Alles Streber? Schüler*innen gehen für mehr Bildung auf die Strasse

#KeLoscht auf Bildungsabbau! Mit diesem Slogan demonstrieren Schüler*innen landesweit gegen den Spardruck im Bildungswesen. Auch in Zürich fand ein bunter und lauter Umzug statt.
05. April 2017

«Wir sind mit dem Leistungsabbau bei der Bildung und dem daraus resultierenden Verlust von Chancengleichheit nicht einverstanden», gibt Samuel Zbinden am Telefon mit Tsüri zu versehen. Samuel ist einer der Schüler*innen, die die Aktion #KeLoscht von Luzern aus ins Rollen brachte. Er hat noch drei Wochen Schule vor sich, bevor er die Maturaprüfungen antritt. Doch heute gehts nicht nur um ihn, sondern um alle, die in der Schweiz zur Schule gehen.

«Unser Protest soll die Bevölkerung auf die aktuellen Sparmassnahmen im Bildungswesen sensibilisieren», fasst Timothy Oesch das Ziel der heutigen Demonstration in Zürich zusammen. Er organisierte zusammen mit sechs weiteren Schüler*innen den Protestumzug hier. «Unsere Forderung den Bildungsabbau zu stoppen, stellen wir aber an jede Kantonsregierung, nicht nur an jene in Zürich», so Timothy. Der Dialog zwischen Schüler*innen und der Regierung müsse unbedingt angeregt und langfristig ausgebaut werden. «Es gilt, jetzige und zukünftige Sparmassnahmen abzuwenden», sagt er.

Der Medienrummel um Timothy Oesch, Mitorganisator vom Umzug in Zürich, war riesig.

Für viele der Protestierenden ist Bildung eine der wichtigsten Ressourcen, die die Schweiz zur Verfügung habe. Ein Abbau sei daher nicht hinzunehmen. Samuel Zbinden störe es dabei am meisten, wenn die Chancengleichheit im Bildungssystem nicht mehr gewährleistet sein können: «Das heisst, wenn es Eltern mit zwei, drei Kindern nicht mehr möglich ist, alle von ihnen ins Gymnasium zu schicken, weil dies zu teuer wird.» Er selbst habe während seiner Schulzeit beobachtet, wie Leistungen Stück für Stück abgebaut wurden und die Schule Jahr für Jahr teurer wurde. «Darum ist Bildungspolitik für mich wichtig. Einerseits will ich verhindern, dass der Druck auf kommende Schülergenerationen noch grösser wird und andererseits möchte ich allen klar machen, wie wichtig Bildung ist.»

An Slogans mangelte es den Demonstrierenden nicht.

Es werde an den falschen Orten gespart, meint auch Annalena, eine Schülerin, die am Umzug teilnimmt. «Wir sind jung und können daher noch nicht wählen. Wir wollen aber trotzdem zeigen, dass wir eine Meinung haben und bereit sind uns zu engagieren», erklärt sie.

Auf Anfrage von Tsüri teilt uns Silvia Steiner, Bildungsdirektorin im Kanton Zürich, mit, dass sie sich über den Einsatz der Schüler*innen für ein starkes Bildungswesen freue. Die bevorstehenden Sparmassnahmen begründet sie durch den gesetzlichen Auftrag, die Kantonsfinanzen im Lot zu halten. «Deshalb haben wir die Bildungsausgaben eingefroren, einzelne Leistungen überprüft und angepasst.»

Ob die jungen Demonstrierenden das als akzeptable Lösung hinnehmen, wird sich zeigen. Gemäss Timothy formiere sich zur Zeit eine Arbeitsgruppe, die mit der Regierung Kontakt aufnehmen wird um die Anliegen der Schüler*innen dort anzubringen. «Wir sind bereit, eine gemeinsame Lösung zu finden», fasst er die Haltung der Anwesenden zusammen.

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