und arbeitete lange Zeit in unterschiedlichen Branchen und Funktionen. Vor zehn Jahren führte sie ihr beruflicher Weg zur Stadt Zürich, wo sie die Leitung der Fachstelle für Gleichstellung übernahm. An ihrer Arbeit schätzt sie vor allem die Themenvielfalt. Sie leistet noch heute Übersetzungsarbeit, indem sie etwa Ratsuchenden komplizierte rechtliche oder wirtschaftliche Sachverhalte auf möglichst einfache Art und Weise erklärt.

Gesetzlich verankerter Auftrag

Seit 1981 ist in der Bundesverfassung die Gleichstellung von Frau und Mann verankert. Die Stadtzürcher Fachstelle erhielt 1989 an einer Volksabstimmung den gesetzlichen Auftrag, sich für die Gleichstellung zu engagieren. Als Vorreiterin bei etlichen Themen erhielt die Stadt Zürich als erste staatliche Organisation Anfang 2020 das Swiss LGBTI-Label*. Auch in ihrer Führungsposition ist Anja Derungs stark ins operative Geschäft eingebunden. «Wir haben den Auftrag, zu informieren, zu beraten und zu vermitteln. Daher sind wir immer sehr nahe bei den Menschen. Im direkten Kontakt hören wir ihre Geschichten. Spannend ist immer auch, dass sich von der einzelnen Geschichte der strukturelle Hintergrund ableiten lässt.»

Unbequemes anpacken

Auch wenn sich hinsichtlich Gleichstellung in den letzten Jahren einiges getan hat, geht die Arbeit nicht aus, weiss die Leiterin der Fachstelle zu berichten: «Errungenschaften hat man nicht einfach, sondern man muss beharrlich dranbleiben. Es erfordert viel Frustrationstoleranz, da es nicht immer nur vorwärts geht.» Die Fachstelle macht auf Ungleichbehandlungen aufmerksam. «Es ist unbequem, wenn wir wegen einer Beschwerde mit jemandem Kontakt aufnehmen. Zudem sind Veränderungen hin zur Gleichstellung immer mit Widerstand verbunden.»

Zu den herausfordernden Themen gehören Belästigungen am Arbeitsplatz und im öffentlichen Raum. Seit Mai 2021 können solche Übergriffe über die Online-Plattform «Zürich schaut hin» gemeldet werden. Belästigungen sollen ernst genommen und sichtbar gemacht werden. Ziel ist, dass sich durch verschiedene Massnahmen die Menschen im öffentlichen Raum angstfrei bewegen können.

Um den Gleichstellungsgedanken vermehrt in der Gesellschaft zu verankern, setzt Anja Derungs vor allem auf die Jugend. «Gleichstellungsthemen sind Alltagsthemen, die sehr präsent sind. Eine kantonale Umfrage bei Jugendlichen zeigte, dass Gleichstellung eines der Topthemen ist. Ich glaube schon, dass sich da etwas verändert hat, einfach, weil es einen persönlich betrifft.»