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Bild: Markus Krebs via Pixabay

9 Dinge, die du im Tram nicht tun solltest

Tsüri-Redaktor Philipp fährt lieber Tram als Velo. In den vielen Stunden, die er in der Zürcher Strassenbahn verbracht hat, hat er schon vieles gesehen. Einiges, findet er, gehört nicht dorthin. Und so fühlte er sich veranlasst, eine kurze Liste mit Benimmregeln für das Tramfahren zu verfassen.
05. August 2019
Redaktor

Manieren sind keine willkürliche Ansammlung von elitären Regeln. Sie sind Ausdruck von Respekt. Respektvoller Umgang im Tram wird zunehmend selten, früher war das besser. Ob man einer junggebliebenen Dame seinen Sitzplatz freigibt oder einfach auf das nächste Tram wartet und währenddessen seinen Zmittag fertig schnabuliert – das Tram sollte ein Ort der gegenseitigen Achtung sein.

1. Bitte kein Deo und Parfum

Es kann vorkommen, dass man, bevor man aus dem Haus gegangen ist, vergessen hat, seine Achseln mit Deodorant zu befeuchten. Liebe Wohlriecher*innen, die stets einen Deo dabei haben: das Tram ist gleichwohl nicht der richtige Ort, dies nachzuholen. So sehr du dein «Lieblings-Fragrance» auch magst, es könnte gut sein, dass jemand deinen Duft nicht genügend zu schätzen weiss. Noch wahrscheinlicher ist, dass sich jemand daran stört. Drum sprayen oder rollen – bitte vor oder nach dem Aussteigen.

2. Vor dem Einsteigen die anderen Fahrgäste aussteigen lassen

An gewissen Tagen hat man einfach keinen Bock, im Zwischenabteil des Trams herumzustehen. Und wer zusammen mit zwei Dutzend anderen Fahrgästen draussen vor der Tür eines halb gefüllten Waggons steht, muss kein Mathegenie sein, um ausrechnen zu können, dass es mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht für alle Gäste einen Sitzplatz mehr frei haben wird. Obschon du nach einem harten Tag schwere Beine hast – pöbelhaftes Drängeln während andere Fahrgäste versuchen auszusteigen, ist keine Frage der Klasse. Dass Höflichkeit oft nur eine Frage der Logik ist, lässt sich in diesem Fall besonders deutlich aufzeigen. Denn spätestens sobald du selbst aussteigen musst und dir jemand nach ein paar Schritten den Weg abschneidet, merkst du hoffentlich, dass Gedränge auf der Treppe einfach nur nervt.

3. Das Tram: weder für Mani- noch für Pediküre geeignet

Man könnte meinen, dass die schmutzigen Wanderschuhe des Gegenübers auf dem Sitzplatz nebenan das höchste der Gefühle darstellen, wenn es um Respektlosigkeit im ÖV geht. Ob die Fuss- und Handfetischist*innen, welche das Tram immer öfter zum Nagelstudio erklären, dies toppen, ist letztlich Meinungssache. Tatsächlich gehört aber weder das Kauen, das Schneiden, das Schleifen und Lackieren, das Pulen oder Reinigen der Finger- und ganz besonders der Fussnägel in den öffentlichen Verkehr der Stadt.

4. Die Tasche gehört in der Rushhour auf die Knie

Als Zürcher*in gefällt es dir ziemlich sicher, ein bisschen asozial zu sein. Auch der Verfasser dieser Liste ist ab und an etwas frevelhaft. Allerdings hat alles seine Grenzen. Im Falle deiner Tasche ist die Grenze dort, wo deine Oberschenkel aufhören und der Sitz nebenan anfängt. Wenn du nach der Arbeit also ohne Platznachbar*in nach Hause fahren willst, bestell dir ein Taxi! Ansonsten nimm Rücksicht und pflanze – speziell bei hoher Belegung – deine Tasche auf deine Knien!

5. Brunchen und dinieren bitte draussen

Er ist eine Art Kavaliersdelikt – der Kebab im Tram. Trotz verschiedener Kampagnen der VBZ gegen das Konsumieren von Esswaren im öffentlichen Verkehr konnte man das grosse Fressen im Tram bisher nicht verhindern. Es gibt derweil wahrscheinlich nur wenige, die noch nie im Tram etwas gegessen haben. Doch Regeln sind Regeln und Respekt bleibt Respekt. Du hast nichts gegen Döner mit Alles oder willst, um Zeit zu sparen, dein Lachsbrötli gleich während der Fahrt geniessen? Dann denk nächstes Mal daran, dass es auch Leute gibt, die das stört. Grundsätzlich solltest du dich stets fragen, inwiefern deine Mahlzeit im Tram andere beeinträchtigen könnte. Guetzli sind beispielsweise besser für ein Dessert im Tram geeignet als Glacé. Weil ein paar Krümel am Boden weit weniger schlimm sind als eine klebrige Sitzgelegenheit. Sei also respektvoll! Verschiebe deine Fressorgie wann immer möglich auf die Haltestelle oder noch besser: An einen Esstisch; ist eh gemütlicher.

6. Kopfhörer statt Lautsprecher

In einer Strassenbahn spielt es keine Rolle, wie gern du deinen Lieblingstrack magst. Für viele Leute ist das Hören von Musik im Tram ohne Kopfhörer nämlich eher ein Zeichen für einen Minderwertigkeitskomplex als ein Beweis für guten Musikgeschmack. Egal ob Salsa, Mumble-Rap oder Gabber – laute Musik im ÖV ist einfach ein No-Go. Es gibt inzwischen verschiedenste Varianten hervorragender Kopfhörer, mit denen die Musik so oder so besser klingt als über die Lautsprecher deines Handys. Dass im Tram nur noch ein undefinierbarer Brei zu hören wäre, würden alle Gäste laut Musik hören, versteht sich wohl von selbst.

7. Nach Hause telefonieren

Nicht nur E.T. muss hin und wieder zuhause anrufen. Dessen ungeachtet mutiert man nicht zu einem*r unsichtbaren Ausserirdischen, wenn man an einem Wochentag im 4er um 17.00 Uhr unbedingt noch das Nachtessen oder den Kühlschrankinhalt mit dem*r Mitbewohner*in besprechen will. Auch hier gilt erstmal: Lautsprecher sind auszuschalten! Und obschon du dich diesbezüglich um deine Privatsphäre kümmerst, darfst du nicht überrascht sein, wenn im 4er-Abteil der Rest von Züri West mithört. Für deine Beziehungsprobleme gibt es zudem auch besser geeignete Orte. Kurz: wenn du nicht möchtest, dass jemand bei deinem Telefongespräch mithört, dann schreib eine Nachricht oder warte die paar Minuten Tramfahrt ab. Dann kannst du entweder gleich unter vier Augen dein Gespräch führen oder du hast zumindest weniger Publikum, um deine Intimitäten diskret zu besprechen.

8. Trockensex gefällt nicht allen

Es gibt ja nichts Schöneres als frisch verliebt zu sein. Dennoch ist es nicht zu viel verlangt, dass du und dein*e Partner*in wenigstens für ein paar wenige Minuten eure Finger voneinander lassen könnt. Abgesehen von einer Handvoll Voyeurist*innen kommt sowohl öffentliches Petting als auch Trocken-Verkehr bei den meisten Fahrgästen nicht gut an. Seine Lust zu zügeln macht ausserdem meistens sowieso mehr Spass.

9. Motzen ist trotzdem meistens dumm

Schlussendlich ist das Tram ein Ort der Begegnung par exellence. Werden die Manieren von anderen Gästen ignoriert, sollte man sich stets fragen, ob es verhältnismässig ist, zu reklamieren, bevor man dies in die Tat umsetzt. Babies dürfen schreien, wenn ihnen danach ist. Und Schulklassen blockieren halt manchmal die Tür. Manche riechen gut, andere weniger. Motzen ist aber häufig nutzlos. Selbstverständlich bestätigt die Ausnahme die Regel. Am Ende ist es jedoch freilich mindestens so manierlich, im Tram aufs Maul zu sitzen. Wegen jeder Lappalie gleich ausrasten, kann man sonst übrigens auch im restlichen Strassenverkehr.

Fazit

Es gibt wohl keinen besseren Ort, den Umgang zwischen Menschen zu beobachten als der öffentliche Verkehr. Es ist schön, dass im Zürcher Tram derart viele verschiedene Leute aufeinander treffen. Und gerade weil das Tram ein Schmelztiegel ist, sollte man ihn auch als solches sehen und sich dementsprechend verhalten. Um grössere Missverständnisse und Unannehmlichkeiten zu vermeiden, lohnt es sich, etwas Fingerspitzengefühl an den Tag zu legen. Letztlich profitieren alle davon, wenn man die anderen Fahrgäste so behandelt, wie man selbst behandelt werden möchte.

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