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«Alli Zürcher so voll usm Hüsli» – So crazy feierten Zürcher*innen im letzten Jahrhundert

Wer denkt, Zürcherinnen und Zürcher des vergangenen Jahrhunderts seien stets brav zuhause gesessen und hätten sich der Arbeit und der Kindererziehung gewidmet, irrt sich gewaltig.
18. Januar 2017

Denn früher war ja sowieso alles besser und feiern konnte man noch richtig, denn es gab genug Anlass dazu. Crazy Zeppelin am Himmel? Partytime! Arschkalt und gefrorener Zürisee? Partytime!

Und auch wenn es noch keine Streetparade gab, am Sechseläuten oder am Zürifäscht hatten Bewegungswütige genug Gelegenheit, das Tanzbein zu schwingen!

«Gruss an Zürich aus dem Luftschiff von Graf Zeppelin»

Auch ein Zeppelin gibt Grund genug zum Feiern
Quelle: 1908, ETH-Bibliothek Zürich, Fotograf unbekannt

Euphorisch ging es am 1. Juli 1908 in Zürich zu und her: Damals wurden die Bewohner Zeugen des ersten motorisierten Luftfahrzeugs über der Stadt. Der monströse Zeppelin kam von Horgen her und näherte sich bis auf 50 Metern der Quaibrücke. Die Piloten warfen ein paar Kartengrüsse aus der Personenkabine mit «Grüsse an Zürich aus dem Luftschiff von Graf Zeppelin». Doch die Fahrt dauerte nicht lange, denn wenig später explodierte der Zeppelin in einer Obstplantage. Aber hey, Grund für eine Zeppelin-Party gab’s trotzdem...

Besser als Xtra!

Party der Eiskunstläufer
Quelle: 1908, ETH-Bibliothek Zürich, Fotograf: Photoglob AG (Zürich)

Besser als jede Rollschuh-Disco im Xtra war natürlich die Seegfrörni 1929 und 1963 – ein Grossereignis. Besonders 1963, denn damals war der Ansturm so gross, dass es in den Kantonsstrassen am rechten Seeufer zum totalen Verkehrskollaps kam. Die Polizei überflog das Gebiet mit Helikoptern. Ab dem 1. Februar ging es dann erst richtig los: Ein Volksfest wird gefeiert, einen ganzen Monat lang... und irgendwelche crazy Typen dachten sich «YES, ENDLICH kann ich mit meinem Kamel auf dem See Gassi gehn und ein paar Mädels aufreissen!»

He geil, endlich chani mis Huuskamel usfüehre!
Quelle: 1963, ETH-Bibliothek Zürich, Fotograf: Jack Metzger

Alle Zürcher so voll «usm Hüüsli»

Als Mann noch tanzen konnte.
Quelle: 1956, ETH-Bibliothek Zürich, Fotograf: Candid Lang

1956, das dritte Züri Fäscht beginnt. Damals noch eröffnet mit Salutschüssen und begleitet von einem Grossaufgebot von Reportern des Schweizer Fernsehens, die den Grossanlass in der Stadt kommentieren. «Jetzt sind alli Zürcher zudä Hüüser us, oder mer chan au säge zum Hüüsli us» heisst es in der Reportage.
Gefeiert wurde mit Steine schleudern und Geschirr werfen. Und 1956 war die Zeit, in der man noch anständig das Tanzbein schwingen konnte und seine Partnerin – ob sie nun wollte oder nicht – auf die Tanzfläche geschleift hat. Das nächste Bild, auch vom Züri Fäscht, bleibt unkommentiert (wegen mangelnder Kommentarideen, die «1956-Kniestrümpfe-Dauerwellen»-Konform sind...)

äh, ja...
Quelle: 1956, ETH-Bibliothek Zürich, Fotograf: Candid Lang

Winter verpiss dich!

Als das «Sächsilüüte» noch die Streeparade mimte.
Quelle: 1949, ETH-Bibliothek Zürich, Fotograf: Comet Photo AG (Zürich)

Ja, das ist die Bahnhofsbrücke und nein, das ist nicht die Streetparade. Zürich 1949, ohne wummernde Bässe, sondern mit brennendem Böög: Das Sechseläuten. Der Böög stand damals in bedrohlicher Schieflage, brannte aber bis zum bitteren Ende.
Auch 1949 waren es schon die verschiedenen Zünfte, welche jeweils die After-Parties zum eskalieren brachten. Laut der Zunft «Zu den Drei Königen» zog man abends um die Häuser und die nächtlichen Streifzüge endeten oft mit unangenehmen Zwistigkeiten oder Schlägereien...

Böög in gefährlicher Schieflage.
Quelle: 1949, ETH-Bibliothek Zürich, Fotograf: Comet Photo AG (Zürich)

Sächslüüte auf einer Luftaufnahme.
Quelle: 1949, ETH-Bibliothek Zürich, Fotograf: Werner Friedli

Fasnacht als Grossereignis

1950 wurde die Fasnacht in Zürich noch gross gefeiert, wie hier bei einem Umzug in der Innenstadt.

Sensation!
Quelle: 1950, ETH-Bibliothek Zürich, Fotograf: Comet Photo AG (Zürich)

Das nächste Bild stammt auch von der Fasnacht, aber von 1968 und mit einem bisschen Party-müden Fasnachtsvolk. Doch müde sind sie nicht ganz zu unrecht, denn das Bild wurde in den frühen Morgenstunden aufgenommen und trägt den Titel «Fasnachtsstimmung im Bahnhofbuffet – Am Morgen nach der letzten Fasnachts-Nacht»

Bahnhofbuffet am Bränne
Quelle: 1968, ETH-Bibliothek Zürich, Fotograf: Comet Photo AG (Zürich)

Wo Amors Pfeil die Wissenschaftler traf...

Nein, das ist kein Smartphone, sondern ein Schminkspiegel!
Quelle: 1955, ETH-Bibliothek, Fotograf: Candid Lang

Und zu guter Letzt, die Verabredung der Superlative, der grösste Ball der Schweiz, die Party des Jahres für alle Nerds: Der Polyball! Wann genau der allererste Polyball stattgefunden hat, ist nicht klar, womöglich in der Zeit um 1880. Der grösste Ball der Schweiz polarisierte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Vorstand des Studierendenverbands in den 1970ern wollte den Ball abschaffen. Zu wild ging es zu und her, vor allem wenn Professoren zusammen mit Studenten feierten. So hiess es oft in damaligen Zeitungsberichten, dass Athene, die Göttin der Wissenschaft, für eine Nacht Apollo und den Musen den Platz geräumt hat und Amor mit seinen Liebespfeilen beschäftigt durch die Gänge der ETH wandelte. Ob es heute auch noch so wild zu und her geht wie damals?

Da hat Amors Pfeil wohl schon getroffen.
Quelle: 1955, ETH-Bibliothek Zürich, Fotograf: Brechbühl

Die Verabredung der Superlative
Quelle: 1955, ETH-Bibliothek Zürich, Fotograf: Comet Photo AG (Zürich)

Wer nicht tanzen kann, schaut eben beim Tanzen zu.
Quelle: 1981, ETH-Bibliothek, Fotograf: Markus Hässig

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