An alle versifften Bubis: An dieser Party wirst auch du erwachsen

Samstag an der Grubenstrasse 15
30. Juni 2015
Linda Landolt braucht eine halbe Stunde und unzählige Versuche, bis ihre Zigarette endlich brennt. Ihr Mund ist mit Reden beschäftigt und hat drum keine Zeit, am Glimmstängel zu ziehen. Wir sitzen im Kafi Lang und plaudern zwei Stunden – respektive Linda plaudert zwei Stunden. Zwischen zwei Absätzen nippt sie am Eistee.

Peter Pan – darum geht also die Party am 4. Juli in der Zwischennutzung an der Grubenstrass 15, die Linda Landolt mit der Party Partei organisiert – besser gesagt um das Peter-Pan-Syndrom. Also die Angst vor dem Erwachsenwerden. Wer am Peter-Pan-Syndrom leidet, kann nicht mit Verantwortung umgehen, ist sexuell unsicher, narzisstisch veranlagt, einsam und chauvinistisch.

Warum genau will eine junge emanzipierte Frau dieses Syndrom zu ihrem Partymotto machen? Natürlich heisst sie nicht Peter-Pan-Syndrom-Party – das wäre zu wenig sexy – sie heisst «GROWING UP IS OPTIONAL».




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Sexuelle Wegwerf-Beziehungen Alles, wofür das Peter-Pan-Syndrom steht, kritisiert Linda Landolt, die Gründerin der Party Partei. Alle diese versifften Stadtzürcher, die sich mit aller Kraft gegen das Erwachsenwerden wehren. Diese menschliche Kälte, zu der wir erzogen wurden. Die Einstellung, dass jeder für sich selber schauen muss. Die Wegwerf-Mentalität selbst bei freundschaftlichen, sexuellen und romantischen Beziehungen.

Wenn Linda sieht, wie viel Potenzial gewisse Menschen «verhängen», macht sie das traurig. Das sei eine kapitalistische Argumentation, erwidere ich. Falsch, sagt Linda. Es gehe nicht um wirtschaftliches Potenzial oder darum, diesem oder jenem Karriereziel nachzurennen. Es gehe vielmehr darum, zu merken, was man kann und was man eigentlich will im Leben.

Wo wir denn hinkommen, mit all diesen Bubis, fragt Linda – sind das die Väter der Zukunft? Linda will einen richtigen Mann. Ich erwidere, das sei sexistisch. Falsch, erklärt mir Linda. Es gehe nicht um ein klassisches Rollenbild. Ein richtiger Mann habe ein Profil, einen Charakter und Werte, für die er einsteht.

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Ja, es tönt so, als sei Linda wütend und frustriert über unsere Gesellschaft und über unsere Männer. Doch das täuscht. Sie will einfach mehr – locker, fröhlich, ohne die Moralkeule zu schwingen und völlig entspannt.

Gemütliche Party auf drei Stöcken Linda will, dass wir uns alle gehen lassen und akzeptiert fühlen können. Spielen und Erwachsenwerden schliessen sich nicht aus. Genau da setzt die Party GROWING UP IS OPTIONAL an. Auf drei Stöcken sollen die Gäste an etwas Schönem teilhaben. Die Teilnehmer sollen sich wohl fühlen. Alles soll dann gemütlich eingerichtet sein. Mit Fumoir und Pyjama-Zimmer, um das heimelige und kindliche «Sleep-Over-Feeling» wecken zu können.

In einer schönen und liebevollen Umgebung verhalten sich die Menschen auch bewusster und sorgfältiger, ohne in ihrer Freiheit eingeschränkt zu werden, davon ist Linda überzeugt.

Erwachsen beim Sonnenaufgang? Doch wie soll eine riesige Party auf drei Stöcken das Zürcher Ausgehvolk davon überzeugen, endlich erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen? Von ihrer Arbeit mit Kindern weiss Linda: Wer eine Geschichte erzählt, erreicht mehr als wer auf eine Moralpredigt setzt. Also erzähle sie halt eine Geschichte: «Wir wollen zusammen etwas erleben. Wir wollen mehr als eine laute Party mit teuren Drinks und mieser Stimmung. Das Verspielte soll bei den Teilnehmern etwas auslösen und aufzeigen, dass man erwachsen werden und trotzdem lieb miteinander umgehen kann. Wir bieten den Rahmen, der Rest kommt von alleine.»

Wie sich diese Party von allen anderen Partys unterscheidet, muss sich am Samstag zeigen – abgesehen vom nicht kommerziellen Charakter und der durchdachten Einrichtung. Besonders gespannt bin ich, wie die versifften Bubis auf diese Umgebung reagieren werden. Werden sie mit dem Sonnenaufgang erwachsen? Haben sie sich den Narzissmus weggekokst? Und gehen sie – sexuell gesichert – liebevoll mit ihren One-Night-Stands um? Ich freue mich auf jeden Fall auf eine bunte Party. Wir werden sehen.

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