💌 1159 Member 💌

Einmal im Jahr verwandelt sich die Bäckeranlage in eine bunte Oase (Bild: zvg)

«Äms Fäscht»-Präsidentinnen: «Wir kämpfen weiter!»

Es gibt es also doch – das verflixte siebte Jahr. Das interkulturelle und antirassistische Äms Fäscht hätte nämlich diesen Samstag seinen siebten Geburtstag gefeiert. Aufgrund bekannter Umstände wird daraus in diesem Jahr leider nichts. Obschon die Limmatstadt am 1. August 2020 wohl nicht schlafen wird, fehlt am diesjährigen Nationalfeiertag die antirassistische und gesellschaftskritische Stimme des Äms Fäscht. Ein Gastkommentar.
01. August 2020

Text: Elena Marti und Mara Maggi


Doch – wir schweigen nicht. Das Äms Fäscht ist nämlich nicht einfach «nur» ein Fest. Jedes Jahr feiern tausende von Menschen gemeinsam mit uns eine offene, vielfältige und antirassistische Gesellschaft. Gerade die jüngeren, interkulturellen Generationen können mit den konstruierten Bildern vom Rütli, dem einig Volk von Brüdern (Schwestern werden meist schon gar nicht erwähnt) und der patriotischen Folklore nichts anfangen. Zu sehr widersprechen diese der eigenen Lebensrealität und Wertehaltung. Gemeinsam stellen wir uns darum am 1. August gegen Ausgrenzung, diffamierenden Hetzkampagnen und rassistische Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Wir sind dezidiert der Ansicht, dass Menschen, die nicht hier geboren, aus verschiedensten Gründen nun aber Teil unserer Gesellschaft sind, unsere Kultur bereichern und weiter bringen. Deshalb setzt sich das Äms Fäscht für Partizipationsprozesse und gleiche Rechte für alle ein. Denn, wie es der Journalist und Migrationsforscher Mark Terkessidis treffend auf den Punkt bringt: Alle Personen, die sich in einem Gemeinwesen aufhalten, partizipieren an dessen Zukunft. Wenn aber fortgesetzt die Individualität und Zugehörigkeit Einzelner in Frage gestellt oder bestritten wird, verlieren wir schlussendlich alle. Das Äms Fäscht anerkennt jeden Menschen, unabhängig von seinem Aufenthaltsstatus und seiner Staatsangehörigkeit, als rechtstragendes Individuum, das zur gesellschaftlichen Partizipation befähigt werden soll.

Unser Gesellschaftsbild dürfte damit viel näher an der Realität sein als irgendwelche – mit dem Ziel der Exklusion reproduzierten – Gründungsmythen. Mit dem Äms Fäscht wollen wir dieser kollektiven Lebensrealität am 1. August eine Plattform bieten. Das Bild der rechtschaffenden Schweizer*in, die sich ihren Wohlstand durch harte Arbeit allein erschaffen hat, muss dekonstruiert werden. Es ist Fakt, dass unser Wohlstand und die hohe Lebensqualität in der Schweiz ohne die jahrzehntelange (und fortlaufende) Ausbeutung von Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus sowie Menschen im globalen Süden nie zustande gekommen wären.

Es ist an der Zeit, dass wir allen Menschen in unserer Gesellschaft (oder lieber noch: weltweit) die gleichen Rechte gewähren und mit Respekt begegnen.

Das Äms Fäscht ist ein Fest für Alle. Deshalb gibt es weder Eintrittskontrolle noch Konsumzwang. Mit Beiträgen zu den Themen Migration, Asylwesen und Interkultur versuchen wir, dem bunten und generationenübergreifenden Zusammenkommen auf der Bäckeranlage politischen Tiefgang zu verleihen. Gerade in diesem Jahr wäre dies wichtiger denn je: Zum fünfzigsten Mal jährt sich 2020 die rassistische Schwarzenbach-Initiative und die rechtskonservativen Parteien fahren weiterhin diesen Kurs. Im Herbst gilt es daher entschieden NEIN zur Begrenzungsinitiative der SVP zu sagen. Die diesjährige «Black Lives Matter» Bewegung hat sodann aufgezeigt, dass es zu einer antirassistischen Gesellschaft noch ein weiter Weg ist.

Der Kampf geht weiter. Nicht nur gegen den strukturellen Rassismus, sondern auch gegen die Ausbeutung des globalen Südens. Das Äms Fäscht unterstützt darum die Konzernverantwortungsinitative und kämpft für ein JA an der Urne am 29. November 2020. Schliesslich hat die Coronakrise die Prekarisierung der Menschen an der Aussengrenze Europas nochmals verschärft. Die Migrationskrise ist nach wie vor ungelöst. Wir fordern die Schweiz zusammen mit Europa auf, endlich ihre Verantwortung wahrzunehmen und geflüchteten Menschen Schutz zu bieten.

Wir hoffen, Euch – wie auch uns – geht die Kraft, der Wille und die Zuversicht zum zivilgesellschaftlichen Widerstand noch lange nicht aus. Denn - es gibt noch viel zu tun. Bleibt also gesund, bleibt kritisch, geniesst die schönen Seiten des Lebens und seid Euch aber gleichzeitig bewusst, dass viele von uns einfach verdammt viel Glück hatten, hier geboren worden zu sein.

Wir freuen uns, Euch am 1. August 2021 wieder auf der Bäcki anzutreffen!

Das Co-Präsidium Äms Fäscht
Elena Marti und Mara Maggi

Kommentare

Nöd Jetzt!