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So einfach kannst du deine eigenen Bienen züchten

09. Mai 2016


Frühlingszeit ist Blütezeit und Zürich sonnt sich dankbar in den ersten warmen Strahlen des Jahres. In den üppig gesäumten Alleen aus Kirschbäumen schwirren nun auch wieder die fleissigen Bienchen von Blüte zu Blüte, unermüdlich im Auftrag, die Stadtflora zu bestäuben.

Spätestens seit dem Dokumentarfilm «More than Honey» ist bekannt, dass unser Speiseplan ohne diese emsigen Insekten sehr spärlich aussehen würde und somit die reale Gefährdung der meisten Bienenarten ein ernstzunehmendes Problem ist.

Auch in der Schweiz haben wir durch Zersiedelung und intensiv betriebene Landwirtschaft mit dem Bienensterben zu kämpfen. Daher haben sich der Biologe Tom Strobl und der Agronom Claudio Sedivy von Wildbiene + Partner die Aufgabe gestellt, Wildbienen in Zürich und der ganzen Schweiz anzusiedeln und zu erhalten. Es handelt sich hierbei um die gefährdeten Arten der Gehörnten Mauerbiene und der Roten Mauerbiene, die im Gegensatz zur allgemein bekannten Honigbiene keinen Honig produzieren und nicht in einem Staat leben. Sie nisten alleine in Höhlen oder im Boden, wo sie ihr einziges Ei behutsam umsorgen. Ausserdem sind die Tierchen harmlos und lassen Menschen grundsätzlich in Ruhe.

Jeder kann bei Wildbiene + Partner als Bienengotti oder Bienengötti für 120 oder 175 Franken ein «Beehome» zu sich nach Hause bestellen. Das wird dann einfach im Garten oder auf dem Balkon aufgestellt. Im Frühling schlüpfen die Bienen und fangen an, in die nahe Nachbarschaft auszufliegen.

Wir waren bei Wildbiene + Partner im Kreis 5 zu Besuch und haben uns von Tom Strobel die «Beehomes» erklären lassen:

Sind die Zürcherinnen und Zürcher grosse Bienenfreunde? Tom: Seit der Lancierung des Projekts vor vier Jahren verzeichnen wir jährlich massiv mehr Patenschaften. Dies zeigt, dass die Zürcherin und der Zürcher grosses Interesse an der Erhaltung und Pflege der Wildbienen haben und sich der Wichtigkeit dieses Insekts bewusst sind. Die Meisten Gottis und Göttis kommen über eine hervorragend etablierte Mund-zu-Mund Propaganda zu uns und möchten auch in der nächsten Bienensaison wieder mitmachen.

Wie weit fliegen die Wildbienen vom heimischen Bienenhäuschen weg? Das hängt vom Nahrungsangebot in der Umgebung ab. Normalerweise beträgt der Radius nicht mehr als zwei- bis dreihundert Meter. Ist das Angebot allerdings schlecht kann es sein, dass sie weitere Distanzen fliegen und dann nicht mehr zum Häuschen zurückkommen. Sie suchen sich dann einen anderen Nistplatz.

Wie kann man die Bienen auf dem eigenen Balkon unterstützen? Am besten hält man die richtigen Pflanzen. Da gibt es viele einheimische Kräuter, Blumen und Sträucher, die bestens geeignet sind. Eine Übersicht der geeigneten Pflanzen findet man auf unserer Webseite. Das Schöne an einem «Beehome» auf dem eigenen Balkon ist, dass man die Bienen bei ihrer täglichen Arbeit hautnah beobachten kann. Zum einen stechen sie nicht und zum anderen sind sie sehr fleissig. Es ist toll zu sehen, wenn sie mit pollenbehangenen Beinchen nach einem Ausflug zurück nach Hause kommen.

Im Sommer, nachdem die Biene genug Pollen gesammelt hat, verklebt sie ihr Nest mit Lehm, in dem dann der Nachwuchs heranwächst. Was passiert dann? Die Bienengotte und der Bienengötti schickt das «Beehome» an uns zurück, wo wir es pflegen und von Parasiten befreien. Ausserdem kann man bei uns auf der Homepage nachschauen, wie viele Eier im eigenen «Beehome» gelegt wurden und wie der allgemeine Zustand des Häuschens ist. So kann man auch während des Winterschlafs den Lebenszyklus der Gottenbienen ganz einfach mitverfolgen. Danach werden die Eier zum Schlüpfen und zur weiteren Bestäubung auf Schweizer Bauernhöfe geschickt, wobei das Gotti und der Götti im Frühling eine neue Startpopulation erhält. Damit beginnt der Kreislauf wieder von vorne.

Welche weiteren Projekte habt ihr gerade am Laufen? Momentan gestalten wir zusammen mit der Grünstadt Zürich ein Wildbienenparadies im Letten zwischen dem Dynamo und der Lettenbeiz. Es hat sich als idealer Lebensraum für die Wildbienen herausgestellt, da es dort eine hohe Diversität von einheimischen, blütetragenden Pflanzen gibt.

Kann man dieses Wildbienenparadies auch besuchen? Natürlich! Normalerweise errichten wir für Besucherinnen und Besucher einen Lehrpfad mit Bildern und Erklärungen zur Lebensweise der Bienen. Allerdings ist das an diesem Standort nur begrenzt möglich, da die Gefahr von Vandalismus sehr hoch ist. Dafür konnten wir das an anderen Standorten in der Stadt etwas grosszügiger gestalten.




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Wo befinden sich in der Stadt ideale Standorte für Bienenparadiese? Zürich bietet in der ganzen Stadt einige wunderbare Brachen und kleinere grüne Abschnitte, die nicht voll kultiviert sind. Dort können sich Mauerbienen hervorragend einnisten.

Die Mauerbiene braucht also nicht viel Platz? Nein überhaupt nicht. Sie ist ein sehr genügsames Insekt und kann schon in kleineren Habitaten nisten. Vorausgesetzt das Nahrungsangebot stimmt.

Was sind eure Ziele für die Zukunft? Wir möchten natürlich noch mehr Bienenpatenschaften in der ganzen Schweiz abschliessen. Ausserdem versuchen wir landesweit, Bauernhöfe für unser Projekt zu gewinnen. Die Rückmeldungen von unseren bisherigen Partnern sind durchwegs positiv, sodass wir für die Zukunft optimistisch gestimmt sind.

Bis Ende Mai kann man sich noch als Gotti oder Götti für die diesjährige Bienensaison anmelden. Mit einem geringen finanziellen Beitrag gibt man einer neuen Wildbienenpopulation auf dem eigenen Balkon einen idealen Start ins Leben und trägt somit zur Erhaltung der Bienenpopulation in der Schweiz bei.

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