Goldener Tampon: Der Preis für die sexistischste Berichterstattung 2018 geht an…

Aktivistin.ch verleiht zum zweiten Mal den «Goldenen Tampon» für die sexistischste Berichterstattung des Jahres. Der Preis wurde am Montag den «Schaffhauser Nachrichten» übergeben.
18. Dezember 2018

Am Montagabend hat der Verein Aktivistin.ch zum zweiten Mal den «Goldenen Tampon» verliehen. Den Preis bekommt, wer die sexistischste Berichterstattung des Jahres abliefert. Gewonnen haben in diesem Jahr die «Schaffhauser Nachrichten».

Illustrator Pascal Coffez hatte am 20. August 2018 für die Zeitung eine Karikatur über SP-Vizepräsidentin Tamara Funiciello gezeichnet. Sie zeigt eine übergrosse, monströse Tamara Funiciello mit nacktem Oberkörper, die den «079»-Rappern Lo & Leduc ihre (notabene richtige) Telefon-Nummer zuschreit.

Zum Abdrucken der Nummer konstatierte die WOZ: «Im Kontext der Karikatur kommt es einem Aufruf zur Belästigung gleich, es ist, ob beabsichtigt oder nicht, eine Aufforderung an den Mob. Und so wird es auch verstanden. Die Karikatur findet denn auch in den sozialen Medien schweizweit Verbreitung. Die Juso-Chefin wird mit Drohungen und Hass eingedeckt.»

Der Presserat wurde im Fall der Karikatur ebenfalls aktiv und wird seine Stellungnahme voraussichtlich noch in diesem Jahr veröffentlichen, gemäss Ursina Wey, Leiterin der Geschäftsstelle.

[Update: Die Stellungsnahme ist am 31.12.2018 erschienen. Der Presserat stellt darin fest, dass die «Schaffhauser Nachrichten» mit Veröffentlichung von Funiciellos Telefonnummer gegen den «Schutz der Privatsphäre» verstossen haben.]

Aktivistin.ch übergab den Preis zusammen mit Unterstützung des Frauenstammtischs Schaffhausen und den Jungsozialist*innen den «Schaffhauser Nachrichten». Chefredaktor Robert Blanck wollte den Preis nicht persönlich entgegennehmen, eine Mitarbeiterin übernahm diese Aufgabe. Danach haben die Aktivist*innen ein Weihnachtslied zum Thema Sexismus zum Besten gegeben.

Anlass zur Veröffentlichung der Karikatur ist Funiciellos Rede als Reaktion auf die gewalttätigen Angriffe auf Frauen* in Genf diesen Sommers. In dieser bezeichnet sie den Sommerhit «079» der beiden Rapper als Stalking-Geschichte, in der das «Nein» einer Frau als Aufforderung verstanden wird, es immer wieder zu versuchen.

Als Antwort auf diesen Nebensatz in einer siebenminütigen Rede folgt ein beispielloser Shitstorm, welcher seinen Höhepunkt in der genannten Karikatur findet – inklusive Verletzung der Persönlichkeitsrechte Funiciellos mit dem Öffentlichmachen ihrer Telefonnummer.

Aktivistin.ch erklärt die Wahl der Tampon-Gewinnerin wie folgt: «Feministinnen* als hässliche, hysterisch schreiende Frauen* darzustellen, reproduziert alte, abgegriffene Stereotypen. Es stellt Aktivismus für Frauen*rechte als übertrieben und unbedeutend dar. Die wichtigste Botschaft der Rede Funiciellos, also gegen Gewalt an Frauen, findet keine Beachtung, obwohl dies die Kernaussage ihrer Rede darstellt».

Funiciello selbst antwortete auf den damaligen Shitstorm wie folgt: «Ihr Haters und Patriarchen, ihr könnt versuchen uns still zu kriegen. Ihr könnt uns jagen und drohen. Wir gehen nicht mehr weg. Wir werden nicht mehr leise sein. Wir lassen uns nicht einschüchtern. Also fuck off.»

Titelbild: zVg

Redaktor

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