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Ein 80 Stunden Theater-Marathon für den Weltrekord

Eine ZHdK-Absolventengruppe wagt einen Versuch: Die längste Theateraufführung der Welt. In 80 Stunden sollen zwischen dem 30. November und dem 3. Dezember 17 Stücke ohne Unterbruch gespielt werden. Damit die sechsköpfige Männergruppe den Guinness World Record schafft, ist sie auch auf die Unterstützung vom Publikum angewiesen.
27. November 2019
Praktikantin Redaktion

Kennst du noch dieses Buch mit dem schimmernden Umschlag? Das Buch, das du als Kind in der Bibliothek durchgeblättert, aber nie ausgeliehen hast? Das Buch, in dem ein Foto von einer Frau mit den längsten Fingernägeln der Welt prangte und du dich fragtest: «Wieso sollte man so etwas machen?»

Eine ähnliche Frage stand im Raum, als Livio Beyeler, Künstler, Regisseur und Produzent des Tsüri Kulturfilz-Podcasts, von dem Projekt «Theater Weltrekord» erzählte. 80 Stunden Theater am Stück, bei dem immer mindestens 20 Zuschauer*innen anwesend und ein*e Schauspieler*in auf der Bühne sein müssen: Das sind die Voraussetzungen, um den Guinness World Record zu gewinnen und die amtierenden Rekordhalter*innen der längsten Theateraufführung, eine Gruppe aus Kalifornien, vom Thron zu stossen.

Das männliche Prinzip

Beyeler ist einer der insgesamt sechs Initianten des Projektes, das im Rahmen ihrer Abschlussinszenierung an der Zürcher Hochschule der Künste durchgeführt wird. Dabei geht es laut dem jungen Zürcher nicht in erster Linie um das Schaffen des Rekords, sondern um den Moment des Aus- und Durchhaltens in Verbindung mit dem Moment des Wetteiferns. Und das hat auch einen Grund: «Unsere Inszenierung handelt vom Machthaber Kreon aus der griechischen Tragödie Antigone, der drei Amtszeiten aushalten muss», so Beyeler. Ein Akt nach dem männlichen Prinzip, wie er sagt, welches sich durch zielgerichtete Handlungen auszeichnen würde.

Ist eine solch maskuline Betrachtungsweise in Zeiten von Frauenstreik und Gleichstellung noch zeitgemäss? «Es ist anmassend, wenn sechs Männer versuchen, ein Theaterstück aus Sicht einer Frauenfigur zu inszenieren», findet Beyeler. Von «dem männlichen Blick auf die Frau» hätten sie sich in diesem Projekt distanzieren wollen. Es sei also sehr bewusst eine solche Inszenierungsform und der Blick auf den Mann im Drama gewählt worden, stellt das Kollektiv klar.

Alle 17 Theaterstücke wurden modern inszeniert. Bild: zVg

Nachtruhe unerwünscht

Während das Rahmenprojekt um den Theater Rekord also sehr vorsichtig überlegt wurde, sind die 17 Stücke, die gesamthaft über die 80 Stunden gespielt werden, eher zufällig ausgewählt. Von «Hamlet» über «Nathan der Weise» bis hin zu «Nora oder ein Puppenheim» sind so ziemlich alle üblichen Verdächtigen im Programm vertreten.

Deshalb hoffen die Initianten auch auf genügend Publikum: Damit der Rekord zustande kommt, seien sie darauf angewiesen, dass ab Samstag 14 Uhr bis Dienstag 22 Uhr jeweils 20 Zuschauer*innen im Raum sind – egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit. «In den Nächten müssen wohl unsere Freund*innen dran glauben», lacht Beyeler. Um schlussendlich auch beweisen zu können, dass alles nach den vorgegebenen Regeln verläuft, wird das Publikum wie auch die Schauspieler über die ganze Zeit hinweg von Kameras überwacht.

Ohne Publikum kein Erfolg

Und was, wenn das Vorhaben scheitert, weil es an Zuschauer*innen mangelt? «Egal, wir ziehen es trotzdem durch», sagt Aron H. Matthiasson, ein weiteres Mitglied der Initiantengruppe. Angst zu scheitern hätten sie sowieso nicht, ergänzt Beyeler. Obwohl die Stücke bis zum Zeitpunkt der Uraufführung nicht geprobt werden. Es gehöre zum Gesamtkonzept, dass die Aufführung zum Teil auch improvisiert sei: «Damit es für das Publikum interessant bleibt, muss es eine Bruchstückhaftigkeit mitbringen», erklärt der Regisseur.

Das Publikum spiele aber nicht nur wegen des Zustandekommens des Weltrekords eine wichtige Rolle, so Beyeler: «In diesen 80 Stunden erarbeiten wir zusammen mit den Zuschauer*innen ein Theaterstück. Wir brauchen den Dialog mit den Menschen vor der Bühne, um die jeweiligen Stücke komplett zu machen.»

Würde der Rekord tatsächlich geschafft werden, winkt den Theatermachern ein Zertifikat und einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde – kein Geld, kein ‹Ruhm und Ehre›. Wenn nicht, würden sie sich einfach ein eigenes Zertifikat ausstellen, ist sich die Gruppe sicher.


Schaffen sie den Weltrekord? Sag es uns deine Meinung in den Kommentaren.


Infos:

Die Aufführungen finden vom Samstag, 30.11., ab 14 Uhr bis Dienstag, 3.12., bis 22 Uhr am Theater der Künste an der Gessnerallee 11, 8001 Zürich, statt.

Wer den Rekordversuch als Zuschauer*in unterstützen respektive die Vorstellungen geniessen möchte, meldet sich hier an. Die 80-Stunden-Perfomance wurde in zweistündige Slots eingeteilt, wobei natürlich auch mehrere besucht werden können. Die Anmeldung ist gratis – wie es auch die Getränke vor Ort sein werden.

Am Projekt beteiligt sind Viktor Bashmakov, Livio Beyeler, David Bircher, Nils Lou Lauper, Aron H. Matthiasson und Kai Vos.

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