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9 Gründe im Sommer ins Kino zu gehen

11. Juli 2016

1. Kino ist besser als Balkonien

Wenn du diesen Sommer Zeit fürs Kino hast, dann bloss, weil du deinen Freunden nicht nach Bali folgen konntest. Überhaupt ist Bali längst so überlaufen wie die Quaibrücke am Züri Fäscht. Kein Grund also, dem Balkonfieber zu erliegen, denn der Kinosessel ist ein besseres Verkehrsmittel als Schiff oder Flugzeug. Für den Bruchteil eines Flugtickets bringt er dich ohne Jetlag an jeden Punkt der Erde. Wenn du magst bis auf den Mars und weit darüber hinaus.

2. Schönes Wetter ist überbewertet

Bis vor einigen Wochen litt der Sommer noch an Persönlichkeitsstörungen, und beehrt uns die Sonne mal mit ihrer Präsenz, ist es nicht besser. Ozon, Smog, Sonnenbrand, Hautkrebs, Wespen, Mücken, Wallungen und unkonzentrierte Mitmenschen. Alles klebt, alles schmatzt, alles riecht und siecht. Selbst Kaffeetrinken macht keinen Spass mehr. Beste Bedingungen, um sich ins schattige, klimatisierte Lichtspieltheater zurückzuziehen, wo einem nicht das Glacé unter der Zunge wegschmilzt.

3. Die dritte Dimension

Ist es nicht ein Wahnsinnsgefühl, wenn dir alles um die Ohren fliegt? Prügeleien, Autorennen, mordende Monster, Schwertkämpfe und Weltraumschlachten; dank der 3D-Brille ist man mittendrin statt nur davor. Jetzt könnte man argumentieren, dass diese Technologie im Arthouse nicht viel bringt, doch dahin verirrt man sich ja doch nur, um das Date zu beeindrucken. Und zu mehr romantischem Knistern haben französische Problemfilmchen noch selten geführt. Lieber zwei Tickets für die Bayformers kaufen, dann kuschelt sie sich bei den vielen Feuerblumen ganz fest in deine Arme.

4. Kinos sind die Kirchen der Neuzeit

Der Gang ins Kino ist ein spirituelles Erlebnis, dem man auch gerne mit einem umgefüllten Bier auf die Sprünge helfen kann. Wo sonst setzen sich Menschen hin, um sich für zwei Stunden vollständig auf etwas zu konzentrieren? In einer Welt der Ablenkungen einfach unbezahlbar. Man gibt sich einer höheren Macht hin, ohne zu wissen, wie und wann es enden wird. Kein Pausieren, kein Vor- oder Zurückspulen, kein Ladebalken, der die verbleibende Zeit verrät. Es existieren nur noch du und dieser Moment.

5. O-Ton

Auch wenn eine Menge Arbeit in Synchronisationen fliesst; nichts schlägt den Originalton. Amerikaner wie Briten investieren viel Liebe in Wortwitze und Sprachwendungen, was bei den Übersetzungen oft verloren geht oder zumindest verwässert wird. Leider bieten gerade die grossen Kinos immer seltener Originalfassungen an, was erstaunlich ist, bedenkt man die Allgegenwärtigkeit von Englisch in Beruf und Alltag. Klar kann man zuhause auf den Zweikanalton zugreifen, aber Kino ist immer die beste Fassung des Films. Dazu gehören auch die Feinheiten des Originaltons.

6. Zwinglistadt ist Kinostadt

Wir Zürcher sind derart süchtig nach Spielfilmen, dass wir uns ein eigenes Filmfestival leisten. Wir schätzen den abendfüllenden Film so sehr, dass wir mit unserem hart erarbeiteten Geld fast zwei Dutzend Kinos auf engstem Raum am Leben erhalten. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Kathedralen wie das Abaton oder die Sihlcity-Arena machen den Kinobesuch zu einer Mischung aus Abendessen, Rockkonzert und Apéro. Im Riff Raff darf man Essen und Gläser mit in den Saal nehmen, und wer gleich gar nichts auf Handlung gibt, ist wenige Blocks weiter herzlich willkommen im Kino Roland.

7. Das ultimative Ego-Erlebnis

Bei Kinobesuchen wird gern die soziale Komponente hervorgehoben, aber eigentlich spielt sich das Ganze hauptsächlich im eigenen Kopf ab. Andere Zuschauer, die den Saal mit Nachos verstinken und an all den falschen Stellen lachen, stören da nur. Gerade jetzt im Sommer hat man das Kino für sich, oder sitzt zumindest alleine auf weiter Flur. Dies schmeichelt dem individualistischen Zürcher. Er kann die Füsse hochlegen und sich becherweise Popcorn schief in den Mund stopfen, ohne dass jemand meckert. Meist lässt er dann alles auf und unter dem Sitz liegen, obwohl alle fünf Meter ein Abfalleimer steht. Doch das ist eine andere Geschichte.

8. Filme sind fürs Kino gemacht

Während Fernsehen berieselt und Handys ablenken, bekommt die Kinoleinwand die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer Zuschauer. Schliesslich geht man sich nur Filme anschauen, auf die man wirklich Bock hat. Die Filmwahl ist eine bewusste Entscheidung. Nicht einmal eine knappe Kasse kann einen da zurückhalten. Man investiert in ein Erlebnis von bester optischer und akustischer Qualität, von dem man selbst Jahre später noch zehren kann.

9. Die Macht des Augenblicks

Dieser Moment, in dem die Lichter ausgehen. Monatelang hast du dich auf diesen Film gefreut, ihm entgegengefiebert und nun bekommst du ihn endlich zu sehen. Kein Anruf, kein SMS und keine Werbeeinblendung wird deine Erfahrung trüben. Du hast die hundert Unterhaltungsmöglichkeiten dieser hektischen Stadt auf eine einzige Wahl heruntergebrochen. Du bist genau dort, wo du sein solltest. Licht bricht ins Dunkel und vor dir liegt unentdecktes Land.

Titelbild: Instagram/riffraff_kino_bar_bistro

Veröffentlicht: 11. Juli 2016 | Update: 3. August 2018


Redaktor

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